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19:32 29.09.2011
„Wessi“ trifft „Ossi“: René Vonderecken (Christian Tramitz, rechts) ist von Stankowskis (Wolfgang Stumph) EDV-Fachwissen begeistert. Quelle: ZDF

Alles zum Schleuderpreis: Nach dem Mauerfall wurden die volkseigenenen Betriebe der DDR verkauft – von der eigens eingerichteten westdeutschen Treuhandanstalt. Der Staat als Resterampe. In nur vier Jahren wandelte die Treuhand das „Volkseigentum“ der ehemaligen DDR in Privatbesitz um. Bereits nach zwei Jahren hatte sie knapp 11.000 Unternehmen an private Investoren übergeben. Dabei lief nicht alles sauber: Einige der Beteiligten steckten sich Geld in die eigene Tasche, während die ehemaligen Arbeiter der Firmen plötzlich auf der Straße standen. Das ist Stoff für Dokumentationen, politische Diskussionen, einen Wirtschaftskrimi. Das ZDF macht zum Tag der Einheit daraus aber eine klamaukige Komödie – und die ist durchaus unterhaltsam.

Werner Stankowski (natürlich: Wolfgang Stumph) ist das Paradebeispiel eines Wendeverlierers: In der DDR war er ein gefragter EDV-Spezialist, seine Speichertechnik steckt gar in den russischen Satelliten, die ihm aber jetzt, da er arbeits- und antriebslos im Plattenbau vor dem Fernseher hockt, noch ferner vorkommen. Er hat keine Perspektive – und nun auch keine Frau mehr. Iris Stankowski (Petra Kleinert) hat nämlich genug von Werners Lethargie im Unterhemd und wendet sich lieber dem schnöseligen Dr. Raimund Bruckmann (Sky du Mont) zu – einem „Wessi“! Jetzt haben die da drüben Werner nicht nur seine Arbeit, sondern auch seine Frau genommen.

Eine Zufallsbegegnung in einem Münchener Café mit René Vonderecken (Christian Tramitz) wirft Werner Stankowski wieder zurück auf den Arbeitsmarkt. Ausgerechnet bei der Treuhand, den Feinden, soll er als Informatikspezialist anfangen. Die, die doch auch seinen Kumpel Rudi Kloske (Jörg Schüttauf) abgewickelt haben, sodass dessen Frau Petra (urkomisch: Gerit Kling) nun mit einem Erotikversandhandel versucht, die Familie über Wasser zu halten. Gut, denkt sich Stankowski, das Gehalt ist gigantisch, und man kann ja erst einmal alles geheim halten. Den Freunden und der Familie nicht sagen, dass man für den Feind arbeitet, und dem Arbeitgeber nicht, dass man „Ossi“ ist. So wurschtelt sich der Computerexperte durch; nur die Ost-Sekretärin, der täglich als Mobbingakt eine Banane auf den Schreibtisch gelegt wird, ahnt, dass dieser nette Herr im unförmigen Mantel kein „Wessi“ sein kann. Als Stankowskis Tochter dank ihres trotteligen Freundes droht, auch ein Opfer der Treuhand zu werden, nimmt der Vater den Kampf David gegen Goliath endgültig auf ...

Thomas Brussig, seit „Sonnenallee“ und „NVA“ Experte für Ostkomödien, hat da schon einen argen Klamauk zusammengeschrieben – er überspitzt einmal mehr Klischees und karikiert die „Ossis“ und „Wessis“ beiderseitig mit liebevollem Zungenschlag. Doch nur weil eben zuweilen alles überdreht scheint, kann man darüber auch wirklich herzlich lachen. Wenn Rudi und Werner an der Tankstelle raten, ob die Kunden „Ossis“ oder „Wessis“ sind – und meinen, die Herkunft an der Gangart zu erkennen. Oder wenn Rudi in seiner Datsche mit den „Wessi“-Nachbarn einen Krieg am Gartenzaun beginnt und schließlich eine Mauer errichtet, worauf der „Wessi“ erbost fordert: „Die Mauer muss weg!“. So ein Spruch stehe ihm doch gar nicht zu, antwortet Rudi da nur.

Eine wahrliche Köpenickiade zum Tag der deutschen Einheit: Mit Humor der ganz alten Schule, stimmigem Tempo, einem hochkarätigen Ensemble und einem passenden Soundtrack (Fehlfarben, Rio Reiser, Puhdys) ist dem ZDF ein überaus unterhaltsamer Film gelungen, der den Kinowerken „Sonnenallee“ und „NVA“ in nichts nachsteht. „Stankowskis Millionen“ lässt gerade durch die Satire auf das deutsch-deutsche Verhältnis einen versöhnlichen Ton anklingen. Und das ist mehr, als eine Dokumentation über die Treuhand geschafft hätte.

Hannah Suppa

„Stankowskis Millionen“ | ZDF
Komödie zum Tag der deutschen Einheit
Montag, 3. Oktober, 20.15 Uhr

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