Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
ARD zeigt Yildirims gelungenes Drama „Chiko“

Böse Jungs ARD zeigt Yildirims gelungenes Drama „Chiko“

Özgür Yildirims Film „Chiko“, den die ARD am Montag zeigt, ist keine rührselige Sozialstudie, sondern ein gelungenes Drama. „Chiko“ spielt nicht in der New Yorker Bronx, sondern in Hamburg Dulsberg und seine Protagonisten sind keine skrupellosen Bandenanführer, sondern kleinkriminelle Deutschtürken.

Voriger Artikel
„Dalli Dalli“ kehrt zurück auf den Bildschirm
Nächster Artikel
„Tatort“-Wiederholung setzt sich durch

Chiko (Denis Moschitto) wird zur rechten Hand von Drogenboss Brownie.

Quelle: ARD

Es kann auch gründlich schiefgehen amerikanischen Filmvorbildern nachzueifern. Die deutschen Filmkomödien „Harte Jungs“ und „Knallharte Jungs“ scheiterten an dem Hollywoodklassiker „American Pie“. Auch Til Schweiger versuchte vergeblich in der Thrillerkomödie „Der Eisbär“ David Lynchs und Quentin Tarantinos Regiestil zu imitieren. Dem 28-jährigen deutsch-türkischen Regisseur Özgür Yildirim hätte es ebenso ergehen können, als er sich für sein Debüt an einen Gangsterfilm machte. Denn „Chiko“ spielt eben nicht in der New Yorker Bronx, sondern in Hamburg Dulsberg und seine Protagonisten sind keine skrupellosen Bandenanführer, sondern kleinkriminelle Deutschtürken.

Der Regieneuling musste sich in seinem 2008 erschienen Kinofilm mit Größen des internationalen Films wie Mervyn LeRoy („Der kleine Caesar“), Raoul Walsh ( „Maschinenpistolen“) oder Brian DePalma („Scarface“) vergleichen lassen. Und nicht nur das: Wer Kriminalität in einem deutschen sozialen Brennpunkt darstellt, der liefert sich auch gleich der Kritik von Sozialpädagogen aus, die mit erhobenem Zeigefinger von „Integration“, „sozialer Benachteiligung“ und „Toleranz“ sprechen. Doch Yildirim widersetzte sich beidem. Er ließ sich nicht instrumentalisieren und schuf mit „Chiko“, der Branchenangaben zufolge 80.000 Zuschauer in die Kinos lockte, kein rührseliges Sozialdrama, sondern einen temporeichen Gangsterfilm.

Gedreht wurde der von Fatih Akin produzierte Film nicht nur in Hamburg. Weil die Nordmedia „Chiko“ mit 100.000 Euro unterstützte, nahm Yildirim einige Szenen auch in Hannover auf. Das Studio Babylon von Großdealer Brownie etwa befindet sich in Mousse T.’s Peppermint Park. Und auch das Oststadtkrankenhaus, das Leine-Center in Laatzen sowie das Restaurant „Granatapfel“ in der Calenberger Neustadt verwandelten sich für den Film zum Schauplatz krimineller Gewalt.

Chiko (Denis Moschitto) träumt von aufgemotzten Autos, teuren Designeranzügen, schicken Restaurants und attraktiven Frauen. Sein Leben im Plattenbau, ohne Job, mit Frau und Kind ödet ihn an. Chiko will mehr, er will Geld, Macht und Freiheit. Mit seinen Kumpeln Tibet (Volkan Özkan) und Curly (Fahri Ogün Yardim) verprügelt er einen Kleindealer, um an dessen Boss zu kommen – den Großdealer Brownie (Moritz Bleibtreu).

Doch während die drei Freunde auf der Straße die harten Jungs geben, verhalten sie sich vor Tibets Mutter kleinlaut und handzahm. Und das ist durchaus witzig. Denn in der gemeinsam Küche gibt die ältere Dame den Ton an. Worte wie „Digger“ oder „Alter“, die Chiko und Tibet ständig fallen lassen, will sie nicht hören und weist die jungen Männer streng zurecht, die ihr schließlich auch gehorchen.

Irgendwann prallen die heimische Idylle und die Wirklichkeit dann aber aufeinander. Das humorige Spiel der Möchtegern-Prolls schlägt in bitteren Ernst um, als Großdealer Brownie Tibet mit aller Brutalität einen Nagel in den Fuß schlägt. Er hatte von dem Marihuana des Bosses immer einen Teil abgezwackt, und es auf eigene Rechnung vertickt. Während Tibet nach dieser Aktion aus dem Zirkel der Drogendealer ausgeschlossen wird, steigt Chiko immer weiter auf und wird schließlich zu Brownies rechter Hand.

Chiko muss sich zwischen Freundschaft und Karriere entscheiden. Denn beides kann er nicht länger miteinander verbinden. Der weiße Mercedes mit den goldenen Felgen, die Penthouse-Wohnung mit den Designermöbeln können nichts gegen den Zorn und den Hass seines ehemals besten Freundes ausrichten, der am Krankenbett seiner Mutter Rachegelüste entwickelt, die Chiko schließlich zum Verhängnis werden.

„Chiko“ | ARD
Deutscher Gangsterfilm
Montag, 22.45 Uhr

Stefanie Nickel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Fernsehen
Augenblicke: Bilder aus Hannover und der Welt

Klicken Sie sich durch spektakuläre Fotos – ausgewählt von der HAZ-Redaktion.

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.