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Jürgen Vogel über seine neue Serie "Blochin"

"Das Proletarische steckt in mir" Jürgen Vogel über seine neue Serie "Blochin"

Kriminalreihen im Deutschen Fernsehen gibt es wahrlich genug. Jetzt kommt noch eine – aber die hat es in sich. "Blochin – Die Lebenden und die Toten" mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle startet am Freitag im ZDF. Ein Interview über Antihelden und Sympathieträger.

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„Ich bin einer von den Guten – eigentlich.“ Jürgen Vogel in der Rolle des Polizisten Blochin.

Quelle: ZDF

Herr Vogel, wenn man das ZDF so über „Blochin“ reden hört, scheint damit der Anschluss ans internationale Serien-Niveau erreicht.
Das finde ich auch.

Warum genau?
Weil Bild- und Tonsprache mutig, modern, neugierig sind. Ich spüre eine große Offenheit für ungewöhnliche Charaktere, die hierzulande selten ist. Bis vor fünf Jahren herrschte auch beim ZDF die Überzeugung, Hauptfiguren müssen zum Sympathieträger, zur Identifikationsfigur für alle taugen, selbst im Kino. Diese Regel lösen wir ein Stück weit auf.

Dass der identifikationsstiftende Sympathieträger einen Mord begeht, wäre unmöglich gewesen?
Mehr noch: Moralisch fragwürdige Dinge waren tabu für Titelfiguren – es sei denn, sie hießen Hitler oder so. Blochin deckt jetzt das ganze Spektrum ab. Das Publikum entwickelt Empathie, nicht nur obwohl, sondern weil er fehlbar ist. Es möchte ihn vor seiner eigenen Unberechenbarkeit bewahren und wünscht sich manchmal: Oh Gott, mach das jetzt nicht.

Haben die Deutschen genug von strahlenden Helden?
Ich würde es positiver formulieren: Sie sehnen sich nach einer sehr menschlichen Diskrepanz zwischen Wollen und Können, die in uns allen steckt. Blochin will unbedingt ein guter Vater, Ehemann, Freund und Bulle sein, aber seine Vergangenheit und Eigenarten holen ihn immer wieder ein.

Spiegelt diese Diskrepanz auch das Männlichkeitsbild unserer Tage wider – hin- und hergerissen zwischen Anspruch und Wirklichkeit?
Wenn Blochins Verletzlichkeit zum Vorschein kommt, hab ich meine Arbeit richtig gemacht. Aber es geht gar nicht so sehr um Männlichkeit als die Konflikte zwischen Opfer und Täter, deren Grenzen hier meist fließen. Denn anders als in anderen Formaten wird Blochin strikt horizontal erzählt, vielschichtiger. Er lässt Dinge offen, verstrickt die Handlung, macht also genau das, was sich die Leute heutzutage auf DVD kaufen und mit Untertiteln durchgucken, ohne aufs Klo zu gehen. Schön blöd, dass wir dieses Potenzial bislang verschenkt haben.

Aber ein Krimi-Stoff sollte es in Deutschland schon sein …
Tja, besser isses, auch in Serien. Durch einen Regisseur wie Matthias Glasner bleibt es aber nie auf dieser Ebene stehen, sondern entfaltet sich bis hin zum Familiendrama, mit diesem brüchigen Charakter in der Mitte, der zwar sympathisch sein darf, aber nicht um der Sympathie willen. Nett interessiert mich nicht die Bohne, schon gar nicht in einer Serie.

Was Sie abermals interessiert, scheint hingegen Ihr Körper zu sein, den Sie von Beginn an voll einsetzen.
Absolut, ich mag das Physische. Weil ich es gut kann, weil es mir liegt, weil es für Schauspieler aber auch wichtig ist. Es ist kein Wunder, dass ich für so ein Format wie Blochin infrage komme. Ich hatte schon immer diesen gettogeschulten Ansatz, bei dem eine Schaufel zur Selbstverteidigung in der Hand nicht wie ein Fremdkörper wirkt.

Eine Geige hingegen schon?
Schon eher. Aber auch das will ich lernen. Je älter du wirst, desto breiter sind deine Facetten aufgestellt, aber das Proletarische steckt immer in mir.

Testen Sie deshalb für DMAX dicke Maschinen?
Klar, das finde ich richtig geil. Aber ich finde es eben genauso geil, Friedrich II. zu spielen. Prinzipiell finde ich alles geil, was mein Repertoire erweitert. Du kannst als Schauspieler nicht nur die anspruchsvollen Sachen machen. Dann bist du nämlich bald arbeitslos.

Oder drehst Komödien  …
In Sachen Filme, die keiner sehen will, bin ich Weltmeister. Aber die Masse erreichst du vor allem im Fernsehen. Ehrlich: Es ist schon schön, nicht dauernd unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu laufen.

Interview: Jan Freitag

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