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Der gewisse Schuss Ballaballa

Der RTL-Fußballabend Der gewisse Schuss Ballaballa

Der fünfstündige Mammutblock zerfiel in drei Teile: das hibbelige und zugleich zähe Vorspiel, den ordentlichen Liveübertragungsblock und ein skandalisiertes Finale. Eine TV-Kritik zur RTL-Fußballberichterstattung.

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Heute ein König: Formel-1-Experte Florian König (rechts) ist nach vielen Stadionrunden doch noch im Studio angekommen.

Quelle: dpa

Nein, Kai Ebel ist dann doch nicht an der Bande aufgetaucht. Tine Wittler hat keine Umkleidekabine umdekoriert, und das EM-Qualifikationsspiel Deutschland–Schottland wurde weder durch ein Voting noch eine Promi-Jury mit Sonja Zietlow entschieden. Sondern durch zwei Müller-Tore, ganz simpel. 11,71 Millionen Zuschauer verfolgten (überwiegend) live die Bemühungen des RTL-Teams, die Premiere einer Fußballübertragung kompetent, unterhaltsam und mit dem gewissen Schuss RTL-Ballaballa zu inszenieren.

Und wenn die überwiegende Zahl der TV-Gäste auch am 11. Oktober wieder einschaltet, wenn es für die DFB-Elf in Warschau gegen Polen geht, dann dürfte das an der Faszination des Fußballspiels liegen. Nicht an der eines RTL-Fernsehabends.
Der fünfstündige Mammutblock zerfiel in drei Teile: das hibbelige und zugleich zähe Vorspiel, den ordentlichen Liveübertragungsblock und ein skandalisiertes Finale. Dazwischen Werbung für Zahnbürsten, Mobiltelefone und Überraschungsei.

Wobei Letzteres den Charakter des Abends am besten beschreibt: zu viel Verpackung, zu wenig Überraschung und leichter Zahnschmerz bei den süßlichen Passagen. Etwa wenn der Friseur von Jogi Löw interviewt wird. Wenn Selfies und Spielerfrauen betrachtet werden. Und wenn Moderator Florian König, sonst in der Formel 1 an jeder Rennstrecke zu Hause, und Neuexperte Jens Lehmann durch trötende Fangruppen flanieren oder so hilflos an der Bande stehen, dass Zuschauer spontan für einen Tisch zusammenlegen wollen. Wobei: Jens Lehmann, immer schon bekannt für eine gewisse unaufgeregte Nonkonformität, macht seine Sache als Konkurrent des ZDF-Experten Oliver Kahn ordentlich.

Der Mann, der im Dortmunder Stadion auf jeden Spickzettel verzichtet, hat Ahnung, ohne zu überziehen. Und dass sein Hemd mindestens einen Knopf zu weit offen steht, darf in der Hitze des Gefechts gern geschehen. Wobei das Gefecht um die Werbemillionen und Einschaltquoten mit seinen hektischen Werbeblöcken, Titelrückblicken, Teasern, Clips und schrägen Perspektiven suggerierte, es stehe das größte WM-Finale aller Zeiten an. Mindestens.

Der Blutdruck der Zuschauer, der während des Spiels dank einer ruhigen, faktenreichen Analyse von Ex-„Sky“-Moderator Marco Hagemann auf ein gesundes Level abgesunken war, stieg erst beim Interview mit Jogi Löw wieder an. Und das lag nicht nur am Espresso, den Florian König dem Bundestrainer am späten Abend noch servierte. Nach wenigen Sätzen unterbrach RTL plötzlich das Löw-Gespräch und setzte es erst nach einem längeren Werbeblock fort. „War das Interview aufgezeichnet?“, fragten sich viele übermüdete Fans. Die RTL-Pressestelle, die via Twitter versichert hatte, live auszustrahlen, musste sich später korrigieren. Der größere Teil des Interviews sei zeitversetzt gesendet worden. Da war Löws Espresso schon lange ausgetrunken.

Fußball bei RTL – am Ende alles nur kalter Kaffee? Das nun auch wieder nicht. Für Fans wie Medienprofis ist Marco Hagemann am Livemikro die Entdeckung des Abends. Der 37-Jährige zeigte sich beim Auftaktspiel der EM-Qualifikation bestens vorbereitet. Kein Wunder, dass für das nächste Sonnabendspiel in Polen schon ein neues RTL-Format empfohlen wird: kurz vor den Hymnen einschalten und zum Abpfiff schnell wieder wegzappen. Wird aber am Ende doch wieder nur den wenigsten gelingen – RTL-Witze können ja auch Teil der neuen Fußballabendunterhaltung sein.

von Harald John

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