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Beim „Summer of Girls“ würdigt arte große Künstlerinnen

Mädchenstunden Beim „Summer of Girls“ würdigt arte große Künstlerinnen

Am Dienstag startet arte einen zweimonatigen Programmschwerpunkt mit dem eigentümlichen Titel „Summer of Girls“, durch den Wir-sind-Helden-Sängerin Judith Holofernes führt. Den Dokumentationen, Filmen und Konzertmitschnitten ist bloß gemein, dass Frauen die Hauptrolle spielen.

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Unter anderem spielt sie die Hauptrolle im arte-Sommer: US-Star Beyoncé.

Quelle: dpa

Der Doku-Kanal arte bringt die Doku-Filmer gegen sich auf: Vor ein paar Tagen, bei einem deutsch-französischen Branchentreffen im Hafenstädtchen La Rochelle, verfassten drei Berufsverbände freier Filmschaffender eine Erklärung, in der sie über eine „schleichende Banalisierung“ des arte-Programms klagen. Zuvor hatte arte angekündigt, im nächsten Jahr innovativer, flexibler, kultureller sein zu wollen. Was das heißt, hat arte noch nicht verraten. Die Dokumentarfilmer aber, zu deren Hauptkunden der deutsch-französische Kanal zählt, fürchten, dass der „Trend zur Popularisierung des arte-Programms einen neuen Höhepunkt erreicht“. Am besten, die Pop-Allergiker meiden den Sender an den kommenden Dienstagsabenden ganz. Dann nämlich setzt arte komplett auf Popkultur.

Pop im Sommer – daraus wird bei arte allmählich ein schöne Tradition. In den vergangenen drei Jahren nahm der Sender in akademischer Beflissenheit die sechziger, siebziger und achtziger Jahre durch. Die Neunziger spart man aus – sie dürften in den Jugenderinnerungen des arte-Publikums ohnehin keine große Rolle spielen. Stattdessen startet arte ab Dienstag einen zweimonatigen Programmschwerpunkt mit dem eigentümlichen Titel „Summer of Girls“, durch den Wir-sind-Helden-Sängerin Judith Holofernes führt. Den Dokumentationen, Filmen und Konzertmitschnitten ist bloß gemein, dass Frauen die Hauptrolle spielen. Ganz so, als sei Frausein per se ein Qualifikationsmerkmal. Sei’s drum. Unter dem Lipglosslabel „Summer of Girls“ hat arte ein ambitioniertes Sommerprogramm versammelt, das auch nörgelnden Kulturpessimisten durch regenreiche Sommerwochen verhelfen könnte. Ein Überblick:

Dokumentationen: arte-typisch stehen Dokumentationen ganz im Mittelpunkt des Mädchensommers. Am Dienstagabend um 22.05 Uhr versucht sich der Film „Cheerleaders“ an einer Erklärung des amerikanischen Mythos vom pomponsschwingenden Tanzmariechen am Spielfeldrand. Im Anschluss daran suchen die Filmerinnen Nicola Graef und Susanne Brandt in der Dokumentation „Girls, Girls, Girls“ die Popgeschichte der vergangenen Jahrzehnte nach Frauenbands ab. Sie beschreiben die Verwunderung in den sechziger Jahren, als Bands wie die Ronettes und die Supremes die Bühnen stürmten, und stöbern mit Sandy und Lucy von den No Angels im Plattenladen. Am 12. Juli kramen einstige Groupies in ihren Erinnerungen. „Backstage zu den Stars“, so heißt die Doku, in der Pamela Des Barres über ihre Nächte mit Mick Jagger, Jimmy Page und Jim Morrison plaudert. „Girls in Popsongs“ ist eine weitere vielversprechende Doku, die so oft besungenen Damen wie „Peggy Sue“, „My Sharona“ und „Suzanne“ nachspürt. Wer waren die Frauen, die Bands und Songwriter zu Meilensteinen der Popgeschichte inspiriert haben? Schwerpunkt der Themenwochen ist aber die Reihe „Queens of Pop“, in der arte vom 18. bis zum 29. Juli jeweils um 18.30 in halbstündigen Porträts Bühnenheldinnen wie Aretha Franklin, Diana Ross, Kate Bush, Madonna, Lady Gaga und Beyoncé vorstellt. Die Zuschauer können im Netz die Königin küren, der Ausgang der Abstimmung wird am 30. Juli live aus Hamburg übertragen.

Filme: Die Primetime ist Filmen über starke Frauen vorbehalten – in welcher Disziplin auch immer sich die Damen nun bewährt haben. Den Anfang macht die Kategorie Kicherkrimi: arte zeigt François Ozons Klassiker „Acht Frauen“ mit Catherine Deneuve. In den nächsten Wochen folgen unter anderem Luc Bessons Action-Thriller „Nikita“, das Dreißiger-Jahre-Drama „Tee mit Mussolini“, Tarantinos Autocrashanlage „Death Proof“ und eines der wenigen Roadmovies mit einer Frau am Steuer: „My Blueberry Nights“ mit Norah Jones.

Konzerte: Beachtlicher als die Spielfilmreihe fällt die Auswahl der Konzerte aus, die der Sender dienstags um 22.15 Uhr zeigt. Am Dienstagabend gibt es Ausschnitte vom New Pop Festival 2010 in Baden-Baden, auf dem Newcomerinnen wie Marina & The Diamonds aufgetreten sind. Das erste Highlight steht am nächsten Dienstag an: Dann zeigt der Sender einen Auftritt der wunderbar entrückten Songwriterin PJ Harvey, aufgenommen während der Tour zu ihrem aktuellen, wohl besten Album „Let England Shake“ im Pariser Olympia. Sehenswert ist auch der Mitschnitt eines Konzerts der jungen Britin Anna Calvi – nach Einschätzung der britischen Pop-Postille „NME“ ist die operngeschulte Stimme Calvis tonangebend für das Popjahr 2011. Neben experimentellem Pop setzt arte auf Bewährtes und sendet auch Konzerte von Bühnendiven wie Barbra Streisand, Madonna, Vanessa Paradis und Aretha Franklin.

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Interview
Foto: Judith Holofernes wurde mit ihrer Band Wir sind Helden vor acht Jahren mit dem Hit „Guten Tag“ bekannt. Ab Dienstag moderiert sie im Kulturkanal arte.

Ab Dienstag führt Judith Holofernes beim Fernsehsender arte durch die Reihe „Summer of Girls“. Die Wir-sind-Helden-Sängerin spricht im Interview über Schönheitswahn, Feminismus und das Fernsehen.

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