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Anne Will moderiert zum letzten Mal am Sonntag ihre ARD-Talkshow

„Zack, aus, Ende“ Anne Will moderiert zum letzten Mal am Sonntag ihre ARD-Talkshow

Nach dem Sommer wechseln mehrere ARD-Talkrunden ihre Sendeplätze. Den begehrten Sonntagabend bekommt Günther Jauch. Anne Will muss weichen – sehr traurig scheint sie dabei allerdings nicht.

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„Anne Will“ muss ihren Sendeplatz im Ersten Programm räumen.

Quelle: dpa

Berlin. Anne Will neigt nicht zum Quengeln. In drei Tagen wird sie ein letztes Mal am Sonntag „Anne Will“ moderieren, danach geht es mittwochs mit ihrer Talkshow weiter. Ja, und? Das ist ihre Reaktion auf die Fragen all der Journalisten, die wenigstens einen Hauch von Verärgerung, Kränkung oder Enttäuschung erwarten. „Wir sprechen von Fernsehen. Zack, aus, Ende. Mehr ist es nicht“ – so sieht es Will.

Die 45-jährige Kölnerin stellt die Personalentscheidung der ARD-Oberen eher als einen Grund zum Feiern dar. „Das ist eine echte Verbesserung der Lebensqualität“, hat sie der Illustrierten „Bunte“ erzählt. Endlich habe sie wieder freie Wochenenden, könne sonnabends so lange feiern, wie sie wolle, und sei nicht mehr die „Spaßbremse“, die auf Partys alkoholfreies Bier trinken und früh nach Hause muss.

Ändern konnte sie an der Planung ohnehin nichts. Hartnäckig hatte die ARD um RTL-Moderator Günther Jauch geworben. 2007 hatte er noch abgewunken, stattdessen bekam Will den Job. Im Juni 2010 hatte das Werben schließlich Erfolg. Anne Will war gerade im Urlaub in den USA, als NDR-Intendant Lutz Marmor sie übers Handy über ihre Zukunft informieren wollte. Marmor hatte nicht an die Zeitumstellung gedacht, Anne Will ihr Handy nachts ausgeschaltet. So erfuhr sie am nächsten Morgen aus den Medien, dass man sie bei der ARD fortan sonntags nicht mehr sehen will. „Das war unschön“ und „hätte durchaus eleganter laufen können“, sagte sie. Marmor entschuldigte sich, Will nahm die Entschuldigung an.

Nun also mittwochs. Nach einer Sommerpause talkt sie vom 31. August an nach den „Tagesthemen“ um 22.45 Uhr. Ihre Talkshow wird zugleich das neue ARD-Programmschema eröffnen. Künftig wird von Sonntag bis Donnerstag im Ersten getalkt. Montags plaudert vom 5. September an Frank Plasberg („Hart aber fair“, 21 Uhr), dienstags Sandra Maischberger (22.45 Uhr), mittwochs Will, donnerstags Reinhold Beckmann (22.45 Uhr) und Jauch vom 11. September an immer wieder sonntags. ARD-Chefredakteur Thomas Baumann selbst soll dafür sorgen, dass – nur als Beispiel – nicht jeden Tag Bernd Althusmann in der ARD seine Doktorarbeit verteidigt und der Zuschauer ermüdet wegschaltet.

SWR-Intendant Peter Boudgoust hat bereits eine Idee geäußert, wie Anne Will sich von ihren Talkkollegen unterscheiden könnte. „Mir würden Wissenschaftler in solchen Sendungen als Gäste gefallen“, regte er an. „Warum nicht Themen wie Gesundheit, Forschung oder Atomausstieg?“ Doch Anne Will lässt sich nicht festlegen. Ob alles beim Alten bleibt oder alles neu wird, hat sie noch nicht verraten. Dass „Anne Will“ plötzlich zur Wissenschaftssendung wird, hat ihre Produktionsfirma jedenfalls nicht bestätigt.

„Das ist wie beim Fußball: Auch dort müssen die Stars manchmal auf anderen Positionen spielen, um damit dem Team zu dienen“, hatte Marmor der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung kurz nach dem gescheiterten Anruf bei Will gesagt. Wills neuer Sendeplatz wollte er nicht als Degradierung verstehen. Tatsächlich sind ihre Quoten „hervorragend“, so hatte es ARD-Programmdirektor Volker Herres gesagt – drei Tage, bevor sie geschasst wurde.

Im Herbst 2007 startete Anne Will als Nachfolgerin von Sabine Christiansen mit 4,72 Millionen Zuschauern (Marktanteil: 16,9 Prozent). Danach sank die Zuschauerzahl nach Angaben von Media Control unter vier Millionen. Im Herbst 2008 war der Tiefpunkt erreicht: Nur noch 3,25 Millionen Menschen sahen „Anne Will“, ein Marktanteil von lediglich 12,6 Prozent. Doch das Tal ist längst durchschritten. Im Durchschnitt schalteten zuletzt 4,2 Millionen Zuschauer ein (14,6 Prozent).

Ihren Zuschauerrekord hatte „Anne Will“ am 13. September 2009 kurz vor der Bundestagswahl direkt im Anschluss an das Fernsehduell von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (SPD). 6,6 Millionen Menschen schalteten die Talkshow damals ein. Das ist ein sagenhafter Marktanteil von 25,8 Prozent. Als Talkgast saßen an diesem Sonntag wie so oft Klaus Wowereit und Edmund Stoiber im Studio. Einer aber hatte an diesem Abend sein Debüt in der ARD-Polittalkshow, die als erfolgreichste „Anne Will“-Sendung in die Geschichte eingehen wird: Es war Günther Jauch.

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