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So gut ist der neue "Tatort"

TV-Krimi heute Abend So gut ist der neue "Tatort"

Beim "Tatort" im Castingshow-Milieu stehen Bibi Fellner und Moritz Eisner auch selbst auf dem Prüfstand. Werden sie endlich ein Paar? Und wer hat den Schlagerproduzent und Mitglied einer TV-Castingshow auf so perfide Art ermordert?

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Die Kommissare Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer).

Quelle: ARD

Hannover. Die Bibi und der Moritz sind schon ein altes Ehepaar. Seit 2011 ermitteln Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) gemeinsam im ORF-"Tatort". Fast immer ist es vergnügt anzuschauen, wie unterschiedlich sie an ihre Fälle herangehen, wie sie sich bei ihren Ermittlungen kabbeln, fetzen und angiften.

In ihrem neuesten "Tatort – Sternschnuppe" (Regie: Michi Riebl, Drehbuch: Uli Brée) liefern sie sich sogar lange Zeit eine Screwball-Komödie, wie sie äußerst selten auf diesem Sendeplatz zu sehen ist – mit feinsten Dialogen, die mal hübsch makaber und mal zynisch sind, die die Dinge aber erstaunlich schnell auf den Punkt bringen. Und man fragt sich beim Zuschauen tatsächlich, wann dann endlich ein Drehbuchautor den Mut hat, die beiden so vortrefflich eingespielten Singles zu einem richtigen Paar zu vereinen.

Das sind die Ermittlerteams, die derzeit im „Tatort" auf Verbrecherjagd gehen.

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Gleich die erste Szene ist köstlich. Während der sonst ja so brummige Moritz ausnahmsweise mal gut gelaunt ist, im Auto falsch und laut vor sich hin singt, hat Bibi am frühen Morgen den Blues und ist furchtbar genervt, weil sie eine fürchterliche Liebesnacht hinter sich hat. Und als er sie, die trockene Alkoholikerin, fragt, was ihr denn über die Leber gelaufen sei, ist sie kurz davor zu explodieren.

So missgestimmt fahren sie zum Tatort, zu einer Luxusvilla, wo der Besitzer, ein Schlagerproduzent und Mitglied einer TV-Castingshow, stranguliert aufgefunden ist. Und alles schaut anfangs nach einem autoerotischen Unfall aus.

„Tatort – Sternschnuppe“
ARD | Krimi aus Österreich
Sonntag, 20.15 Uhr
Bewertung:
3 von 5 Sternen

Die Tat selbst lässt die beiden zunächst aber erstaunlich kalt. Vielmehr sind sie gerade mit ihrem eigenen Sexfrust beschäftigt, mit ihrer ständigen Suche nach einem Liebespartner. Doch so richtig konkret am Laufen haben die zwei, wie sie gestehen, nichts. Das, sagt er, sei aber immerhin "durchaus ambitioniert". Und dann stellt sich heraus, dass der ermordete Produzent, eine Art perverser Alpen-Bohlen, ermordet worden ist mit einem Blatt Papier, das tief in seine Luftröhre eingeführt worden ist.

Da auf dem Blatt ein Liedtext steht, den ein favorisierter Sänger (Rafael Haider) in der Castingshow vortragen will, zählt er natürlich sofort zu den Hauptverdächtigen. Aber bevor die Ermittlungen in diesem Mordfall richtig Fahrt aufnehmen, besuchen Bibi und Moritz noch einen Sexualtherapeuten.

Dabei geht es eigentlich ausschließlich um den Ermordeten und seine Sexualpraktiken. Doch bei der Befragung verhalten sich die zwei tatsächlich wie ein altes Paar bei der Eheberatung. Und für den Therapeuten steht am Ende fest, dass die beiden im Grunde richtig gut zueinanderpassen würden. Nach dieser amüsanten Szene geschieht dann jedoch ein merkwürdiger, allerdings durchaus folgerichtiger Bruch.

Aus der sehenswerten Komödie wird plötzlich ein ganz normaler Krimi, ein schnöder "Tatort" eben, wie man Dutzende zuvor schon gesehen hat. Der geistreiche Humor geht fast völlig verloren und die routiniert gezeigten Ermittlungen der beiden Kommissare stehen von nun an eindeutig im Vordergrund. Schade.  

Dabei wird zwar zuweilen hübsch überspitzt die verlogene Welt der Castingshows beschrieben. Und es treten natürlich die üblichen Verdächtigen auf: die ehrgeizige Mutter (Ruth Brauer-Kvam) eines Teilnehmers, die ausgebuffte Redakteurin der TV-Show, ein ehemaliges und längst wieder verglühtes Schlagersternchen (Sabrina Rupp).

Und auch die eiskalte Witwe (Aglaia Szyszkowitz) des Ermordeten samt ihrem jungen Liebhaber (Michael Steinocher) darf in diesem Panoptikum der hohlen Seelen nicht fehlen. Und alle haben irgendwie Dreck am Stecken. Aber die Geschichte selbst verzettelt sich so in Nebensächlichkeiten und sogar Klischees, dass sich der große Spaß an diesem anfangs so unterhaltsamen Film nahezu völlig verabschiedet.

Doch eins lässt wenigstens beziehungstechnisch hoffen: Als am Schluss Moritz seiner Bibi fast schon zärtlich den Arm um die Schulter legt, wirkt das durchaus ambitioniert. Vielleicht läuft da ja doch mal irgendwas.

Von Ernst Corinth

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