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Aids-Drama "Unter der Haut"

ARD-Film über Medizinskandal Aids-Drama "Unter der Haut"

Mit "Unter der Haut" verfilmt die ARD den zweiten großen Pharmaskandal der Bundesrepublik nach dem Contergan-Drama. Anhand eines bewegenden Einzeldramas erzählt der Film am Mittwoch, einen Tag nach dem Welt-AIDS-Tag, vom Dilemma der Erkrankten, stark gespielt von Friedrich Mücke.

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Freier Tag am See: Martin Siedler (Friedrich Mücke) und seine Frau Sabine (Karoline Schuch) haben schwere Zeiten vor sich.

Quelle: NDR/Christiane Schroeder

Hannover. Wasser, immer wieder Wasser. Es ist das Element, in dem sich Martin Siedler am wohlsten fühlt, mit dem er aber auch sein größtes Trauma verbindet. Und es steht stellvertretend für die Flüssigkeiten, die Martins Leben bestimmen. Denn Martin ist Bluter, schon bei kleinen Verletzungen muss er sich den Gerinnungsfaktor 8 spritzen, um nicht zu verbluten. So wie sein Bruder Andreas, der als Kind im Schwimmbad nach einem Tritt in die Milz starb.

ARD-Drama über Bluterskandal

Denn damals gab es die Therapie mit Faktor 8 noch nicht. Jetzt, im Jahr 1983, kann Martin dank des neuen Medikaments der Pharmafirma Sonne ein weitgehend normales Leben führen. Er wirbt sogar als Pressesprecher dafür. Doch was er lange nicht wahrhaben will: Das vermeintliche Wundermittel für Hämophiliekranke, wie der Gendefekt in der Fachsprache heißt, trägt den Tod in sich. Es infiziert Bluter mit dem Immunschwäche-Virus HIV. Mit dem Drama "Unter der Haut" greift nach dem ZDF nun auch die ARD den Bluterskandal der frühen Achtzigerjahre auf. Mehr als 1500 Bluter infizierten sich damals über Blutpräparate mit dem tödlichen Virus, etwa tausend starben. Der Fall gilt als einer der größten deutschen Medizinskandale. Denn die Pharmaindustrie wehrte sich gegen Forschungsergebnisse, die ihre aus dem Blutplasma menschlicher Spender gewonnenen Faktor-8-Präparate in Verbindung mit der Ausbreitung des HIV-Virus brachten. Aids galt als Krankheit der Schwulen und Drogensüchtigen.

Der Weg vom Mittäter zum Opfer

Anders als das ZDF mit seinem Drama "Blutgeld" von 2013 zieht der vom NDR für die ARD produzierte Film die Konfliktlinie nicht von Beginn an, sondern zeichnet den Fall anhand eines Mannes nach, der vom Mittäter zum Opfer wird. Das Ergebnis ist ein solider, kurzweiliger Film, der trotz manch vorhersehbarer Wendung spannend bleibt. Das liegt vor allem an der Leistung von Friedrich Mücke, der Martin Siedlers Wechselbad der Gefühle überzeugend darstellt. Er verhindert, dass der Zuschauer eine Abneigung gegen den arroganten Pressesprecher Siedler entwickelt, verklärt das Aids-Opfer Siedler jedoch auch nicht zum Helden, als dieser sich schließlich gegen seinen Arbeitgeber stellt.

Moralische Abhandlung bleibt vage

Doch Mücke kann nicht verhindern, dass die Perspektive der Verantwortlichen recht dünn ausfällt. Natürlich geht es in erster Linie ums Geld, wenn Pharmabosse Opfer als Lügner, Drogensüchtige oder Homosexuelle hinstellen, die sich das HIV-Virus sonstwo geholt haben können. Der Zuschauer erfährt, dass ein Eingeständnis über verunreinigte Präparate die Firma Sonne ruinieren könnte, eine Umstellung auf das Produktionsverfahren mit Hitzeinaktivierung der Viren nach Ansicht der Verantwortlichen jedoch viel zu teuer würde. Eine moralische Auseinandersetzung von Siedlers Chef Walter Lange (gespielt von Uwe Kockisch) mit dem Problem wird angedeutet, bleibt aber zu vage.

Vorwissen zum Thema Aids gefragt

Zudem scheint Regisseur Friedemann Fromm davon auszugehen, dass der Zuschauer Vorwissen über die Krankheit Aids mitbringt. Wenn Siedler etwa mit seinem Freund, dem Arzt Tom Radke (Hannes Wegener), im Umkleideraum der Schwimmhalle über die Krankenakte eines Verstorbenen spricht, wird nur langsam klar, dass der Mann an der Immunschwächekrankheit starb. Filmisch gelingt es "Unter der Haut", durch helle, ruhige Bilder einen Gegensatz zur Bedrohung zu erzeugen, die aus der Blutkonserve durch den Schlauch in die Vene fließt. Sie lassen die Gefahr heimtückisch wirken, wie sie in den Alltag des gut situierten Martin Siedlers in seinem schmucken Einfamilienhaus einbricht. Die opulenten Nahaufnahmen von Blut hätte es dazu gar nicht mehr gebraucht.

Von Isabel Christian

  • "Unter der Haut": Aids-Drama mit Friedrich Mücke, ARD, Mittwoch, 20.15 Uhr

 

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