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17:39 07.12.2017
Königinnen im Uhrzeigersinn: Jeanette Charles in „Die nackte Kanone“ (1988), Helen Mirren in „The Queen“ (2006), Susan Jameson, Barbara Flynn und Samantha Bond in der TV-Serie „The Queen“ (2009), Emma Thompson in „Walking The Dogs“ (2012), Claire Foy in „The Crown“ (2016), Olivia Colman als Elizabeth II., die ab 2018 in Staffel drei von „The Crown“ die Elizabeth-Rolle von Foy übernimmt. Quelle: Fotos: Verleih
Berlin

Wir sind wieder bei den Windsors im Buckingham-Palast. Versprochen wird diesmal alles über Elizabeth II. in den Jahren von der Suez-Krise (1956) bis zur verhängnisvollen Affäre des britischen Heeresministers John Profumo (1963). „The Crown“ geht weiter, die Netflix-Serie, die vor einem Jahr in wirklich aller Munde war. Die junge Königin wächst mit den Aufgaben und wird die Frau, die wir bis heute kennen: unerschütterlich, glamourös, undurchdringlich und zugleich auch passiv. Eine Monarchin in einer demokratischen Gesellschaft, eigentlich überflüssig als Herrscherin, aber wichtig für die Nation zum Aufblicken und Sich-Festhalten: Etwas Besseres als die Politik werden wir überall finden – „God save the Queen“.

Vom ersten Moment der Serie, als sie – noch ungekrönt – mit großen Augen im altrosa Kostüm zusah, wie ihr Bräutigam Philip von König George unter anderem zum „Knight Companion unseres sehr erhabenen Hosenbandordens“ bestellt wurde, hatte uns Claire Foy gewonnen: neugierig und respektvoll, scheu und selbstbewusst, ernst und witzig – eine Prinzessin zum Pferdestehlen, umgeben von royalen Ränkeschmieden und Intriganten und einem Churchill (John Lithgow), der bei ihrer Hochzeit erst dann die Kirche betritt, wenn die Orgel anhebt. Als wär es ein Fest für ihn.

Film und Fernsehen mögen Elizabeth schon seit Langem, vielleicht, weil sie Raum für Interpretationen lässt, sie den Untertanen nie wirklich Einblick in ihr Innenleben gestattet. Außer vielleicht 1982, als sie mit einem unverhofften Eindringling im Palast Konversation führte. Emma Thompson spielte diese anrührende Episode 2012 im TV-Film „Walking the Dogs“ – kopierte perfekt den eigenwilligen königlichen Sprachrhythmus. Fünf Darstellerinnen brauchte es 2009 für die erfolgreiche Doku-Spiel-Serie „The Queen“, in der für Channel 4 kritische Klippen in der Herrschaft Elizabeths beleuchtet wurden. Im Film „A Royal Night Out“ (2016) ließ Sarah Gadon die spätere Monarchin einen Ausflug in die wirkliche Welt unternehmen, ein Film, der an „Ein Herz und eine Krone“ erinnerte, die fürstliche Rom-Com mit Audrey Hepburn und Gregory Peck.

In frühen Filmen ist die Queen noch eine Witzfigur

In Filmen wie „King Ralph“ (1991) und „Austin Powers: Goldständer“ (2002) war Elizabeth noch eine Witzfigur. In „Die nackte Kanone“ (1988) schlitterte der Chaospolizist Frank Drebin zwischen den Schenkeln der von ihm zu schützenden Hoheit eine Festtafel entlang. Es darf als sicher gelten, dass die Queen darüber nicht amüsiert war. Auch James Cromwell bleibt uns als ein despektierlicher Philip in Erinnerung, der in Stephen Frears’ Film „Die Queen“ (2006) ins royale Ehebett schlüpfte, und der werten Gattin ein „Roll over, cabbage!“ zuraunte. „Roll zur Seite, Kohlkopf!“ – die Zärtlichkeit der Royals. Helen Mirren war dabei Cromwells Queen, sie erhielt beim Filmfest von Venedig fünf Minuten stehenden Applaus für ihre eindringliche Darstellung, in Hollywood den Oscar. Dieser Film gefiel der Königin, und selten meinte man als Zuschauer, tieferen Einblick in ihr Seelenleben zu bekommen, als in der Szene, in der sie einen mächtigen Hirsch verscheucht, um ihn vor seinen Jägern zu bewahren. Man empfand die Bürde eines gnadenlosen Amtes.

Während Claire Foy in „The Crown“ lernt, mit der Macht umzugehen, ist die echte Elizabeth II. ein Anker in der Sturmsee unserer Tage – so lange sie eisern auf dem Thron sitzt, kann die Welt nicht untergehen. Mögen die Politiker ihrer Heimat noch so exen und brexen – die Queen mit ihren Festlandvorfahren gehört weiter zu Europa (und ihr Gatte Philip, in „The Crown“ gern als „der Hunne“ abgekanzelt, sowieso). Elizabeth II. ist so verlässlich abwartend, stumm und erfolgreich wie etwa Angela Merkel, der als Bundeskanzlerin freilich der Glamour der Krone abgeht und die zudem nicht über diese feingewebte Britpop-Garderobe pfefferminzgrüner und himbeerbonbonrosafarbener Damenkostüme verfügt.

„Her Majesty’s a pretty nice girl“, haben die Beatles 1969 gesungen, „und irgendwann mach’ ich sie zur Meinigen.“ Es war das letzte Lied auf dem Album „Abbey Road“. Wir haben sie längst alle zu unserer gemacht. Trotz Philip.

Von Matthias Halbig/RND

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