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So wird der "Tatort" am Sonntag

ARD-Krimi So wird der "Tatort" am Sonntag

Der Stuttgarter „Tatort: HAL“ wartet mit allerhand Anspielungen auf Stanley Kubrick's "2001" auf. Doch geht es dabei nicht etwa um den Kampf zwischen Mensch und Raumschiffcomputer, sondern um eine hippe Softwarefirma. Kubrick-Fans werden daran ihren Spaß haben. Aber jene Zuschauer, die "2001" nicht gesehen haben, haben erstaunlich wenig von der "Tatort"-Adaption.

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Ich weiß, wer du bist: Das Gesichtserkennungsprogramm Bluesky liefert in Windeseile Daten zu allen Besuchern – auch zu Kommissar Sebatian Bootz (Felix Klare).

Quelle: ARD

Werden Computer eines Tages die Menschen beherrschen? Können selbst lernende Programme klüger werden als wir? Diese Fragen sind nicht erst aktuell, seit die digitale Revolution im vollen Gange ist. Schon in Stanley Kubricks bald 50 Jahre altem Science-Fiction-Epos „2001: Odyssee im Weltraum“ übernahm der Computer HAL 9000 die Regie über ein Raumschiff und ging dabei sogar so weit, Astronauten zu töten. „HAL“ heißt auch der aktuelle Stuttgarter „Tatort“ – und nicht allein der Titel ist eine Anspielung auf den Kubrick-Film.

„2001“-Fans werden durchaus Spaß an diesem „Tatort“ haben. Regisseur und Autor Niki Stein hat den Kampf zwischen Mensch und Computer aus einem Raumschiff in eine hippe Softwarefirma verlegt. Anstelle des Astronauten Dave Bowman plagt sich der des Mordes verdächtigte, smarte Softwareentwickler David Bogmann (Ken Duken) mit dem Überwachungsprogramm Bluesky, das sich mehr und mehr verselbstständigt und zur Bedrohung wird. Garniert wird das Ganze mit kleinen, spielerischen Zitaten: So ist das Lied „Hänschen klein“ zu hören, der Avatar von Bluesky sieht ein wenig aus wie ein Affe, und ein Mädchen wirft ein Holzstück mit großem Schwung in die Luft, sodass die Szene an den weggeschleuderten Knochen in „2001“ erinnert. Doch die Stärke des „Tatorts“ ist auch seine größte Schwäche. Denn wer den beinahe drei Stunden langen Kubrick-Klassiker nicht kennt, hat wenig von der Adaption durch das „Tatort“-Team.

Der cineastisch vielleicht weniger vorgebildete Zuschauer wird mit einem überfrachteten Fernsehkrimi konfrontiert, der in seinen guten Szenen wie ein Science-Fiction-Thriller, in seinen schlechten wie ein Lehrstück mit erhobenem Zeigefinger daherkommt. Die Stuttgarter Kommissare Sebastian Bootz (Felix Klare) und Thorsten Lannert (Richy Müller) müssen in „HAL“ den Mord an der Schauspielschülerin Elena Stemmle aufklären. Aufgrund eines Snuff-Videos, in dem zu sehen ist, wie die junge Frau mit einer durchsichtigen Plastiktüte erstickt wird, gerät Programmierer Bogmann in Verdacht. Denn die Polizei hat ermittelt, dass das Video von einem Computer mit Bogmanns IP-Adresse stammt. Dass Bogmann Stemmle kannte, leugnet er schon bald nicht mehr. Den Mord aber streitet er vehement ab. Ken Duken spielt die Wandlung vom selbstbewussten, coolen Programmierer zum ängstlichen Mordverdächtigen durchaus überzeugend. Die Polizei glaubt ihm nicht und das von ihm selbst kreierte Programm Bluesky beginnt sich gegen seinen Schöpfer zu wenden. Es nimmt von ihm vorgenommene Änderungen im Programm selbsttätig zurück und überwacht Bogmann auf Schritt und Tritt. Der gerät mehr und mehr in Panik – zumal ihn auch seine Chefin bei seinen Bemühungen, Bluesky zu stoppen, nicht unterstützen will.

Hätten Niki Stein und sein Team es nicht bei diesem durchaus spannenden Handlungsstrang belassen und eine Art Kammerspiel zwischen Bogmann und Bluesky inszenieren können? Offenbar hat Stein das nicht gereicht. Der „Tatort“ wirkt, als habe Stein eine Mission: noch einmal dem Letzten in diesem Land deutlich zu machen, welche Gefahren moderne Computer- und Smartphonesoftware mit sich bringen kann – und welche Verbrechen mit Hilfe des Internets geschehen. Darknet! Snuff-Videos! Betrügerische Dating-Portale! Chatbots! Komplette Überwachung! Über vielen Szenen scheint der Satz zu schweben: alles ganz doll schlimm.

Über die Gefahren der Überwachung, über digitale Spuren, die Menschen heutzutage ganz freiwillig oder gar ohne ihr Wissen überall hinterlassen, kann und muss man diskutieren. Aber bitte nicht mit platten Sätzen wie „Was ist daran gut, dass wir fremdbestimmt sind durch Computerprogramme?“, wie sie Kommissar Bootz gleich reihenweise vorträgt. Klischeehaft wirkt es zudem, dass sowohl Bootz als auch Lannert absolute Internet-Anfänger sind. Versuche, einen modernen „Tatort“ zu einem aktuellen Thema zu drehen, sind eigentlich zu loben. Doch in diesem Fall ist es leider beim Versuch geblieben.

Wir übergeben Verantwortung an Maschinen, die sich selbst optimieren. Das ist längst Realität.

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Von Redakteur Christiane Eickmann

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