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00:20 27.08.2015
Erotisches Verhältnis zum Geld: Thomas Thieme spielt die Hauptrolle in dem Dokudrama um Uli Hoeneß. Quelle: ZDF
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München

Der Prozess gegen den Steuersünder Uli Hoeneß vor dem Landgericht München dauerte nur drei Tage. Drei Tage, in denen nicht nur die Fußballwelt aus dem Staunen nicht mehr herauskam. Innerhalb von einer Woche wuchs die Summe, um die es ging, auf eine Höhe, die jede Vorstellungskraft übersteigt: von  3,5 Millionen Euro erst auf 18,5 Millionen Euro und schließlich auf 28,5 Millionen Euro.

Das Gericht verurteilte Hoeneß im März 2014 wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Das ZDF zeigt am Donnerstag das Dokudrama „Uli Hoeneß – Der Patriarch“. Der Film zeichnet in einer Mischung aus nachgedrehten Szenen aus dem Gericht und Hoeneß‘ Vergangenheit, aus Interviews und Archivaufnahmen den Aufstieg und Fall des ehemaligen Präsidenten des FC Bayern München nach.

Das Ergebnis ist das Dokument eines außergewöhnlichen Lebens, auf dessen Fortsetzung man nach Ende seiner Haftstrafe auch als Nicht-Fußballfan gespannt sein darf. Ein durchschnittliches Leben war Uli Hoeneß’ Sache nie – dies wird es wohl auch in Zukunft nicht sein.

Fiktive Rückblenden in die Jugend des Ulmer Metzgersohns zeigen, dass Hoeneß offenbar schon in sehr jungen Jahren ein Talent zum Geschäftemachen hatte. Die Filmemacher erinnern auch an fußballerische Höhepunkte, Hoeneß’ Erfolge als Bayern-Manager. Sie lassen Weggefährten, Sportjournalisten, Gegner, auch Christian Ude, den früheren Münchener Oberbürgermeister, zu Wort kommen.

Hoeneß ist ein streitbarer Mensch, einer, der sich einmischt, Kontra gibt, manchmal übers Ziel hinausschießt – das belegen Ausschnitte aus Interviews mit Hoeneß und aus seinen Talkshowauftritten eindrucksvoll. Hoeneß schonte seine Kritiker nie. Und doch – und das ist bemerkenswert – spricht selbst Willi Lemke, ehemaliger Manager von Werder Bremen, voller Bewunderung von ihm.

Hoeneß selbst, seine Familie, seine Anwälte haben sich für den Film nicht vor der Kamera geäußert. Stattdessen sprechen unter anderem der frühere Fußballmanager Reiner Calmund, die Gerichtsreporterin der "Süddeutschen Zeitung", Annette Ramelsberger, Sportreporter Waldemar Hartmann und Hans-Ulrich Jörges vom "Stern". Von Ramelsberger, die den Prozess damals verfolgt hat, dem "Spiegel"-Reporter Juan Moreno und Autorin Johanna Behre stammt auch das Drehbuch.

Das Angenehme an diesem Dokudrama ist, dass der Film nicht nachtritt, frei von Häme ist. Die Verblüffung über die unvorstellbaren Geldsummen, mit denen Hoeneß sich um Kopf und Kragen spekulierte, ist allen Gesprächspartner noch heute, knapp eineinhalb Jahre nach dem Gerichtsverfahren, deutlich anzumerken.

Hoeneß wird gespielt von Schauspieler Thomas Thieme. Bis auf den roten Kopf, den Hoeneß im Gerichtssaal häufig zeigte, gelingt es Thieme, dem echten Hoeneß in seiner Darstellung sehr nahe zu kommen. Etwas weniger gelingt dies Robert Stadlober, der den jungen Hoeneß verkörpert.

Thieme spielt Hoeneß als einen Mann, der sich nur mit Mühe dem Gericht – und auch seinem Verteidiger – unterordnen kann. Und als einen Mann, der sich wohl bis zuletzt nicht vorstellen konnte, dass er tatsächlich ins Gefängnis muss.
Uli Hoeneß selbst wird der Film sicher nicht gefallen. Dass andere 90 Minuten lang die Deutungshoheit über sein bisheriges Leben haben, kann ein Alphamännchen wie er nicht gutheißen.

Doch es ist ein sehenswerter Film. Auch für diejenigen, die sich nicht für Fußball interessieren – sondern dafür, wie es sein kann, dass einer, der eigentlich alles erreicht hat im Leben, wegen Geld so tief stürzen kann. Christian Ude hat dafür eine prägnante Erklärung: "Es ist wohl nicht ohne die vier Buchstaben zu erklären: Gier." Theo Zwanziger, der frühere DFB-Präsident, zitiert seinen Vorgänger Egidius Braun, der über Hoeneß Folgendes sagte: "Der hatte ein erotisches Verhältnis zum Geld." Andere sprechen im Film von Sucht.

Im Juni 2014 ist Hoeneß ins Gefängnis gekommen. Seit Anfang 2015 muss der 63-Jährige nur noch die Nächte hinter Gittern verbringen. Tagsüber arbeitet er in der Nachwuchsabteilung des FC Bayern. Möglicherweise wird Anfang kommenden Jahres seine Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt. Dann wird der Patriarch wieder ganz frei sein.

Von Wiebke Ramm

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