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Anne Will Sie ist wieder da

Sie hat das Geschäft einfach drauf. Sie wird 50 im März. Sie kennt das alles: Anne Will kehrt mit ihrer Talkshow auf den Sendeplatz am Sonntag zurück. Wer war noch mal Günther Jauch?

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Anne Will.

Quelle: dpa

Pippi Langstrumpf. Die kleine Hexe. Die rote Zora. Hanni und Nanni. Das sind so die üblichen Heldinnen einer bildungsbürgerlichen Kindheit. Nicht für Anne Will: Sie wollte als Kind wie Pony Hütchen sein, die eifrige Telefonistin aus Erich Kästners „Emil und die Detektive“. Und wie Annika, das kreuzbrave Nachbarsmädchen aus „Pippi Langstrumpf“. Annika – ernsthaft? Niemand will wie Thomas und Annika sein! „Doch, ich“, sagte sie mal. „Ich bin eben nicht so forsch und unangepasst.“

Annika Will. Die Brave, die Pflichtbewusste, die Planerfüllerin und artige Kölner Katholikin. Die, die früher Aral-Fußballbildchen sammelte und das beste Abitur der Familie schrieb (Note 1,5). Die zu Schulzeiten im Leverkusener Bayerwerk putzte und nebenbei „Felix Krull“ las und den „Zauberberg“. Die im Studium Thomas Bernhards „Holzfällen“ zu ihren Lieblingsbüchern zählte. Diesen sperrigen, hochzynischen Roman voll monologischer Spottkaskaden über die Wiener Bussigesellschaft, dem ein Voltaire-Zitat vorangestellt ist: „Da ich nun einmal nicht imstande war, die Menschen vernünftiger zu machen, war ich lieber fern von ihnen glücklich.“

Privat: Anne Will

Privat: Anne Will wurde am 18. März 1966 als Tochter eines Architekten und einer Postangestellten in Köln geboren und wuchs in Hürth auf. Sie hat einen älteren Bruder namens Martin. Heute lebt sie mit ihrer Lebensgefährtin Miriam Meckel (Chefredakteurin der „Wirtschaftswoche“) in Berlin, die Beziehung machte sie 2007 öffentlich.

Ausbildung: Sie studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Anglistik in Köln und Berlin, arbeitete für Zeitungen und volontierte beim SFB.

Stationen: Sie moderierte „Mal ehrlich“ (SFB, ab 1992), „Parlazzo“ (WDR, ab 1996), die „Sportschau“ (ab 1999), „Tagesthemen“ (ab 2001) und „Anne Will“ (seit 2007). Sie setzt sich für die Initiative Pro Quote ein.

Die Menschen vernünftiger machen. Das bleibt gegen alle Erfahrung die hartnäckige Erwartung von Medienkritikern an eine öffentlich-rechtliche Polit-Talkshow. In Wahrheit ist ja schon viel gewonnen, wenn die Menschen hinterher nicht verwirrter sind und zorniger als zuvor. Am Sonntag nun kehrt Anne Will nach Günther Jauchs vierjährigem Interregnum auf den Talksendeplatz am Sonntag zurück. Und auch sie „möchte nicht, dass hinterher niemand schlauer geworden ist“, sagte sie dem Medienmagazin „Übermedien“. Weder am Mittwoch, den sie für ihre Sendung nie rundum für tauglich befand, noch am Sonntag. Sie wisse, dass man als Talkerin in der Woche eine Art „Artenschutz“ genieße bei der Kritik. „Wer den Sonntagsplatz bespielt, braucht sich dagegen nicht zu sorgen, voll auf die Fresse zu bekommen. Darauf stelle ich mich ein.“

Es war genau dieses Auf-die-Fresse-Kriegen, diese „enthemmte Wahrnehmung unseres beruflichen Tuns“ (Will), die Jauch verscheucht hat. Die ihm lästig wurde. Das Gemecker und Genöle. Anne Will ist da unempfindlicher. Manche sagen: dickfelliger. „In manchen Zeiten wird man wahnsinnig gelobt, im nächsten Moment dramatisch schlechtgeschrieben“, sagt sie. Ist halt so. Augen auf bei der Berufswahl. Sie wolle nur wenig ändern in Berlin-Adlershof. Das Studio ein bisschen blauer, die Gäste ein bisschen schlauer. Auch mal jemanden einladen, der kein „Fernsehgesicht“ ist, wenn er etwas zu erzählen hat. Aber natürlich witzeln manche, dass Wolfgang Bosbach schon seit Tagen im Studio sitzt und auf Will wartet. Thema des Neustarts: „Nach Köln – Höchste Zeit für eine neue Flüchtlingspolitik?“. Als Gäste sind dabei: Peter Altmaier (CDU), Gesine Schwan (SPD), Ahmad Mansour (Psychologe und Autor) und Stefan Aust (Herausgeber und Chefredakteur „WeltN24“). Kein Bosbach, vorerst.

Auf-die-Fresse-Kriegen verträgt sie

Von den fünf ARD-Talkshows im Herbst 2011 sind damit nur noch drei übrig: „Anne Will“, Frank Plasbergs „Hart aber fair“ am Montag – und „Maischberger“, künftig am Mittwoch. Niemand bedauert, dass Will am Sonntag zurückkehrt. Weder innerhalb noch außerhalb der ARD. Die Episode Jauch ist abgehakt. Es hat einfach nicht funktioniert. Dass Anne Will das kann – die richtigen Fragen stellen im richtigen Moment, die Balance zwischen Verbindlichkeit und Strenge halten, unnachgiebig bleiben, aber zugänglich – hat sie gezeigt. Schon früh, mit 26 Jahren, im SFB in der Polittalkshow „Mal ehrlich“. In „Parlazzo“ im WDR. Auch in der „Sportschau“. Von 2001 bis 2007 in den „Tagesthemen“. Und seither in der Sendung, die ihren Namen trägt – als Gegenmodell zu ihrer Vorgängerin Sabine Christiansen, damals die Königin der Bussigesellschaft mit ihren Charity-Haubitzen und glühenden Partylöwen. Sechs Millionen Euro soll die ARD der Will Media GmbH pro Jahr zahlen, Produktionskosten und Honorar kombiniert.

Sie hat das Geschäft einfach drauf. Sie wird 50 im März. Sie kennt das alles. Die zürnenden Provinzpolitiker. Die eitlen Gockel. Die Ränkeschmiede in den Gremien. Die Laberrunden im Sender. Das Gezerre mit der Konkurrenz um Gäste und Themen. Sie hat’s im Griff, anders als Jauch. Niemand zieht in Momenten der Irritation derart wirkungsvoll und tadelnd die linke Augenbraue hoch wie Anne Will. Sie ist ihr Indikator für drohende Nachfragen, für mangelnde Präzision. Früher hat ihr Schneewittchen-Charme dafür gesorgt, dass alte Talkrecken sie unterschätzten und in gönnerischer Freigiebigkeit drauflosbramarbasierten. Sie sei doch telegen, hatte der frühere SFB-Sportchef Hans-Joachim Sprentzel zu ihr gesagt, sie müsse doch ins Fernsehen, weg vom Radio. Um Himmels willen, antwortete Will damals – zu diesen eitlen Affen? Dann trainierte sie sich das Rheinische ab. Und begab sich zu den Affen.

Stimme der Vernunft

Ihre Telegenität ist längst nicht mehr ihr Markenkern. Das ist alles lange her. Stets ist sie perfekt vorbereitet. Das Argumentieren will sie, die Parteilose, den Gästen vorbehalten. Aber Haltung zeigen? Irreführendes Korrigieren? Muss sein. Anne Will ist die Erste, die unter  einer lahmen „Anne Will“-Sendung leidet. Fehler sind selten und legendär, so wie damals, als sie in freudscher Pracht in den „Tagesthemen“ sagte: „Osama bin Laden hat sich per Video zu Mord gemeldet.“

Aber ist sie nicht zweite Wahl? Tut das nicht ein bisschen weh, jetzt wieder in die Lücke zu rutschen, die die Diva Jauch großherzigerweise frei zu machen geruhte? Sie habe „es verdient“, sagte er gönnerhaft nach seinem Abgang. „Will ich mich noch mal dieser Überaufmerksamkeit aussetzen?“, habe sie sich selbst gefragt. Nach einer Nacht und einem Tag die Antwort: Ja, Anne will. Aber nicht als die Lauteste im Rund. Sondern als Stimme der Vernunft in einem Klima der Enthemmtheit und Radikalität in der politischen Debatte. Versachlichung statt Hochjazzen, das ist ihr journalistisches Motto. Bisher ist sie gut damit gefahren. Pony Hütchen wäre stolz auf sie. Annika erst recht.

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