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Christian Ehring moderiert ab Freitag „extra 3“

NDR-Satireklassiker Christian Ehring moderiert ab Freitag „extra 3“

Christian Ehring, der „Neue“ beim NDR-Satireklassiker „extra 3“, hat am Freitagabend seinen ersten Auftritt. Dabei ist der Hoppla-hier-komm-ich-Reporter nur eine Rolle von vielen in Ehrings Repertoire. Der 38-Jährige, geboren in Duisburg, ist Musiker, Komponist, Kabarettist, Stand-up-Comedian.

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Musiker, Komponist, Kabarettist: Christian Ehring ist der Nachfolger von Tobias Schlegl bei Deutschlands ältester TV-Satiresendung „extra 3“ im NDR-Fernsehen.

Quelle: ARD

Christian Ehring ist ein Albtraum von einem Journalisten. Er hört nie richtig zu. Er weiß schon alles. Halbwissen verkauft er mit Hybris. Wer ihn noch nicht von seinen Auftritten in der „heute-show“ (ZDF) kannte, dem stellt er sich gern mal mit den Worten vor: „Ich bin Christian Ehring – und Sie nicht.“ Er ist nicht der Typ Reporter, den die Kegelschwestern vom TuS Pfarrkirchen als Ersten anrufen würden, wenn sie ihre Nachwuchssorgen an die große Glocke hängen wollen.

Dabei ist der Hoppla-hier-komm-ich-Reporter nur eine Rolle von vielen in Ehrings Repertoire. Der 38-Jährige, geboren in Duisburg, ist Musiker, Komponist, Kabarettist, Stand-up-Comedian. Jetzt, da er das große Los gezogen hat und die Moderation von Deutschlands ältestem Satiremagazin „extra 3“ im NDR-Fernsehen übernimmt, will es der künstlerische Leiter des „Kom(m)ödchens“ in Düsseldorf auch denen zeigen, die ihn bislang nur in seiner Rolle als ZDF-Rambo-Reporter kannten. Ehring sagt, seine Freunde seien ganz baff gewesen, als der NDR verkündete, dass ausgerechnet er in die Fußstapfen von Tobi Schlegl (33) treten werde. Er klingt, als könne er es selbst noch nicht ganz glauben.

„extra 3“ feiert in diesem Jahr seinen 35. Geburtstag. Das Magazin ist nur drei Jahre jünger als Ehring. Doch im Gegensatz zu ihm rang es zuletzt immer mal wieder um die Fragen: Wer bin ich? Wohin will ich? Und was tue ich in der Zwischenzeit? 1976 von Dieter Kronzucker mit dem Ziel gestartet, den Mächtigen auf die Füße zu treten, ist die Show im Laufe der Zeit deutlich zahmer geworden. Der NDR schob sie oft dort ins Nachtprogramm, wo gerade eine Lücke klaffte. Dass die Sendung ihren Marktanteil im Norden seit 2008 dennoch auf mehr als fünf Prozent verdoppelt hat, hält der stellvertretende Redaktionsleiter Christian Sieh in erster Linie Tobi Schlegl zugute.

Er sagt, der ehemalige Viva-Moderator habe in den vergangenen drei Jahren viele jüngere Zuschauer gewonnen. Das zeige das Echo auf der Facebook-Fanseite der Sendung. Mitunter aber gab es auch Kritik: Schlegl wirke, als sei er über alles erhaben. Am besten jedenfalls – so sieht es offenbar auch der NDR – ist er als offensiver Außenreporter eingesetzt.

So gelang es dem schneidigen Anzugträger immer mal, das Format in die Schlagzeilen zu hieven. Als Partyschreck platzte er gerne in Empfänge der Bundesregierung, um den Politikern arglistige Fragen zu stellen. Die alte Viva-Schule. „Raab in Gefahr“ für Intellektuelle. Einmal wäre es Schlegl beinahe gelungen, dem chinesischen Premierminister Wen Jiabao eine Glückskatze und einen Schlagstock als Souvenir zu überreichen. In letzter Sekunde schubste ihn die Bundeskanzlerin persönlich zur Seite.

Christian Ehring sagt, er bewundere Schlegl für dessen Chuzpe. Er selber würde sich nie trauen, so in die Offensive zu gehen. Dazu sei er „zu schüchtern“. Der in Krefeld aufgewachsene Arztsohn verbummelte seine Pubertät auf dem Klavierhocker, weil ihm seine Eltern nicht erlaubten, mit den Punks um die Häuser zu ziehen. Er findet ein Ventil in der Satire. Schon als 17-Jähriger schreibt er Texte für ein Schülerkabarett. Nach abgebrochenem Jura- und Germanistikstudium tingelt er mit einem Kollegen über die Kleinkunstbühnen. Sie nennen sich „Die Scheinheiligen“. So fängt es an.

Es war eine harte Schule, erinnert er sich. „Man kam ins Theater, und der Veranstalter sagte: ,Wir haben für heute 22 Vorbestellungen, und wenn wir Glück haben, kommen noch vier an die Abendkasse.‘“ 2008 dann, Ehring zeigte sein Soloprogramm „Anchorman. Ein Nachrichtensprecher sieht rot“ im „Kom(m)ödchen“, saß auch ein ZDF-Redakteur im Publikum. Er hieß Stephan Denzer, und er suchte neue Talente für eine neue Nachrichtensatire, die „heute-show“.

So kam Ehring ins Fernsehen. Bei „extra 3“ will er nun häufiger hinter seinem Schreibtisch hervorkommen, um die Ereignisse der Woche in Stand-up-Manier zu kommentieren, möglichst meinungsstark und pointiert. Zu Gast in der Premierensendung ist Wigald Boning. Und auch Schlegl ist im Einsatz – als Außenreporter mit seiner Aktion „Sylt den Reichen!“.

„extra 3“ mit Christian Ehring, Freitag um 21.15 Uhr im NDR-Fernsehen.

Antje Hildebrandt

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