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08:12 25.07.2014
Nur so mittelböse: Captain Flint (Toby Stephens, vorne) und seine Piratencrew, Gates (Mark Ryan, l.), Billy Bones (Tom Hopper, 2. v. r.) und John Silver (Luke Arnold, r.). Quelle: Pro7

Bräunlich abgewetzte Zähne, hinter denen nur modriger Gestank lauern kann. Sonnengegerbte Wangen unter buschigen Bärten. Bärige Typen mit Holzbeinen, an denen der Säbel bei jedem Schritt klirrend anschlägt. Gewiefte Freibeuter, die in einer vogelfreien Welt ihren Vorteil suchten. Das ist das bis heute verbreitete Bild von Piraten, die die Ozeane beherrschten. Gezeichnet hat es 1883 der britische Schriftsteller Robert Louis Stevenson mit seiner legendären Abenteuergeschichte „Die Schatzinsel“. 

Zahlreiche Verfilmungen gibt es bereits von diesem Werk. Jetzt hat sich auch Michael Bay („Armageddon“, „Pearl Harbor“, „Transformers“) in die Nähe dieses Epos gewagt: Für „Black Sails“ wechselte der für seine Actionkinofilme berühmt-berüchtigte US-Regisseur das Genre – und drehte seine erste TV-Serie. Michael Bay? Da sollte der Zuschauer vor allem eines erwarten können: knallharte, explosionsgeladene Schlachten.

Die gibt es allerdings nur in den ersten Minuten der Pilotfolge. Die Serie setzt 20 Jahre vor dem Geschehen in der „Schatzinsel“ an. Erzählt wird die Vorgeschichte rund um das karibische New Providence Island. Der ruchlose Captain Flint (Toby Stephens) jagt den Goldschatz der legendären spanischen Galeone „Urca de Lima“, um die Pirateninsel vor dem finanziellen Ruin zu retten. Wer dauerhaft rasselnde Säbel und Fluten von Blut in schnell geschnittenen Sequenzen erwartet, wird aber enttäuscht. Stattdessen quatschen hirnlose Charaktere in überholtem Jugendjargon und gekünstelt hochtrabender Intonation scheinbar über Macht und Einfluss. Das vermittelte Frauenbild als ständig lüsternes, zeigefreudiges und schwaches Wesen fällt gleich aus jedem zeitlichen Rahmen. In diesem Sinne bleibt sich Bay also treu.

Dasselbe gilt für die legendäre „Schatzinsel“-Figur John Silver. In „Black Sails“ nimmt diese Rolle der eher unbekannte Luke Arnold ein: ein fitnessgestählter, bauchrasierter Jüngling, der mit seinem strahlend weißen Lächeln in jeder Zahnpastawerbung besser aufgehoben wäre. Vielleicht hat sich Bay dabei an die Ursprünge seines filmischen Schaffens als Clipdreher erinnert. Kaum auszumalen, wie sich im Laufe der achtteiligen ersten Staffel dieser Knabe mit Silberblick zu einem einbeinigen, gefürchteten Seeräuber entwickeln soll.

Regisseur Bay hat sich mit „Black Sails“ nicht nur erstmals ins Fernsehen gewagt, sondern auch zum ersten Mal an eine länger angelegte Serie, in der Figuren, Beziehungen und Geschehen anders als in zweistündigen Kinokrachern noch reifen müssen. Die packende „Schatzinsel“-Geschichte bietet ausreichend Aussichten auf eine facettenreiche Handlung, freilich in einer nicht erst seit Johnny Depp arg strapazierten Themenwelt. Sie will an revolutionäre Fernsehserien der vergangenen Jahre anknüpfen: Bei „Spartacus“ etwa hat die Aktualisierung eines historischen Stoffes in heute zeitgemäßem Ton und frischer Optik teils spektakulär funktioniert.

In der ersten Folge von „Black Sails“ allerdings wird diese Hoffnung nicht erfüllt. Bay verballerte in den „Transformers“-Filmen große Budgets. In der neuen Serie wird offenbar auch daran gespart. Die Computeranimation des Schiffes aus der Totalen muss unter enormem Zeitdruck entstanden sein. Damit dürfte der mittlerweile 49-jährige Regisseur sogar sein Stammpublikum verprellen: Jungs im Teenageralter.

Gegen Ende der ersten Folge verspricht Captain Flint seiner Mannschaft: „Ihr werdet alle Prinzen in einer neuen Welt sein.“ Als Identifikationsfiguren taugen diese Freibeuter nur für kleine Prinzen aus einer anderen Welt. Diese Serie ist „GZSZ“ im witz- und schreckenslosen Popgewand.

Von Matthias Pöls

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