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"Erdowie, Erdowo, Erdogan" und die Pressefreiheit

"extra3"-Satire-Sendung "Erdowie, Erdowo, Erdogan" und die Pressefreiheit

Ein Satire-Beitrag des NDR-Magazins "extra 3" hat diplomatische Verwicklungen mit der Türkei ausgelöst. Die Medien verstehen die ganze Aufregung gar nicht.

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Auf die Schippe genommen: "Extra 3"- Moderator Christian Ehring im NDR-Studio (Archiv) und der türkische Präsident Erdogan (kleines Bild).

Quelle: dpa/youtube

Istanbul/Berlin. Um gegen den knapp zweiminütigen Videoclip zu protestieren, bestellte das Außenministerium in Ankara den deutschen Botschafter Martin Erdmann ein. Nach Angaben aus türkischen Diplomatenkreisen vom Dienstag wurde in dem Gespräch ein Stopp der weiteren Ausstrahlung des Videos gefordert.

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) kritisierte das Vorgehen des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. "Dass die türkische Regierung wegen eines 'extra3'-Beitrags offenbar diplomatisch aktiv geworden ist, ist mit unserem Verständnis von Presse- und Meinungsfreiheit nicht vereinbar", sagte Fernseh-Chefredakteur Andreas Cichowicz am Dienstag in Hamburg: "In Deutschland ist politische Satire erfreulicherweise erlaubt."

Journalisten der NDR-Satire-Sendung "extra3" hatten darin am 17. März kritisiert, dass Erdogan mit seiner Politik Meinungsfreiheit und Menschenrechte verletze. Das Auswärtige Amt wollte sich nicht zu der Reaktion aus der Türkei äußern.

In dem Video "Erdowie, Erdowo, Erdogan" heißt es beispielsweise: "Er lebt auf großem Fuß, der Boss vom Bosporus" oder "ein Journalist, der was verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast". Der Text wird auf die Melodie von Nenas "Irgendwie, irgendwo, irgendwann" gesungen.

"Bodenhaftung verloren"

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) bezeichnete die Reaktion als "unnötig". "Der türkische Machthaber Erdogan hat offenbar die Bodenhaftung verloren", sagte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall in Berlin: "Wenn er wegen einer Satire den deutschen Botschafter in den Senkel stellt, haben die Macher von 'extra3' ins Schwarze getroffen. Glückwunsch dazu!"

Die Linke forderte eine klare Positionierung des Auswärtigen Amtes. "Erdogans Arm reicht mittlerweile bis nach Deutschland. Das Auswärtige Amt muss endlich klar Stellung zur Verteidigung der Pressefreiheit beziehen", sagte Sevim Dagdelen, Fraktionssprecherin für internationale Politik. Die Grundrechte in Deutschland dürften nicht im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsabkommen zwischen Europäischer Union und Türkei leiden.

In sozialen Netzwerken äußern viele Nutzer Spott über die Reaktion Erdogans. Die Redaktion der Satire-Sendung veröffentlichte als Reaktion beim Kurznachrichtendienst Twitter ein Bild Erdogans mit der Überschrift "extra3-Mitarbeiter des Monats", stellte englische Untertitel für das Video bereit und spottete über Erdogans Vorstellungen von "Video on demand".

Die Problematik ist hochaktuell: Derzeit stehen in der Türkei zwei Journalisten der regierungskritischen Tageszeitung "Cumhuriyet" vor Gericht. Ihnen wird die Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen sowie Spionage vorgeworfen. Der Prozessauftakt am vergangenen Freitag wurde zur Empörung Erdogans von europäischen Diplomaten beobachtet. Unter ihnen war auch der deutsche Botschafter Erdmann.

epd/dpa/abr

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