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Dieter Moor über die „Die Geschichte des Menschen“
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70 000 Jahre in acht Stunden Dieter Moor über die „Die Geschichte des Menschen“

Von den Steinzeitmenschen über die alten Römer und das Mittelalter bis in die Jetztzeit: Rund 70 000 Jahre umfasst die zweiteilige Mammut-Dokumentation „Die Geschichte des Menschen“, die Vox Freitag und Samstag jeweils um 20.15 Uhr zeigt.

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Dieter Moor wurde 1958 in Zürich geboren und arbeitet als Moderator, Autor und Produzent.

Quelle: Manuel Krug

Köln. Die in Zusammenarbeit mit der BBC und Alexander Kluges Produktionsfirma dctp entstandene, knapp achtstündige Dokumentation bringt dem Zuschauer die wichtigsten Stationen der Menschheitsgeschichte in dramatischen Szenen nahe. Präsentiert wird die Vox-Zeitreise von Dieter Moor, der sonst das ARD-Kulturmagazin „ttt – titel, thesen, temperamente“ moderiert.

Herr Moor, ist der Mensch die Krone der Schöpfung?

Absolut nicht. Sie kennen ja den alten Witz, wo zwei Planeten sich begegnen, und der eine fragt: „Wie geht’s dir?“, und der andere antwortet: „Schlecht, ich hab Menschen.“ Worauf ihn der eine wiederum tröstet: „Ach, das geht vorbei.“ Je älter ich werde, desto mehr glaube ich, dass wir ein vorübergehendes Phänomen sind. Warum Mutter Natur, die ja eigentlich perfekt funktioniert, dieses Wesen geschaffen hat, erschließt sich mir nicht.

Klingt pessimistisch. Dabei hat die Dokumentation über die Geschichte des Menschen, die Sie jetzt bei Vox präsentieren, ja durchaus einen optimistischen Grundton ...

Stimmt, und das hängt damit zusammen, dass sie den Menschen als Teil der Natur begreift und nicht den Gegensatz zwischen Mensch und Umwelt aufmacht, wie das häufig geschieht. Wir sind ein Teil dieser Welt, das ist meiner Ansicht nach eine ganz wichtige Erkenntnis, und das wird mir auch in meinem anderen Leben als Landwirt immer klarer.

In der Dokumentation geht es um die vergangenen 70 000 Jahre. Glauben Sie, dass uns noch weitere 70 000 Jahre beschieden sind?

Schwierige Frage, aber wenn ich mir die Entwicklung gerade der vergangenen Jahre anschaue, dann bin ich da sehr skeptisch. Man könnte schon zu der Ansicht kommen, dass die Menschheit vielleicht noch 50 Jahre hat und mehr nicht. Wenn ich mich dann aber mit der gesamten Geschichte der Menschheit beschäftige wie in dieser Dokumentation, dann sehe ich, dass es immer wieder mal Punkte gab, wo es eigentlich nicht weitergehen konnte – und wo es trotzdem irgendwie weitergegangen ist. Wir haben schreckliche Dinge wie die Atombombe erfunden, aber eben auch gute Dinge wie die Demokratie. Diese andere Seite des Menschen – darauf setze ich meine Hoffnung.

In der Doku werden die verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte angerissen. Deutschland hat in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine unselige Rolle gespielt. Sind Sie froh, dass Sie als Schweizer nichts mit dieser Vergangenheit zu tun haben?

Ganz im Gegenteil, ich habe ja sogar vor, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Ich möchte unter anderem Deutscher werden, weil mir gefällt, wie dieses Land mit der ungeheuren Last seiner Vergangenheit umgeht, wie es versucht, diese Fakten aufzuarbeiten. In der Schule in der Schweiz haben sie uns dagegen früher immer beigebracht, dass die Schweizer stets die Guten waren – später habe ich dann herausgefunden, dass vieles an dem Geschichtsbild, das einem da vermittelt wurde, nicht stimmt.

Wann genau werden Sie denn Deutscher?

Weiß ich noch nicht genau, aber mein Ziel ist es schon, die Staatsbürgerschaft in nächstmöglicher Zukunft zu beantragen – und hoffentlich auch zu bekommen. Dann kann ich hier auch wählen gehen und ganz anders mitreden.

Haben Sie dann beide Staatsbürgerschaften?

Das wäre gut, es gilt ja angeblich auch der Grundsatz: einmal Schweizer, immer Schweizer. Aber wenn ich die Schweizer Staatsbürgerschaft abgeben müsste, dann würde ich sie abgeben.

Sie bewirtschaften gemeinsam mit Ihrer Frau einen Bauernhof in Brandenburg, vermarkten sich auch als Landwirt. Wie passt das mit Ihrem Fernsehjob zusammen?

In der Hinsicht fühle ich mich außerordentlich privilegiert, das klappt ganz wunderbar. Wenn ich im Stall stehe und den Kühen Heu gebe und mir dann denke: In zwei Stunden bist du wieder fürs Fernsehen unterwegs, dann freut mich das einfach. Beide Lebensbereiche relativieren den jeweils anderen: Man ist kein reines Landei, läuft aber auch nicht Gefahr, sich als Fernsehfuzzi so wahnsinnig wichtig zu nehmen.

Und wenn Sie wählen müssten?

Das entwickelt sich sowieso von ganz allein: Mit fortschreitendem Alter wird das Mediengeschäft automatisch zurückgehen, während mich der Bauernhof gar nicht feuern kann, weil er meiner Frau und mir gehört. Dass ich also irgendwann nur noch Bauer sein werde, kommt von selbst.

Interview: Martin Weber

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