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Kultur „Wir wollen Plankton sein“ – die neue Inszenierung von Theater Erlebnis
Nachrichten Kultur „Wir wollen Plankton sein“ – die neue Inszenierung von Theater Erlebnis
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01:15 01.11.2018
Ein Traum in Ikea. Darin: Yorick, Bernadette und Micha. Quelle: Tim von Kietzell
Hannover

Die Bühne ist ein Traum in Ikea. Yorick, Liebhaber der alternden Diva Bernadette, lümmelt zu Beginn von „Wir wollen Plankton sein“ auf einem der Sofasherum. Der Sohn der Diva, Micha, zieht rastlos durch den Raum, er trägt ein Tshirt mit seinem eigenen Gesicht darauf und schleppt ein rosa Plüschschweinchen mit sich herum. „Ich muss euch warnen, wir sind jetzt schon sehr erschöpft“ spricht Yorick, geschminkt als Harlekin mit passender Halskrause das Publikum direkt an. Und beginnt einen erschöpften Tanz.

Worum es dann in „Wir wollen Plankton sein“, der neuen Produktion von Theater Erlebnis, geht, lässt sich nicht so ganz genau sagen. Es gibt einen Konflikt zwischen Bernadette und Micha, weil der Yorick doch arg jung ist. Es gibt einen Konflikt zwischen Yorick und Micha, weil der seinen Vater nicht ersetzen will und auch nicht kann. Es gibt einen Konflikt zwischen Bernadette und Yorick, in dem es um die Frage geht, wer jetzt wen wie sehr liebt. Aber alles das ist nur Nebensache, nur Futter für das dreifach ironische Prisma, durch das der Text seine Handlung und seine Figuren bricht.

Der Text des Theater- und Drehbuchautors Julian Pörksen ist eigenartig, eine Metakomödie, die um sich selbst kreist, sich selbst kommentiert, wieder daraus hervorbricht und versucht, die Handlung voranzutreiben, sich dann aber wieder in selbst verliert. Glück, Liebe, Identität, Tod, Sexualität, Kapitalismus, Großvaters Fronterlebnisse im zweiten Weltkrieg – „Wir wollen Plankton sein“ schneidet vieles thematisch an, aber mit einem Augenzwinkern. Yorick erzählt, wie er am Grab seines Vaters stand und Bedingungen eigentlich gut waren: Regen, der Geruch nach Erde. „Ganz klassisch wollte ich das erleben, die Grabsituation“. Doch er fühlt einfach nichts. Das nächste Mal, meint er, würde er sich besser vorbereiten.

Soviel nachdenken ist natürlich schwer, und so kommt das Trio zu dem Ergebnis, das es besser wäre, Plankton zu sein, und zu „schwimmen in einem Meer aus Indifferenz.“ Die nächste Drehung auf die Meta-Ebene kommt, als alle versuchen, dem Theatertext selbst zu entfliehen: „Ich fühle mich nicht frei. Ich möchte diese Texte nicht mehr sagen“, sagt Yorick, aber selbstverständlich steht auch dieser Text im Text und niemand auf der Bühne kann ihm entfliehen. „Wir alle hängen an Drähten“, sagt Bernadette, „wir müssen lernen, sie zu lieben.“

Die Schauspieler, die in der weißen Sofalandschaft durch diesen unendlichen Regress stratzen haben sichtlich Spaß an dem Spiel mit den Ebenen, wechseln sie mit Begeisterung hindurch. Das Publikum dankt es mit Lachen und intensivem Schlussapplaus. „Wir wollen Plankton sein“ ist zwar ein Text, der am Ende nur zu sich selbst führt – das aber im Theater Erlebnis klug und unterhaltsam umgesetzt.

Die nächsten Aufführungen:
2. bis 4. November, jeweils 20 Uhr.
Karten: (0511) 39 70 794

Von Jan Fischer

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