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15:38 06.07.2012
Von Frerk Schenker
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Hannover

Sie kommen lautlos. Sie kommen unerwartet. Sie kommen durch die Hintertür. Ein Klick – und ihre Maschinerie im Netz setzt sich in Gang. Sie beobachten uns über Wochen, Monate, Jahre hinweg. Sie wissen, wo wir tagsüber arbeiten und abends unser Bier trinken, welches Haarshampoo wir kaufen, wer unser Lieblingssänger ist, manchmal sogar, wie häufig wir die Oma in Süddeutschland besuchen. Und irgendwann besitzen sie ein genaues Bild von uns; genauer, als uns lieb sein dürfte. Sie – das sind keine staatlichen Ermittlungsbehörden, die Trojaner auf einen Rechner einschleusen, Bildschirmfotos machen und Internettelefonate abhören. Sie – das sind die Datensammler im Internet, Riesen wie Google und Facebook sowie unzählige spezialisierte Firmen, von denen die meisten Menschen noch nie etwas gehört haben. Und von denen noch weniger annehmen würden, sie könnten eine Gefahr darstellen.

Denn sind die Datensammler überhaupt eine Gefahr? Ist es für den Einzelnen eine Bedrohung, wenn Unternehmen ihn als potenziellen Kunden sehen und deshalb ein Profil von ihm erstellen? Was ist verwerflich daran, wenn beim nächsten Besuch der Amazon-Webseite die Schnäppchen der Lieblingsmarke angezeigt werden?

Fakt ist: Jeder, der sich im Internet bewegt, wird früher oder später gescannt, analysiert, kategorisiert. Sei es beim Einloggen in soziale Netzwerke, beim Schreiben einer Mail oder beim Abspielen von Musikvideos. Denn persönliche Daten sind die Schmierstoffe im Netz; weil sie Gratisangebote wie Facebook, Google und Co. am Laufen halten; weil sich Namen, Adressen und Hobbys in Werbegeld umwandeln lassen; und weil sich dank umfangreicher Nutzerprofile nicht nur Anzeigen maßgerecht schneidern, sondern auch Trends erkennen und neue Absatzmärkte analysieren lassen. In Zeiten schier unendlicher Speicher- und Rechenkapazitäten ist die Löschtaste überflüssig geworden – und so wird gespeichert, was sich an Informationen im Netz zusammenkratzen lässt.

Was vielen Internetnutzern kaum bewusst ist: Die Datensammelei spielt sich direkt vor ihren Augen ab, ohne dass sie davon etwas merken. Um an werberelevante Informationen zu gelangen, wird eine riesige Schar kleiner Dateien auf die Internetnutzer losgelassen. Diese sogenannten Cookies sendet der Betreiber einer Webseite an den Internetbrowser, der die Datei wiederum auf dem Rechner des Nutzers ablegt (siehe Glossar). Die „Datenkekse“ sind an sich eine gute Erfindung, erleichtern sie doch das Surfen, indem sie persönliche Einstellungen auf Webseiten wie Passwörter oder Nutzernamen speichern. Viele Cookies erfüllen aber noch einen anderen Zweck: Sie erkunden das Surfverhalten der Nutzer, im Fachjargon „Tracking“ genannt. Je mehr die neugierigen Dateien über einen Internetsurfer wissen, desto besser lässt sich das eigentliche Ziel realisieren – die Person vor dem Rechner als Kunden zu gewinnen, indem man ihm passgenaue Werbung anzeigt.

Die Cookies arbeiten so gut, dass sich manch Internetnutzer fragt: Hat mein Computer etwa Augen und Ohren? Wie ist sonst zu erklären, dass eine Frau auf einer Shoppingseite die neuesten Damenschuhe angeboten bekommt, während dem besten Freund auf derselben Seite eine schicke Herrenuhr angepriesen wird? Natürlich weiß der Computer nicht, ob ihn eine Frau oder ein Mann bedient – dafür aber die Cookies, die es den Webseitenbetreibern weiter flüstern. Wer lange genug im Netz unterwegs ist, hinterlässt eine Datenspur, aus der sich viel mehr herauslesen lässt, als den meisten bewusst und lieb sein dürfte.

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