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12:14 16.01.2016
Microsoft lässt es kacheln: Das besonders neugierige Betriebssystem Windows 10 gibt es für PCs und Smartphones. Quelle: dpa
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Hannover

Erst das passende Betriebssystem macht das Handy zum Smartphone. Auch PC oder Laptop sind ohne ihr Betriebssystem nutzlos. Microsoft hat gerade mit Windows 10 eine neue Version seiner weltweit führenden Software veröffentlicht – und mit Zwangsdown­load und Datenschnüffelei schon viele Nutzer verärgert. Das sei „ein Quell der Freude“, meint auch der hannoversche Datenschutzexperte Peter Leppelt ironisch. Nicht wenige Windows-Nutzer dächten jetzt verstärkt über Alternativen nach.

Die gebe es, betont Leppelt. Am geeignetsten sei das kostenlose Betriebssystem Linux Ubuntu LTS. Wie alle Linux-Programme sei es eine sogenannte Open-Source- oder quelloffene Software. Alle Einzelheiten der Programmierung sind für Informatiker lesbar und können jederzeit verändert werden. Eine große weltweite Gemeinde von Programmierern verbessert diese quelloffene Software fortlaufend und unentgeltlich.

Obwohl es diese Offenheit Menschen mit bösen Absichten natürlich besonders leicht macht, Programme mit Schadsoftware zu infizieren, hält der Datenschutzexperte und Informatiker Leppelt ausgerechnet solche Software für besonders sicher. Ein Widerspruch?

Nicht unbedingt. Denn Viren, Trojaner oder andere Schadprogramme können sich in quelloffenen Programmen schlecht verstecken. Schädlinge werden von der großen Open-Source-Gemeinde erkannt und außer Gefecht gesetzt. Die freischaffenden, aber ehrgeizigen Programmierer reagierten oft schneller als große Unternehmen.

Open-Source-Programme als Alternative

Zudem ist das Massenprogramm Windows für Hacker ein lohnenderes Ziel als die vergleichsweise wenig verbreiteten Linux-Programme. Deshalb geht die Zahl der für Windows bekannt gewordenen Schädlinge in die Hunderttausende, während es für das quelloffene Linux kaum Gefahren gibt. Leppelt schwört auf Open-Source-Programme. Dort gebe es schlicht „keine Hintertürchen“, die unerkannt Daten sammelten, schnüffelten oder anderen Schaden anrichteten. Unliebsame Überraschungen blieben den Nutzern erspart.

Wer noch unsicher ist, ob er mit einem anderen als dem gewohnten Betriebssystem überhaupt zurechtkommt, dem rät Leppelt, die aktuelle Ubuntu-Version 14.04 LTS zunächst probeweise auf einen USB-Stick zu ziehen und von dort aus zu starten. „Mal ausprobieren kann nicht schaden“, sagt Leppelt. Auch lasse sich das Linux-Programm parallel zum bisherigen Betriebssystem installieren. Wer wolle, könne dann je nach Anwendung auf das für ihn bequemere Programm wechseln. Viele Windows-Anwendungen ließen sich ohnehin auch in Ubuntu öffnen.

Wer sicher ist, mit Linux klarzukommen, der könne auch Windows ganz von seinem Rechner löschen, sagt Leppelt. Viele Nutzer seien dann überrascht, wie schnell ihr Computer plötzlich laufe – und wie viel Speicherplatz wieder frei sei. Open-Source-Programme belegen in der Regel vergleichsweise wenig Speicherplatz, weil sie nur die für den Betrieb notwendigen Funktionen mitbringen und auf alles Überflüssige verzichten. Wer nicht ständig nach Ubuntu-Aktualisierungen forschen möchte, sollte auf jeden Fall die LTS-Version herunterladen, rät Leppelt. LTS stehe für „long term support“ (Englisch für langfristige Unterstützung) und stelle automatische Updates für die nächsten fünf Jahre sicher.

Die Wahl zwischen Pest, Cholera und Syphilis

Gibt es auch Alternativen für Handynutzer? „Tja“, grübelt Leppelt. „Die haben die Wahl zwischen Pest, Cholera und Syphilis.“ Aber an den Betriebssystemen iOS von Apple, Android oder Blackberry führe im Grunde kein Weg vorbei. Allerdings gebe es für Nutzer von Smartphones mit Googles Android-Plattform die Möglichkeit, ihr Gerät zu „entgoogeln“, wie Leppelt es nennt. Das schütze die Privatsphäre, weil der datenhungrige US-Konzern nicht mehr erfahre, was auf dem Smartphone so alles passiere.
Mit der Software Cyanogenmod erhält der Handybesitzer die vollen Zugriffsrechte auf sein Gerät und muss beispielsweise auch unliebsame vorinstallierte Apps nicht mehr dulden. Die Installation von Cyanogenmod ist allerdings nicht ganz einfach und umfasst auch ein Brechen der von Google eingerichteten Zugriffssperre im Gerät, wobei etwaige Gewährleistungsansprüche verloren gehen können.

Eine Liste aller kompatiblen Geräte sowie eine – allerdings englischsprachige – Installationsanleitung finden sich unter www.cyanogenmod.org. Wer Cyanogenmod erfolgreich installiert hat, wird sich über einen vergleichsweise leeren Bildschirm wundern, weil alle Google-Apps einschließlich des App-Stores Google Play gelöscht sind. Mit F-Droid gibt es einen alternativen App-Store, auch für andere Google-Funktionen wie Navigation (Google Maps) gibt es Alternativen.

Von Helmuth Klausing

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