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ARD zeigt die Geschichte von Fritz Bauer

Filmmittwoch im Ersten ARD zeigt die Geschichte von Fritz Bauer

Im Dokudrama "Die Akte General" spielt Ulrich Noethen den Nazi-Jäger Fritz Bauer. Der Film erzählt die Geschichte des lange vergessenen Helden, der unter anderem Israel über den Aufenthaltsort von Holocaust-Bürokrat Adolf Eichmann aufklärte.

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Fritz Bauer (Ulrich Noethen) erläutert dem jungen Staatsanwalt Joachim Hell (David Kross), warum er es für so wichtig hält, in der Verfolgung der Naziverbrechen nicht nachzulassen.

Quelle: SWR/UFA FICTION/Hardy Brackmann

Hannover. Ein Jedermannsname, der aber einem Helden gehört: Fritz Bauer. Der Mann war bis vor zwei Jahren so vergessen wie bis Mitte der Achtzigerjahre der deutsche Judenretter Oskar Schindler. Und jetzt will man 2016 also auch noch all die Sofakartoffeln, die weder Giulio Ricciarellis "Im Labyrinth des Schweigens" (2014) noch Lars Kraumes "Der Staat gegen Fritz Bauer" (2015) im Kino gesehen haben, mit ihm bekannt machen. Mit einem jüdischen, schwäbischen Generalstaatsanwalt, der im Hessen des Jahres 1959 für unerwünschten Wirbel sorgt. Mächtigen Wirbel.

Der Staat würde die NS-Verbrechen gern ruhen lassen

Ins Wirtschaftswunderland führt der Film den Zuschauer. Dessen allmählich ergreisender Bundeskanzler Konrad Adenauer (Dieter Schaad) nähert sich so wortreich wie unaufrichtig Israel an – und hätte in Sachen Drittes Reich und Kriegsverbrechen der Deutschen doch mal langsam gern ein "Schwamm drüber". Zumal mit Hans Maria Globke (Bernhard Schütz) ein "alter Kamerad" seine Kanzlergeschäfte leitet, einer der vor gar nicht so langer Zeit an den Rassegesetzen der Nationalsozialisten mitgearbeitet hatte und der angreifbar wäre. Ewiggestrig ist in diesem sauberen Land 1959 noch, wer nicht Ruhe gibt mit den Fingerzeigen auf die Hitlerdiktatur. Der junge Staat glaubt, die Menschen zu brauchen, die schon einmal eine deutsche Demokratie ausgeschaltet hatten.

Fritz Bauer kämpft gegen die Nazionalsozialisten

Fritz Bauer nun sticht in sämtliche braune Wespennester. Er treibt die Frankfurter Auschwitzprozesse voran. Sein lange unbesungenes Handeln hat angestoßen, dass der Horror der Hitlerjahre ein Thema blieb, dass die Auseinandersetzung ernsthaft geriet und die westdeutsche Demokratie keine Farce wurde wie die ostdeutsche.

Von Verbündeten verraten

Ulrich Noethen spielt den Mann mit den weißgrauen, widerspenstigen Haaren und der Hornbrille gut, fast gleicht er Burghart Klaußner in "Der Staat gegen Fritz Bauer". Allerdings ist die Figur in Noethens Darstellung besonnener, unbeirrbar und fuchsschlau im Unterlaufen und Austeilen, in der Umsetzung seines Ziels, das Vergessen zu verhindern und all die alten Betreiber der Menschenvernichtung, die sich mit am Aufschwung nähren, der Gerechtigkeit zuzuführen. Über den Aufenthalt des obersten Holocaust-Bürokraten Eichmann informiert er die Israelis, täuscht er die Geheimdienste der eigenen Vertuschungsrepublik. Denen flunkert er vor, Eichmann stecke in Kuwait. Ätsch! Er wird verdächtig, Verrat gedeiht in den eigenen Reihen. Der (fiktive) junge Staatsanwalt Hell (David Kross) an Bauers Seite lässt sich – obgleich im Grunde überzeugt von dessen Tun – von der Gegenseite kaufen. Die Angst vor kommunistischer Unterwanderung und Bauers Suche nach ostdeutscher Unterstützung für seine Jagd machen Hell zum Instrument der Altnazis. Er legt die "Akte General" an, die seinen Förderer angreifbar macht. Denn Bauer ist homosexuell, der "Schwulenparagraf" 175 stellte das in der BRD unter Strafe – das ging noch bis Mitte 1994 so.

"Es ist unsere Pflicht, unbequem zu sein."

Stephan Wagners Film ist bildschön mit seinen strahlend blauen Opel Kapitäns (damals wurden Autos noch wöchentlich gewaschen) und mit seinen historischen Interieurs. Die Fünfzigerjahre leuchten, hier gibt es keinen Staub, die ganze Welt ist gewienert und poliert. Wenn in Wagners Gerichtssälen Richter brüllen wie kleine Freislers, wird allerdings schon mal zu dick aufgetragen. Und allzu viele Sätze hier klingen nach Phrasen und Blasen: "Er waren doch nicht alle Deutschen Nazis!", "Wir müssen aus dieser Katastrophe die Lehre ziehen." Ein Satz bleibt haften, Bauer spricht ihn, er gilt für alle echten Patrioten bis heute: "Es ist unsere Pflicht, unbequem zu sein."

Von Matthias Halbig

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