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20:34 01.10.2014
Von Michael B. Berger
Leben nach der Politik: Reinhold Beckmann zeichnet in der ARD ein Porträt von Altkanzler Gerhard Schröder. Quelle: r
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Hannover

„Macho“, „Basta“-Kanzler, „Machtmensch“ und „Putin-Versteher“ – selbst neun Jahre nachdem er das Kanzleramt geräumt hat, wirkt Gerhard Schröder auf manche wie ein Aufputschmittel. Wie eine Provokation. So, als ob noch immer Wahlkampf herrschte zwischen dem „ewigen“ Kanzler Helmut Kohl und dem jungen Unangepassten, der rüpelhaft am Tor des Kanzleramtes rüttelte und schrie: „Ich will hier rein.“ Reflexartig werden all jene (wenigen) Sätze ins Spiel gebracht, die Schröder immer wieder als Antipoden der politischen Korrektheit erscheinen ließen. Wie war das noch mit dem wunderbaren Ministerium für Familie „und Gedöns“?

Diese Sätze kommen natürlich auch vor, wenn Gerhard Schröder mit Reinhold Beckmann in der Eilenriede Gassi geht. In Beckmanns sehenswertem Porträt tritt Schröder nicht als reine Verkörperung der dunklen Seite der Macht auf, sondern als Lernender, der sich langsam auf die alten Regeln eines ihm doch neuen Familienlebens einlässt. Obwohl er, wie seine resolute Frau Doris in dankenswerter Klarheit erklärt, „das Gegenteil von einem Waschlappen“ ist. Nein, ein „Waschlappen“ war er nie, eher eine gute, alte Bürste – sofern Geräte der Morgentoilette zur Charakterisierung eines funkelnden, zuweilen auch rätselhaften Charaktermenschen erlaubt sind. Immerhin steht er jetzt nicht einfach am Mittagstisch auf, wenn er fertig ist. Eine Erkenntnis mehr.

Beckmann hat sich unlängst als Talkmoderator verabschiedet und konzentriert sich künftig auf Sportmoderationen und Dokumentationen. Mit dem Schröder-Porträt beweist er sein Talent in diesem Feld. Sein Film erzählt auf ruhige Weise von der Annäherung an einen Machtmenschen, der bei aller nach außen (vor allem gegenüber Journalisten) geäußerten Schroffheit auch eine sanfte, ja fast sentimentale Seite hat. Auch wenn der Malerfürst Lüpertz zu weit geht mit seiner Bemerkung, dass Freund Schröder letztlich zu vertrauensselig sei und deshalb immer enttäuscht werde.

Schröder hat selbst Anhänger enttäuscht, als er sich sofort nach der Kanzlerschaft für die Arbeit bei der „Nord Stream“ entschied.  Ob er nicht damit sein politisches Erbe verdorben habe, will Beckmann wissen. „Das ist nun mein Leben – und nicht das der anderen“, sagt er.  So ist es, Punktum. Man könnte auch „Basta“ sagen. Man wird allerdings seinem Verständnis für die russische Politik und (nicht unwichtig) die russische Seele eher gerecht, wenn man nicht nur an schnöden Mammon denkt (Gazprom), sondern an die Tatsache, dass Schröder wie auch der „Männerfreund“ Putin ihre Väter im Zweiten Weltkrieg verloren haben. Einer von Schröders ganz alten Kumpeln des „TuS Talle“ merkt das an. Gute Porträts geraten freundlich, selbst wenn der Porträtierte Streitbarkeit für die „Würze“ des Dialogs hält. Es wäre dennoch interessant gewesen, wenn Beckmann auch einen echten Schröder-„Hasser“ vor die Kamera gebeten hätte. Denn die merkwürdige Form der Aggressivität, die er auslösen kann, gehört zum Gesamtbild dieses Kanzlers, der kein kleiner war.

Schön ist Beckmanns Autofahrt mit Schröder in die Tiefen des Lipperlandes (und nicht Niedersachsens, wie Beckmann sagt!). Sie zeigt, woher der Schrödersche Aufbruchsgeist seine Urgewalt hat. Das Fußballspiel auf heimatlichen Rasen offenbart etwas von der Freude eines Mannes, für den auch die Politik stets etwas Spielerisches hat. Da verzeiht man blöde Fragen an den Ex-Kanzler, wie er denn Unliebsames „verdrängt“. „Geht gut“, sagt der. Na also.

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