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12:56 20.05.2016
Wolf-Dieter Poschmann wird 65 und zieht sich aus dem Fernsehen zurück - ganz ohne Wehmut. Quelle: Carmen Jaspersen/dpa
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Köln

Die Stimme von Wolf-Dieter Poschmann erkennt der sportinteressierte Fernsehzuschauer auf Anhieb. Seit 30 Jahren kommentiert und moderiert der gebürtige Kölner nun schon Sportsendungen im ZDF. "Poschi", wie ihn Fans und Kollegen nennen, gehört beim Zweiten quasi zum Inventar. In den vergangenen drei Jahrezehnten hat er viele Meriten erworben, sich aber nicht nur Freunde gemacht. An diesem Sonntag wird Wolf-Dieter Poschmann 65 Jahre alt – und freut sich auf seinen Abschied vom Bildschirm nach den Olympischen Spielen in Rio.

"Ein wunderbarer Abschluss. Ich habe so viel Spannendes und Großartiges erlebt, durfte ein kleiner Teil von großen Sportmomenten sein, habe Generationen von Sportlern kommen und gehen sehen, habe die deutsche Einheit, die im Sport ja irgendwie immer noch nicht richtig vollzogen ist, begleitet", sagte Poschmann unlängst in einem Interview mit dem Bonner "General-Anzeiger" über seine wechselvolle TV-Karriere. So schön und spannend es auch war: Der Zeitpunkt, dem Fernsehen Ade zu sagen, sei nun gekommen.

Aufstieg wie im Bilderbuch

Eigentlich wollte Wolf-Dieter Poschmann ja Profifußballer werden. Als daraus nichts wurde, versuchte er sich als Leichtathlet – mit Erfolg. Als Langstreckenläufer machte sich Poschmann auch bei internationalen Meisterschaften einen Namen, nebenher absolvierte er ein Sportstudium in Köln. Nach dem Ende seiner aktiven Sportlerlaufbahn heuerte Poschmann 1986 beim Zweiten Deutschen Fernsehen als freier Mitarbeiter an. Sieben Jahre später wurde er fest angestellter Redakteur und stieg schnell zum Anchorman auf. 1994 moderierte er erstmals das "Aktuelle Sportstudio", 1995 wurde er Chef der ZDF-Sportredaktion. Es war ein Aufstieg wie im Bilderbuch.

Künftig war Poschmann stets dort, wo sich die Stars tummelten. Ob im Stadion, auf der Tartan- und Eisbahn oder dem roten Teppich. Er tourte um die ganze Welt, berichtete von Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften im Fußball und diversen Titelkämpfen in der Leichtathletik und im Eisschnelllauf.

Machtkämpfe hinter den Kulissen

Mehrfach wurde Poschmann zum TV-Journalisten des Jahres gewählt. Poschmanns Ära als Sportchef endete jedoch vorzeitig. Offiziell wurde dies mit der notwendigen Trennung von administrativen und journalistischen Aufgaben begründet. Hinter den Kulissen war aber auch von Machtkämpfen die Rede. Nach außen hin machte Wolf-Dieter Poschmann unverdrossen weiter.

Als Chefreporter versorgte er die TV-Konsumenten auch danach mit News und Anekdoten aus der Sportwelt. 2011 folgte nach 230 Auftritten der Abpfiff im "Aktuellen Sportstudio". Bei den Olympischen Spielen 2012 in London geriet er – aus seiner Sicht zu Unrecht – heftig in die Kritik, weil er den ehemaligen Dopingsünder Justin Gatlin beim 100-Meter-Finale in Schutz nahm und das Kontrollsystem als unangemessen und ineffizient bezeichnete.

Kritik an Medienlandschaft

Zuletzt sorgte Poschmann für Aufsehen, als er die ZDF-Sondersendung zum Rücktritt von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach barfuß moderierte. Im Netz war sein Auftritt ein Topthema, für
Poschmann selbst nur eine unbedeutende Fußnote. "Dass daraus eine solche Welle wurde, ist einerseits amüsant, aber auch bezeichnend für den Zustand unserer Medienlandschaft", sagte er leicht verwundert.
Mit dieser Entwicklung kann er sich kaum noch identifizieren. "Die Berichterstattung im Allgemeinen ist braver, geschmeidiger und weniger kontrovers geworden", kritisierte Poschmann. Auch deshalb freut er sich auf den bevorstehenden Ruhestand: "Es fällt mir nicht schwer loszulassen."

Von Eric Dobias

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