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Diese Drei sind die besten Kandidaten für den ESC

Vorentscheid Diese Drei sind die besten Kandidaten für den ESC

Xavier Naidoo war gestern. Der NDR hat nach der Blamage zehn neue Kandidaten für den ESC-Vorentscheid "Unser Lied für Stockholm" benannt. Der nächste Schuss muss sitzen. Die Favoritin im Feld ist eine 17-Jährige: "The Voice"-Jamie-Lee aus Bennigsen bei Hannover tritt mit ihrem Titel "Ghost" an.

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Zehn Kandidaten wollen zum ESC nach Stockholm.

Quelle: Jörg Carstensen/dpa

Hannover. Alles auf Anfang: Nach dem Debakel um die zurückgezogene ESC-Nominierung von Xavier Naidoo hat der NDR zehn neue Hoffnungsträger für den deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest 2016 im Mai in Stockholm benannt. Und diesmal haben sie ausführlich gegoogelt in Hamburg: Keiner von ihnen ist je bei einem Treffen der Reichsbürger aufgetreten. Keiner birgt auch nur die geringste Shitstormgefahr. Bloß nicht noch einmal einen solchen Kommunikations-GAU erleben wie im November 2015. Damals stempelten delirierende soziale Netzwerke und eine NDR-interne Guerillatruppe per offenem Brief Naidoo pauschal zum homophoben, evangelikalen, rechtsnationalen Halbirren ab – ungeachtet massiver Gegenreden namhafter Stars und Musikerkollegen. Der NDR knickte ein. Rückzug mit schweren Verlusten.

Nun also: Plan B für die Liebe. Keine Experimente, und alles andere wird sich dann finden. Zehn Acts. Zehn Lieder. Eine ARD-Liveshow aus Köln am 25. Februar. Und über den Sieger entscheidet nach viel öffentlichem Genöle über die Direktnominierung von Naidoo nun wieder das Publikum – per Telefon, SMS oder Eurovisions-App. Unterschätze niemand den Partizipationswillen des deutschen Zuschauers. Er ist in 16 Jahren Casting-TV auf demokratische Teilhabe trainiert worden und kann ansonsten sehr ungemütlich werden.

Die großen Namen fehlen

Es ist eine bunte Truppe, auf die sich der NDR, die drei Major-Labels Warner, Universal, Sony und die Produktionsfirma Brainpool kurz vor Weihnachten geeinigt haben: australischer Indie-Pop, aufgerüschte gregorianische Gesänge, fetter Glamrock mit Goldkante, Schlager, Friedensfolk, zeitgenössischer Radiopop und zwei polyphone Schwestern von der Waterkant.

Was niemanden verwundert: Die ganz großen Namen fehlen im Feld. Ausreden und Absagen gab es in diversen Varianten. Und doch gibt es positive Überraschungen: Tatsächlich geht die aktuelle "The Voice"-Siegerin Jamie-Lee Kriewitz aus Bennigsen ins Rennen. Zwei Monate nach ihrem Sieg in Sat.1 stellt sich die 17-Jährige erneut dem Votum des deutschen TV-Publikums. Sie bringt wohl das größte aktuelle Momentum unter den Bewerbern mit. Denn dass ihr hochmoderner, selbst geschriebener "The Voice"-Siegersong "Ghost" massives ESC-Potential hat, war nicht nur ihrer Plattenfirma Universal aufgefallen. Ausstrahlung: taufrisch; Attitüde: extravagant in bunter Manga-Optik; Nervenkostüm: robust; Stimme: über jeden Zweifel erhaben.

Jamie-Lees Konkurrenz ist Nischenware

Sechs Jahre nach Lena Meyer-Landrut wieder eine brünette Niedersächsin aus dem Raum Hannover beim ESC? Das Echo eines fernen Satelliten? Es wäre eine spektakuläre Replik. "Ich würde gerne Deutschland beim ESC vertreten", sagte Jamie-Lee Dienstag. "Eine Manga-Voice aus Deutschland mit dem Support der Fantastischen Vier im internationalen Wettbewerb – das wäre eine krasse Erfahrung."

Ihre Chancen stehen nicht schlecht. Denn die Konkurrenz ist eher Nischenware: Helden der Glamrock-Szene in Wacken und anderswo sind Avantasia, ein Projekt des Fuldaer Power-Metal-Spezialisten Tobias Sammet mit diversen Veteranen des Staubmantelrock, darunter Uriah-Heep-Drummer Russell Gilbrook am Schlagzeug. Außerdem im Boot: das sphärische Hamburger Schwesternduo Joco (Josepha und Cosima, Nachname hochgeheim), die Dresdener Band Woods of Birnam mit Sänger und Schauspieler Christian Friedel und vier Mitgliedern der 2012 aufgelösten Truppe Polarkreis 18 („Allein, allein“), die blütenreine Weimaraner Schlagerhoffnung Ella Endlich – bürgerlich: Jaqueline Zebisch – und die Chartbreaker-Mönche der mittelalterlichen Chant-Erfolgskapelle Gregorian, deren Werke zwischenzeitlich in jedem Drogeriemarkt der Republik zu bekommen waren. Dazu gesellen sich die in Berlin lebende Australierin Kat Frankie mit ihrer Band Keøma, die Pop-Rock-Band Luxuslärm aus Iserlohn und der bayerische Songwriter Alex Diehl, optisch die späte Rache von ESC-Flüchtling Andreas Kümmert. Diehls Song "Nur ein Lied" wurde nach den Anschlägen von Paris zum viralen Trostspender für Hunderttausende.

Der nächste Schuss muss sitzen

Sie wissen beim NDR: Der nächste Schuss muss sitzen. ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber hat das neue Konzept auf Samtkissen durch die ARD-Gremien getragen. Wer immer nach Stockholm fährt – er sollte die Schmach von Wien vergessen machen, als die etwas unterkühlte Ann Sophie mit "Black Smoke" Letzte wurde.

Produzent ist die Kölner Produktionsfirma Brainpool. An der ist mit 12,5 Prozent der gerade mit Pomp und Gloria in den Vorruhestand verabschiedete TV-Pensionär Stefan Raab beteiligt. Indirekt also hat der Retter der deutschen Eurovisonsehre weiterhin die Finger im Spiel. Genauso wie sein Bruder im Geiste übrigens: Den Song "Under The Sun We Are One", mit dem die Düsseldorfer Sängerin Laura Pinski an den Start geht, hat Grand-Prix-Dinosaurier Ralph Siegel geschrieben und produziert. Raab und Siegel – sie können einfach nicht anders.

Die drei aussichtsreichsten Kandidaten:

Jamie-Lee

"Ghost"

17 Jahr’, dunkles Haar – die Bennigser Pophoffnung Jamie-Lee Kriewitz hat völlig zu Recht die aktuelle Staffel von "The Voice of Germany" gewonnen. Ganz starke Mitfavoritin beim Vorentscheid. Absolut ESC-tauglicher Titel.

Erinnert an: ESC-Hits aus Schweden oder Aserbaidschan, Waldmeister-Götterspeise, Boy-meets-girl-Movies

 

Avantasia:

"Mystery Of A Blood Red Rose"

Er mache doch eher „komischen Pussy-Metal“, sagte Sänger Tobias Sammet 2014 vor 100 000 Zuschauern in Wacken ironisch. In der Metallerszene hat die mit Veteranen namhafter Heavy-Metal-Mitbewerber gespickte Truppe dennoch ein gutes Standing. Cineastischer Bombast mit Kajalstift. Chancenlos, aber lustig.

Erinnert an: Sechserträger, Airbrush-Amazonen auf Motorhauben, Jon Bon Jovi in seinen Träumen

Joco

"Full Moon"

Etwas zu ernst gemeinter Höhere-Töchter-Pop der multiinstrumentalistischen Schwestern Josepha (25) und Cosima (29) aus Hamburg. Produziert in den Abbey Road Studios in London. Der Hinweis macht sich auf jeder CD gut.

Erinnert an: "Missy Magazine"-Abonentinnen, Chai Latte mit Sojamilch, Hollandräder mit Korb

Die Show:

"ESC 216 – Unser Lied für Stockholm" am Donnerstag, 25. Februar, live aus Köln wird moderiert von Barbara Schöneberger. Sie ist auch Gastgeberin der ESC-Reeperbahnparty aus Hamburg am Finalabend (14. Mai) – wie schon beim denkwürdigen ESC-Vorentscheid 2015 in Hannover mit Andreas Kümmerts Rückzug.  Die unverwüstliche Spontanitätsexpertin gehört damit allmählich zum deutschen ESC-Inventar. Vielleicht macht sie aber auch einfach nur so lange weiter, bis mal ein ESC-Vorentscheid mit ihr als Gastgeberin planmäßig und störungsfrei zu Ende geht.

Zehn Acts treten beim deutschen ESC-Vorentscheid am 14. Mai an - einer wird beim ESC in Schweden auf der Bühne stehen: Wir stellen ihnen alle Teilnehmer für den deutschen ESC-Vorentscheid vor.

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