Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Fernsehen Beim Schweizer „Tatort“ ist so ziemlich alles schiefgegangen
Nachrichten Medien Fernsehen Beim Schweizer „Tatort“ ist so ziemlich alles schiefgegangen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:32 12.08.2011
Der Kommissar und die Amerikanerin: Reto Flückiger (Stefan Gubser) kommt seiner US-Kollegin Abby Lanning (Sofia Milos aus „CSI“) bei den Ermittlungen in Luzern näher. Quelle: SWR
Anzeige

Der Film (Regie: Markus Imboden, Drehbuch: Nils-Morten Osburg) genüge nicht den Ansprüchen des Schweizer Fernsehens, sei klischeebeladen, enthalte zu wenig Lokalkolorit und entspreche nicht dem Stil eine „Tatorts“, lautete die Begründung.

Die ARD hatte zudem eine Überarbeitung der Musik und eine Synchronisation vom Schweizerdeutschen ins Hochdeutsche gefordert. Mittlerweile berichten einige Schweizer Zeitungen, dass es außerdem in einer Szene zu deutliche Anspielungen auf einen Politiker der nationalkonservativen Schweizer Volkspartei gegeben habe. Viel mehr an negativer Vorgeschichte geht nicht.

Aber es kommt noch schlimmer: Die Überarbeitung hat nichts gerettet. Unnötig verkompliziert und phasenweise langatmig wird in „Wunschdenken“ die Geschichte einer missglückten Entführung erzählt. Im Mittelpunkt des Films steht Reto Flückiger, neuer Leiter der Fachgruppe „Leib und Leben“ der Polizei Luzern. Einige Zuschauer dürften ihn bereits aus einem „Bodensee“-„Tatort“ kennen. Der 54-jährige Schweizer Schauspieler Stefan Gubser gibt glaubhaft den Ermittlertyp des introvertierten, einsamen Wolfs – und wirkt dennoch in seinem Spiel seltsam gebremst. Auch das um ihn herum agierende Team könnte durchaus Charme haben: Andrea Zogg ist Ernst Schmidinger, ein vorsichtig-langsamer, angenehm altmodischer Kripochef, Jean-Pierre Cornu spielt den übernervösen Regierungsrat Eugen Mattmann. Doch auch sie und weitere im Laufe der Handlung dazustoßende Nebenfiguren haben keine Chance, einen tiefergehenden Charakter zu entwickeln. Hinzu kommt, dass die Dialoge von allzu lauter und ständig präsenter Hintergrundmusik übermalt werden.

Die größte Seltsamkeit an diesem „Tatort“ aber ist die Rolle der US-Ermittlerin Abby Lanning, verkörpert von der „CSI: Miami“-Darstellerin Sofia Milos. Nicht nur, dass Milos hölzern und lieblos agiert (und mindestens ebenso künstlich von Bettina Zimmermann synchronisiert wurde). Ihre Rolle als US-Austauschpolizistin ist für den Fortgang der Handlung schlicht überflüssig, die Sexaffäre mit Kommissar Flückiger bemüht. Knistern? Erotik? Fehlanzeige. Am Ende, als alle losen Enden der Geschichte um Eifersucht und Karrieresucht zusammengeflickt sind und der Fall aufgeklärt ist, weiß man nicht einmal mehr, warum dieser „Tatort“ den Titel „Wunschdenken“ trägt.

Die ARD will nach der Ausstrahlung entscheiden, ob sie dem „Tatort“ aus Luzern noch eine Chance geben will. Dort ist bereits ein weiterer Flückiger-Krimi mit dem Titel „Skalpell“ abgedreht, ein dritter ist in Vorbereitung. Man wolle die Filme in jedem Fall senden, so heißt es in der Schweiz – auch wenn die ARD sie nicht ins deutsche Programm übernimmt. Schweizer Boulevardjournalisten haben mit Drehbuchautor Osburg schon den Schuldigen am verkorksten „Tatort“ ausgemacht – denn der sei schließlich ein Deutscher. So gesehen kann es mit dem nächsten Flückiger-Fall nur besser werden. Denn den hat der Schweizer Autor Urs Bühler erdacht.

„Wunschdenken“ | ARD
Krimi aus der Reihe „Tatort“
Sonntag, 20.15 Uhr

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In seinem Kinodrama „Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra“, das die ARD als TV-Erstausstrahlung am Donnerstag zeigt, beschreibt der italienische Filmemacher Matteo Garrone anhand von fünf Einzelschicksalen die schmutzigen Geschäfte der Camorra, die von internationalem Drogenhandel über Giftmüllverschiebungen bis hin zur Produktion von Designermode reichen.

09.08.2011

„Two and a half Men“ ist albern, chauvinistisch, sexy, frauenfeindlich, politisch unkorrekt – und lustig. Ashton Kutcher ersetzt nun Charlie Sheen in der Erfolgssitcom – kann das gut gehen?

Imre Grimm 08.08.2011

Der US-Sender ABC hat den „Desperate Housewives“ das Aus angekündigt: Die auch in Deutschland populäre Fernsehserie vom Vorstadtleben in der „Wisteria Lane“ soll mit der bevorstehenden achten Staffel zu Ende gehen.

08.08.2011
Anzeige