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Fernsehen Brauchen ARD und ZDF Werbung?
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19:22 22.06.2011
Es blitzt und flackert überall: Kinder – hier in einem Werbetruck – sind als Werbekunden hoch begehrt. Quelle: dpa
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Hannover

Die schlechte Nachricht vorweg: Die GEZ geht – die Rundfunkgebühren aber werden den Deutschen erhalten bleiben, wenn auch in anderer Form: Ab 2013 muss nahezu jeder Haushalt eine Rundfunkabgabe zahlen, egal, ob mit oder ohne Fernseher und Radio. Im Gegenzug könnten Zuschauer und Hörer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eines Tages von Werbung verschont bleiben. Die Debatte läuft hochtourig.

Nur einen Tag, nachdem die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) in Köln einen kompletten Werbeverzicht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gefordert hatte, lud die Landtagsfraktion der niedersächsischen CDU zum „Medienpolitischen Diskussionsabend“ nach Hannover ein. Der Vorstoß der Regierungschefin vom Rhein traf dort jedoch auf wenig Gegenliebe.

„Diese Forderung ist zu einfach“, sagte Björn Thümler, CDU-Fraktionsvorsitzender im niedersächsischen Landtag. Werbung sei der Motor jeden Wettbewerbs. Er befürwortete einen anderen Weg: „Fernsehen, Internetseiten und Radiosendungen, die für Kinder gemacht sind, sollten werbefrei sein“, forderte er.In Sendungen wie etwa Seifenopern am frühen Abend, die sich nicht in erster Linie an Kinder richteten, aber dennoch von diesen angeschaut werden könnten, sollten keine auf junge Menschen ausgerichtete Werbespots mehr geschaltet werden. Problem in Thümlers Argumentation: Öffentlich-rechtliche Angebote für Kinder, wie etwa die Nachrichtensendung „Logo“ im ZDF oder der gemeinsame Kinderkanal KI.KA von ARD und ZDF, sind bereits heute werbefrei.

Thümler bezog seine Aussage ausdrücklich auf die öffentlich-rechtlichen Sender. Bei Privatsendern wie Super RTL seien derartige Forderungen schon wettbewerbsrechtlich schwierig. „Hier sollte man überlegen, ob man die Werbung zumindest umstellt, damit Inhalte für Erwachsene nicht von Kindern angesehen werden.“ Dabei könnten freiwillige Vereinbarungen helfen.

Gegen ein totales Werbeverbot sprach sich auch NDR-Intendant Lutz Marmor aus: „Der Beitrag muss am Ende des Tages bezahlbar sein, und dazu trägt die Werbung entschieden bei.“ Daher sei es nur vernünftig, „das wenige, was wir an Werbung haben“, auch zu behalten. Im übrigen erreichten den NDR auch keine Klagen über zu viel Werbung. Die Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Sender werde durch die Werbung nicht beeinträchtigt.

Aus der Sicht eines Sportverbandes mit mehreren hundertausend Mitgliedern bewertete Clemens Prokop die Debatte. „Wenn die Werbeeinnahmen wegfallen, habe ich die Sorge, dass das zum Präsenzverlust gewisser Sportarten führen könnte“, sagte der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Verband und ARD/ZDF hatten zuletzt heftig über die Liveübertragung von der Leichtathletik-WM in Südkorea gestritten.

Insgesamt belaufen sich die Werbeeinnahmen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf 500 Millionen Euro im Jahr – bei einem Gesamtetat von 7,6 Milliarden Euro für ARD und ZDF. „Von den Werbetreibenden wissen wir, dass sie das Geld im Falle eines Werbeverzichts nicht unbedingt zu den privaten Sendern geben würden“, sagte Joachim Schütz von der Organisation Werbungstreibender im Markenverband (OWN). Auch Petra Gerlach aus dem Bereich Medienpolitik von RTL wollte sich nicht festlegen, ob die Privatsender aus einem Werbeverzicht der Öffentlich-rechtlichen finanzielles Kapital schlagen könnten. Sie bezweifelte, dass ein Komplettausstieg den Gebührenzahler tatsächlich 1,42 Euro pro Monat kosten würde, wie es vor Jahren die Gebührenkommission KEF berechnet habe. „Wenn man sich öffentlich-rechtlichen Rundfunk diesen Ausmaßes leisten möchte, muss man auch zu dem Preis stehen. Wenn er zu hoch ist, muss man schauen, wo man möglicherweise einsparen kann“, sagte sie auch mit Blick auf Unterhaltungssendungen und Seifenopern in ARD und ZDF, die bei RTL besser aufgehoben seien.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Wittich Schobert wagte schon einmal den Blick in die Zukunft: „Wir müssen dazu kommen, dass die Gebühren irgendwann ausreichen, um den öffentlich-rechtlichen Auftrag zu erfüllen.“ Wann das der Fall sei, könne man allerdings noch nicht absehen. Hannelore Kraft hatte am Montag erklärt, sie halte einen Ausstieg aus der Werbung bis 2017 für möglich.

Sören Hendrik Maak

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