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10:41 23.11.2012
Von Imre Grimm
Siegerin aus Hannover: Lena Meyer-Landrut gewann 2010 den Eurovision Song Contest in Oslo. Quelle: dpa (Archiv)
Hannover

Herr Schreiber, beim letzten deutschen Vorentscheid in Hannover vor elf Jahren hieß der Song Contest noch „Grand Prix“. 2001 traten an: Wolf Maahn, ein „DJ Balloon“, Michelle, Zlatko von „Big Brother“ und Rudolph Mooshammer mit Hund Daisy. Bitte sagen Sie uns, dass diesmal alles anders wird.
Es wird diesmal alles anders.

Gott sei Dank.
Die Sendung heißt „Eurovision Song Contest 2013 – Unser Song für Malmö“. Wir werden am Donnerstag, den 14. Februar 2013, live um 20.15 Uhr im Ersten aus der TUI Arena in Hannover senden. Es werden hintereinander acht bis zwölf Acts mit je einem eigenen Lied antreten, Bands und Einzelkünstler gemischt. Und zwar nicht nur Nachwuchsmusiker wie früher, sondern auch namhafte Stars – welche, kann ich aber noch nicht verraten. Der ESC hat durch Lenas Erfolge ja eine ganz andere Glaubwürdigkeit in der Musikszene bekommen, auch bei erfahrenen Künstlern. Alle Songs werden schon einige Wochen vorher in den Pop-Programmen der ARD zu hören sein. Die Zuschauer entscheiden per Anruf, SMS und online, wer im Mai 2013 für Deutschland zum ESC nach Schweden fährt.

Sie verabschieden sich vom Castingprinzip. Trauen Sie dem „Unser Star für...“-Format nicht mehr, mit dem Lena entdeckt wurde?
Casting hat sich aus meiner Sicht totgeritten. Aber „Unser Star für Oslo“ war ja auch keine Castingshow, das war eine Talentsuche. Das ist ein Unterschied! Leute wie Lena und Roman Lob haben eine eigenständige Musikerkarriere gestartet. Oder sagen Sie mir mal, an welchen RTL-„Superstar“ Sie sich noch erinnern.

Da sieht’s dünn aus. Wer entscheidet denn dann über die Startplätze? Ein Geheimtreffen im stillen Kämmerlein?
Fünf Vertreter der Labels Universal, Sony, Warner, EMI und Embassy of Sound, dazu Jörg Grabosch von der Produktionsfirma Brainpool und ich. Wir sieben sitzen wie beim „Echo“ zusammen und legen fest, wer antritt. Das wird eine bunte Mischung. Wir wollen in der Sendung auch eine regionale Abstimmung machen, mit Punktevergabe, Grafik und richtigem ESC-Feeling: Auf den Internetseiten von neun ARD-Radioprogrammen können die Hörer schon vorher über ihre Favoriten abstimmen, diese Ergebnisse werden dann live in der Sendung präsentiert. Es wird eine schnelle Popshow, dann schalten wir einmal durch die Republik. Und dann haben wir unseren Song für Malmö.

Das klingt schwer nach Stefan RaabsBundesvision Song Contest“.
Nein, falsch! Ich schätze Raabs „BuViSoCo“ sehr, aber er ist eine deutschsprachige Imitation des ESC! Wir sind das Original. Es wird in Hannover außerdem eine fünfköpfige Jury geben, die die Auftritte beurteilt. Ihre Wertung zählt zu einem Drittel. Nach dem ESC 2011 in Düsseldorf hieß es, die ARD und PRO7 beenden ihre Kooperation, Raab ziehe sich zurück. Nun produziert der NDR die Show wieder mit Brainpool, Ladislaus Kiraly führt Regie, das Team aus Düsseldorf bleibt zusammen.  

Spielt auch Raab wieder eine Rolle?
Warten Sie mal ab, wer in der Jury sitzt... PRO7 überträgt in diesem Jahr nicht, das stimmt, aber der Sender hat nie die Tür zugeschlagen. Dort ist man im Moment der Auffassung, dass eine Beteiligung eher den Finalsendungen der ARD als PRO7 selbst nutzen würde. Aber für die Zukunft ist nichts ausgeschlossen. Übrigens wird auch Lena dabei sein, aber nicht als Kandidatin.

Sondern? Als Moderatorin?
Nein. Wer moderiert, steht noch nicht endgültig fest. Ich würde mich freuen, wenn Lena in ihrer Heimatstadt auf der Bühne stehen wird.

Warum haben Sie sich denn für Hannover entschieden? Ein Zuckerle für die ewig nörgelnden Niedersachsen?
Nein! Wir sind 2010 nach Lenas Sieg in Oslo nach Hannover geflogen, 40 000 Menschen haben sie empfangen. Diesmal treten wird die Reise nach Malmö von Lenas Heimatstadt aus an. Und die Arena ist sehr geeignet. Ich wollte keine LED-Schlachten im Studio, ich wollte Konzertatmosphäre, Livegefühl. Und Sie würden sich wundern, welchen guten Ruf das hannoversche Publikum bei Musikern hat.

Nach Oslo 2010 und Düsseldorf 2011 wird es nicht einfach sein, wieder Funken aus dem ESC zu schlagen. Zumal mit einer einzigen Show. Wie wollen Sie erreichen, das die Sache zum Straßenbahnthema wird? Der Raab kann das.
Unsere Radiosender erreichen täglich 28 Millionen Menschen, da kann man schon ein bisschen trommeln. Und natürlich werden die Künstler vorher in anderen Sendungen zu Gast sein, im „Morgenmagazin“ zum Beispiel. Ich bin da ein bisschen zwischen Baum und Borke: Rein für den deutschen Markt müsste man bei der Show andere Kriterien anlegen als fürs internationale ESC-Finale. Ich denke aber eher an dieses Finale. Wir wollen ja noch mal gewinnen.

Warum gehen Sie nicht auf den Sonnabend? Fürchten Sie die „DSDS“-Konkurrenz bei RTL im Februar?
Nein. Wir hätten auch sonnabends gesendet, aber da waren die Hallen nicht verfügbar. „DSDS“ wäre mir im Zweifel egal.

Die ARD-Unterhaltung insgesamt ist im Umbruch. Das ZDF zeigt mit starken Sendungen wie der „heute-show“ oder der neuen Sitcom „Lerchenberg“, wie öffentlich-rechtliche Comedy geht. Wie will sich das Erste denn mal ein bisschen locker machen?
Am 20. Dezember läuft die Pilotsendung zu „Das Ernste“, ein neues Parodieformat mit jungen Nachwuchscomedians, moderiert von Florian Schröder.

Um Mitternacht...
Ja, aber direkt nach Dieter Nuhrs Jahresrückblick, das ist kein schlechter Platz.

Ursprünglich wollten Sie für die Show die „Switch reloaded“-Stars Martina Hill, Max Giermann und Martin Klempnow zur ARD locken. Klingt nicht sehr innovativ.
Zu der Zeit gab es kein „Switch“ mehr, die standen quasi auf der Straße, nachdem die Produktionsfirma Hurricane in die Krise geraten war. Es ging hin und her, und am Ende bot SAT.1 Martina Hill die Sketchshow „Knallerfrauen“ an, und für „Switch“ gab’s auch einen Rettungsplan. Also haben wir uns eigene Talente gesucht, tolle Leute.

Das Humordefizit der ARD bleibt ein ungelöstes Dauerthema.
Klar, die „heute-show“ ist toll. Auch am Samstagabend könnte sich bei uns was tun. Alle in der ARD hätten natürlich gern einen festen Sendeplatz für Satire und Comedy. Wir sind dran.

Sendeplatz gesucht? Sie haben fünf Talks pro Woche. Würden vier nicht reichen?
Da bin ich entschieden anderer Meinung. Das ZDF macht ja auch nicht weniger.

Dass die Anderen das auch machen, ist kein gutes Argument.
Also: Die Talkshows werden ja eingeschaltet. Der Sonntag läuft mit Günther Jauch besser als vorher, genauso der Montag, der ohne Frank Plasberg der schwächste Tag der ARD-Woche war. Dienstags mit Sandra Maischberger hat sich nichts verändert, Mittwoch mit Anne Will ist stabil. Der Einzige, der es wirklich schwer hat, ist Reinhold Beckmann am Donnerstag. Aber nicht wegen der Qualität seiner Sendung, sondern weil er gegen „Maybrit Illner“ sendet. Wenn Illner nicht läuft, hat Beckmann zwölf Prozent.

Das heißt, Sie sind mit fünf ARD-Talks auf Jahre hinaus zufrieden?
Vergessen Sie bitte nicht, dass die Talkshows ihre Zuschauer haben. Aber unabhängig davon macht mir und uns etwas zu schaffen: Das Tempo der Veränderungen da draußen i n der Welt ist höher als innerhalb des ARD-Kosmos. Das hat Vor- und Nachteile. Es schützt uns vor modischen Torheiten, aber manchmal wünschte ich mir, wir wären schneller. 

Der Kartenverkauf für „Eurovision Song Contest 2013 – Unser Song für Malmö“ startet heute. Tickets zum Preis von 19,90 Euro, 27,90 Euro und 36,90 Euro sind erhältlich über unser-song-fuer-malmoe.tv

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