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Die drei Fragezeichen: Stefan Kürten? Jan Metzger? Oder Tom Buhrow?

Wer wird WDR-Chef? Die drei Fragezeichen: Stefan Kürten? Jan Metzger? Oder Tom Buhrow?

Drei Herren wollen morgen Monika Piel als WDR-Chef beerben – EBU-Direktor Stefan Kürten, Radio-Bremen-Intendant Jan Metzger und „Tagesthemen“-Mann Tom Buhrow.

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Drei Männer sind noch im Rennen bei der WDR-Intendantenwahl (von links): Stefan Kürten, Jan Metzger und Tom Buhrow.

Quelle: dpa

Hannover. Es ist der mächtigste und größte Sender der ARD: 4100 Mitarbeiter, ein Jahresetat von 1,4 Milliarden Euro – der WDR ist der eifrigste Zulieferer fürs Gemeinschaftsprogramm und wichtigster Taktgeber neben dem NDR im Kreis der neun Anstalten. Ohne den WDR läuft nichts bei der ARD, und ohne Intendant läuft nichts beim WDR. Einer der einflussreichsten deutschen Medienposten wird morgen in Köln neu vergeben. Doch die drei Kandidaten, die die Nachfolge von WDR-Intendantin Monika Piel (62) antreten wollen, lösen hausintern keine Begeisterung aus. Zur Wahl stehen: Jan Metzger, Intendant von Radio Bremen, Stefan Kürten, Direktor bei der Europäischen Rundfunkunion EBU, und Tom Buhrow, „Tagesthemen“-Moderator und eines der bekanntesten Aushängeschilder der ARD.

Eine Findungskommission aus acht Männern und zwei Frauen, angeführt von der Rundfunkratsvorsitzenden Ruth Hieronymi (CDU), hatte die drei Herren ausgewählt, nachdem Piel ihr Amt nach sechs Jahren zum 30. April vorzeitig aufgegeben hatte – aus „persönlichen Gründen“. Seit dem 1. Mai leitet ihre Stellvertreterin und oberste WDR-Justiziarin Eva-Maria Michel die Anstalt kommissarisch. Alle drei Bewerber sind nach Meinung der Kommission „qualifiziert, den WDR zu leiten“. Sie könnten „glaubhaft den Anspruch auf ein Programm von hoher Qualität“ vertreten und „wichtige Impulse“ setzen.

Das sind die erwartbaren Konsensfloskeln – tatsächlich aber verläuft die WDR-Intendantenkür bisher unter keinem guten Stern: Michel hätte den Job gerne gemacht, heißt es. Mehrere Wunschkandidaten dagegen, deren Interesse die Findungskommission vorab wenig diskret ausgelotet hatte, lehnten dankend ab – darunter Giovanni di Lorenzo und Peter Frey, Chefredakteure der „Zeit“ und des ZDF. Auch Thomas Kleist wollte nicht, der Intendant des Saarländischen Rundfunks. Stattdessen bewarben sich 37 Medienmacher auf eine öffentliche Stellenausschreibung, darunter Stefan Kürten. Seine beiden Konkurrenten dagegen waren Vorschläge aus der Findungskommission selbst.

Das Trio, das nun ins Rennen geht, löst bei den WDR-Mitarbeitern eher Kopfschütteln aus. Einer von diesen dreien soll den WDR leiten? „Im Sender hat es wenig Applaus für diese Auswahl gegeben“, zitiert der „Kölner Stadt-Anzeiger“ eine WDR-Führungskraft. Von einer „skurrilen Mischung“ war die Rede. „Der große Wurf ist nicht dabei“ ist selbst aus dem Rundfunkrat zu hören. Das 48-köpfige Gremium kommt morgen in Köln zusammen. Für die WDR-Intendantenwahl ist im ersten Durchgang die absolute Mehrheit erforderlich. Im zweiten Wahlgang würde die einfache Mehrheit reichen.

Eine Empfehlung gab die Kommission nicht ab. Und: Keiner der drei ist politisch eindeutig zu verorten. Einen klaren Favoriten gibt es damit nicht. Tom Buhrow (54), geboren in Troisdorf bei Köln, ist mit Abstand der populärste Anwärter, war aber noch nie als Manager tätig. Mit Ausnahme des Washingtoner ARD-Studios hat er keinerlei Führungserfahrung. Immerhin kennt er den WDR: Hier begann er 1985 als Volontär seine Karriere, war Reporter und Chef vom Dienst beim Regionalmagazin „Aktuelle Stunde“. Ab 1992 arbeitete er dann bei der „Tagesschau“, bevor er Korrespondent in den USA wurde. Kein Zweifel herrscht an seiner journalistischen Kompetenz. Auch Friedrich Nowottny und Fritz Pleitgen waren vor ihrer WDR-Intendanz bekannte TV-Journalisten.

Jan Metzger, geboren 1956 in Bonn, ist ebenfalls gelernter Journalist. Er ist parteilos, entstammt aber einer alteingesessenen hessischen SPD-Familie. Sowohl sein Vater als auch sein Großvater saßen jahrelang im Bundestag, beide waren einst Oberbürgermeister von Darmstadt. Sein Bruder Mathias ist Ehemann der hessischen SPD-Politikerin Dagmar Metzger, die 2008 zum Sturz der designierten SPD-Ministerpräsidentin Andrea Ypsilanti beitrug. Jan Metzger volontierte beim HR und wechselte dann zum ZDF, wo er zuletzt Leiter der „heute-journal“-Redaktion war, bevor er 2009 zum Intendanten von Radio Bremen gewählt wurde. Ihm wird eine Neigung zu offensiver Selbstvermarktung  nachgesagt. Bei der hoch verschuldeten kleinsten ARD-Anstalt (215 feste Mitarbeiter, knapp 100 Millionen Euro Jahresetat) wurde er bisher kaum als ideenreicher Erneuerer auffällig.

Stefan Kürten schließlich hatte praktisch niemand auf dem Zettel. Der Jurist arbeitete von 1989 bis 2001 beim ZDF, unter anderem in der Hauptredaktion Sport. Im Jahr 2000 war er ZDF-Teamchef bei den Olympischen Spielen in Sydney. Seit zwölf Jahren ist er bei der EBU in Genf unter anderem für Sportrechte zuständig. In der Rundfunkunion, die unter anderem den Eurovision Song Contest veranstaltet, sind 74 Rundfunkanstalten aus 56 Ländern zusammengeschlossen.

Den neuen WDR-Intendanten erwarten zahlreiche Baustellen. Längst geht es nicht mehr nur darum, diese oder jene Sendung anzustoßen oder diese oder jene Personalie durchzudrücken. Das öffentlich-rechtliche System insgesamt kämpft um seine Legitimation – nicht erst seit der Gebührenreform. Gleichzeitig erweist sich das Konstrukt als praktisch reformresistent. Monika Piel machte zum Abschied klar, wie sehr die Sache schlaucht: „Man braucht auf jeden Fall Managementqualitäten“, sagte sie – „und Erfahrung darin, ein großes Haus zu leiten.“ Nähe zum Programm sei ja schön und gut. Aber: „Wir brauchen keinen Chefredakteur.“ Soll heißen: Es muss kein Journalist sein. Einer galt lange als Mitfavorit: Jörg Schönenborn, ARD-Zahlenfuchs und seit elf Jahren WDR-Chefredakteur. Sein Warten auf den Topjob geht weiter. Manche sprechen schon vom „Prinz Charles des WDR“.

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An Monika Piel jedenfalls lag es nicht. Sie hat’s tapfer versucht. Es müsse ja nicht unbedingt ein Journalist neuer WDR-Intendant werden, hatte die scheidende Chefin zum Abschied vorsichtig gesagt. Studierte Betriebswirtschaftler, meinte die studierte Betriebswirtschaftlerin, hätten auch ihre Qualitäten.

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