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Herzkino am Sonntagabend

Tatort Herzkino am Sonntagabend

Die Kölner Kommissare Ballauf und Schenk enttäuschen mit einer schwachen Story um „Wahre Liebe“. Anlass dafür ist die Ermordung einer schönen Frau, die eine Internetpartnerschaftsvermittlung namens Lovecast leitet.

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Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ermitteln in Sachen Liebe.

Quelle: ARD

Köln. Selten ergänzen sich ARD und ZDF so perfekt wie am Sonntagabend: Krimi im Ersten, „Herzkino“ im Zweiten. Diesmal aber sind die Rollen vertauscht: Das ZDF zeigt ein ausgesprochen anspruchsvolles Melodram, das man durchaus auch als Mann genießen kann; die ARD dagegen lädt zu einem „Tatort“, in dem es ziemlich viel um Liebe geht. Das wäre ja im Grunde auch kein Problem, wenn nicht die Kommissare Ballauf und Schenk (Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär) nicht ständig innehalten würden, um über Gefühle zu sinnieren. Anlass dafür ist die Ermordung einer schönen Frau, die eine Internetpartnerschaftsvermittlung namens Lovecast leitet. Prompt drehen sich die Gespräche der Ermittler weniger um potenzielle Verdächtige, sondern um die Frage, ob ein Computer wirklich zuverlässig Paare zusammenführen kann und woran man überhaupt eine gute Beziehung erkennt. Mitunter fast wichtiger als die Suche nach dem Mörder ist Ballaufs Liebesleben, weil er sich nicht dazu durchringen kann, sich zu seiner Freundin, der Polizeipsychologin Lydia (Juliane Köhler), zu bekennen.

Damit allein könnte man ja noch leben, allerdings hat das Drehbuch (Maxim Leo) weitere Schwachstellen zu bieten: Weil moderne Technik zwangsläufig eine gewisse Rolle spielt, der WDR aber offenbar der Meinung ist, dass sich gerade die älteren ARD-Zuschauer in diesem Bereich nicht so gut auskennen, müssen sich die Kommissare dümmer stellen, als sie sind, damit ihre Gesprächspartner die entsprechenden Fachbegriffe erklären. Staatsanwalt von Prinz (der 2013 verstorbene Christian Tasche bei seinem letzten „Tatort“-Auftritt) hat die Idee, die neue Assistentin Gabi als Lockvogel ins Lovecast-Netzwerk zu schicken. Dort tauscht sie sich schriftlich mit verschiedenen Interessenten aus, und weil der WDR sein Publikum auch noch für kurzsichtig oder lesefaul hält, muss Gabi ständig vorlesen, was sie und ihre Plauderpartner schreiben. Zu allem Überfluss hat Darstellerin Kathi Angerer eine furchtbare Piepsstimme. Von den wechselnden Kräften im Vorzimmer von Ballauf und Schenk ist Gabi die erste, bei der man froh ist, dass der WDR seit Franziskas Tod die  Rolle jedes Mal neu vergibt. Umso bedauerlicher, dass die attraktive Suzan Anbeh als ermordete Lovecast-Chefin bloß eine kurze Gastrolle hat.

Auch die Geschichte funktioniert nicht recht, weil die verschiedenen Verdächtigen, darunter der eifersüchtige Gatte der Toten, nur halbherzig eingeführt werden. Am interessantesten ist noch die Spur, die direkt ins Netzwerk führt: Mehrere Frauen sind auf einen Schwindler reingefallen, den die Kommissare fortan nur noch den „Zauberer“ nennen, weil er ungemein clever vorgegangen ist. Obwohl er die Damen zum Teil um viel Geld betrogen hat, ist ihm keines seiner Opfer richtig böse. Aber selbst bei den Treffen Gabis mit Männern, die als Täter infrage kommen, entsteht keinerlei Nervenkitzel; da hat André Erkau, immerhin Regisseur von „Das Leben ist nichts für Feiglinge“, schon ganz andere Filme gedreht. Gelegentlich ist dieses Talent auch hier zu erkennen, wenn beispielsweise ein lakonischer Schnitt viel aussagekräftiger ist als die ständigen Gefühlsduseleien. Auch die Bildgestaltung von Gero Steffen ist sehenswert. Im Großen und Ganzen ist „Wahre Liebe“ für Kölner Verhältnisse aber eher enttäuschend.

Von Tilmann P. Gangloff

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