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Facebook muss beim Datenschutz nachbessern
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Prüfbericht Facebook muss beim Datenschutz nachbessern

Datenschutz ist für Facebook ein heißes Thema. Die Datenschützer in Irland, wo das Online-Netzwerk seine Europa-Zentrale hat, haben nun einen Bericht vorgelegt, mit dem sich sowohl Facebook als auch die Kritiker zufrieden zeigen. Ein kleiner Sieg ist, das Facebook Daten schneller löschen muss.

Berlin. Die irischen Datenschützer haben vom weltgrößten Online-Netzwerk Facebook nach einer breit angelegten Untersuchung diverse Nachbesserungen gefordert, aber keine gravierenden Verstöße gefunden. Das Unternehmen habe sich unter anderem bereiterklärt, besser über die Gesichtserkennungsfunktion zu informieren und von Nutzern gelöschte Daten schneller von den Servern zu entfernen, teilte die Datenschutzbehörde am Mittwoch mit.

Die irische Datenschutzbehörde fand zugleich keine Hinweise darauf, dass Facebook Profile von Nicht-Mitgliedern erstellt. Das schwächt die Position des schleswig-holsteinischen Datenschützers Thilo Weichert, der dem Unternehmen genau das vorwirft und deswegen unter anderem gegen den „Gefällt mir“-Button vorgeht. Zugleich forderte die Behörde Facebook auf, die Speicherung von Informationen über Nicht-Mitglieder auf ein Minimum zu reduzieren und diese noch schneller zu löschen.

Außerdem müsse der Datenschutz bei der Nutzung von Facebook-Apps anderer Anbieter transparenter gemacht werden, forderten die Datenschützer. Facebook habe sich auch bereiterklärt, Informationen über die Klicks von Mitgliedern auf Werbeanzeigen nach spätestens zwei Jahren zu löschen. Der Verwendung von Nutzerdaten für gezielte Werbung müssten klare Grenzen gesetzt werden. Zudem sollten Nutzer künftig einfacher kontrollieren können, wer sie auf Bilder markieren oder zu Gruppen hinzufügen darf. Im Juli 2012 will die irische Behörde prüfen, inwieweit Facebook den Empfehlungen nachgekommen ist.

Die irischen Datenschützer sind aus Sicht von Facebook als einzige in Europa direkt für die Kontrolle des Unternehmens zuständig, weil das Netzwerk dort sein europäisches Hauptquartier hat.

Facebook zeigte sich erfreut, dass die Behörde die Bemühungen um Schutz und Sicherheit der Nutzerdaten gelobt habe. Allerdings sah sich auch ein bekannter scharfer Facebook-Kritiker, der Wiener Jurastudent Max Schrems, von dem Bericht bestätigt. „Es ist amtlich festgestellt worden, dass Facebook sich nicht an alle Regeln hält“, sagte er in einer Reaktion.

Positiv sei, dass Nutzer ausdrücklich die Möglichkeit bekommen müssten, Daten endgültig zu löschen, und ein Anrecht auf eine lückenlose Auskunft zu über sie gespeicherten Informationen haben. „Das irische Datenschutzrecht ist eher schwach im Vergleich zu Deutschland und Österreich; im Bericht steht weit mehr, als wir erwartet hätten“, sagte Schrems, der mit seinen Beschwerden für mehr Druck in der Untersuchung sorgen wollte.

Um den Datenschutz und die Privatsphäre der Nutzer bei Facebook gibt es seit Jahren Streit. Vor allem in Deutschland werfen Politiker und Datenschützer den Online-Netzwerk einen zu laschen Umgang mit Nutzerinformationen vor.Besonders die Gesichtserkennung steht dabei in der Kritik. Eine Facebook-Software erkennt automatisch Gesichter auf den Fotos und fragt beim Hochladen, wer auf dem Bild zu sehen ist. Da viele Nutzer die Fotos ihrer Freunde mit Namen versehen, hat Facebook mittlerweile zu mehr als 450 Millionen Personen biometrische Daten gesammelt. Hamburgs Datenschützer Johannes Caspar kritisiert seit Längerem, dass diese Praxis gegen europäisches Recht verstößt, da Nutzer nicht explizit in die Speicherung der biometrischen Daten eingewilligt hätten.

Facebook stellte Mitte November zwar in Aussicht, von neuen Nutzern diese Einwilligung künftig einholen zu wollen. Für die mehr als 20 Millionen bereits registrierten deutschen Mitglieder soll dies aber nicht gelten.

In den USA hatte das Unternehmen zuletzt unfangreichen Datenschutz-Auflagen und regelmäßigen Kontrollen des Umgangs mit der Privatsphäre zugestimmt.

frs/dpa

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