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ARD zeigt die dreiteilige Reihe „Wir Reiseweltmeister“

Konfrontation mit den Spaghetti ARD zeigt die dreiteilige Reihe „Wir Reiseweltmeister“

Als die Deutschen urlauben lernten: Die ARD zeigt die dreiteilige Reihe „Wir Reiseweltmeister“. Es handelt sich dabei um eine ausgesprochen nostalgische Bilderreise, dekoriert mit Super-8-Aufnahmen aus diversen (Privat-)Archiven.

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Familie Brandt im Sommerurlaub: Wie auch viele andere Deutsche erholt sich das Paar am Gardasee.

Quelle: SWR

Okay, die Vorfreude auf den Sommerurlaub im schwedischen Ferienhäuschen ist schon riesengroß. Aber das kann’s für deutsche Reiseweltmeister ja nicht gewesen sein: Schon den nächsten Wochenendtrip ans Mittelmeer anvisiert? Oder mit einer USA-Reise im Herbsturlaub geliebäugelt? Es ist noch nicht so lange her, dass solche Ziele genauso unerreichbar waren wie ein Flug zum Mond. Anfang der fünfziger Jahre hießen die Orte der Sehnsucht Ruh­polding, die Eifel oder auch das Sauerland.

Einige Jahre später tauchte Italien auf der touristischen Landkarte auf. Wagemutige Busunternehmer überquerten die Alpen. Ihre Fahrgäste wiesen sie bei Zwischenstopps an, die mitgeführten Zelte für die Nacht direkt neben dem Bus aufzuschlagen.

Von solchen Abenteuern erzählt die dreiteilige ARD-Reihe „Wir Reiseweltmeister“. Es handelt sich dabei – nach dem heutigen Auftakt „Von Balkonien bis Bella Italia“ geurteilt – um eine ausgesprochen nostalgische Bilderreise, dekoriert mit Super-8-Aufnahmen aus diversen (Privat-)Archiven.

Im Rückblick erscheint vieles kurios in dem Film von Regisseur Jobst Thomas. Zeitzeugen erinnern sich an ein romantisches Picknick direkt neben der Autobahn (mit dabei: die mühsam zusammengesparte 250er-Zündapp als ­Urlaubsgefährt) oder an die erste ­„Konfrontation mit den Spaghetti“ (die zugunsten der Nudeln ausging). Gesetzestreue Gastgeber brachten damals ­unverheiratete Pärchen besser in getrennten Zimmern unter, wenn sie sich nicht der Kuppelei strafbar machen wollten.

Gelegentlich schimmert hinter solchen Anekdoten durch, dass vieles vielleicht doch nicht nur lustig war. Eine Frau berichtet von ihrer ersten Zugreise ans Meer, bei der sie endlich mal keine Furcht vor angreifenden Tieffliegern hatte. In Italien spuckten die Einheimischen vor den deutschen Neuankömmlingen auf den Boden. Der Zweite Weltkrieg liegt erst wenige Jahre zurück. Dass Deutsche inzwischen anderere Länder auf friedlichem Wege erobern, muss sich erst noch herumsprechen.

Allzu große Sprünge waren damals unmöglich, denn das Budget an Urlaubstagen war begrenzt. Mehr als zwei Wochen hatte kaum jemand auf dem Konto, wohlgemerkt: aufs ganze Jahr gerechnet. Der Trend zum Zweit- oder Dritturlaub musste erst noch erfunden werden. Und wer konnte sich schon einen Flug mit der Lufthansa leisten, die bald schon in den Himmel abhob?

Warum der ARD-Ausflug in die Vergangenheit des Reisens unbedingt noch mit Liebesgeschichten aufgepeppt werden muss und warum Prominente wie Herbert Feuerstein ihre Erlebnisse memorieren – das bleibt das Geheimnis des Regisseurs. Die Gefahr der Verklärung rückt nahe: Ein Urlaub ohne Dusche und mit Plumpsklo wird wohl doch erst in der Erinnerung so richtig apart.

Die Ruhe in den nahen Urlaubsparadiesen hielt nicht lange an. Einheimische im bis dahin so heimeligen Ruhpolding beklagen sich bald schon über die „In­vasion der Preußen“. Das Zeitalter des Massentourismus kündigt sich an. Von dessen weniger schönen Folgen, die ja auch zum Urlauben gehören, wird hoffentlich noch in den letzten beiden ARD-Filmen berichtet.

Eines ist aber gewiss: Die nächsten großen Ferien werden den Zuschauern mit dieser kurzweiligen Reihe keinesfalls madig gemacht.

An den nächsten beiden Montagen werden die Folgen „Vom Ostseestrand bis Indien“ und „Vom Balaton zum Ballermann“ gezeigt. Beginn jeweils um 21 Uhr.

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