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Fernsehen Erstes Interview: Böhmermann kritisiert Merkel
Nachrichten Medien Fernsehen Erstes Interview: Böhmermann kritisiert Merkel
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13:03 03.05.2016
Erstes Interview nach der Schmähgedicht-Affäre: Jan Böhmermann. Quelle: dpa
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Berlin

Über Wochen hatte sich Jan Böhmermann aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Nun meldet sich der Moderator und Satiriker zurück - und das gleich auf mehreren Ebenen. Im Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" spricht Böhmermann erstmals über die Schmähgedicht-Affäre. In vorab veröffentlichten Ausrissen ,die Wochenzeitung erscheint am Mittwoch, übt Böhmermann dabei deutliche Kritik an Kanzlerin Angela Merkel.

"Merkel hat mich filetiert"

"Die Bundeskanzlerin darf nicht wackeln, wenn es um die Meinungsfreiheit geht. Doch stattdessen hat sie mich filetiert, einem nervenkranken Despoten zum Tee serviert und einen deutschen Ai WeiWei aus mir gemacht", sagt Böhmermann.

Merkel hatte das Gedicht beim türkischen Ministerpräsidenten als "bewusst verletzend" bezeichnet. Später hatte sie ihre Äußerung öffentlich bereut.

Der Fall Böhmermann:

Hintergründe, Analysen und ein Porträt des Satirikers finden Sie auf unserer Themenseite.

Böhmermann fühlt sich nach eigenen Angaben in seinem Glauben daran erschüttert, "dass jeder Mensch in Deutschland ein unverhandelbares, unveräußerliches Recht auf gewisse Grundrechte hat: die Freiheit der Kunst und die Freiheit der Meinungsäußerung", so der 35-Jährige.

Am allermeisten habe er sich über die Tatsache amüsiert, "dass die Chefin des Landes der Dichter und Denker offenbar nicht einen Moment über das Witzgedicht und besonders seine Einbindung nachgedacht hat, bevor sie sich mit ihrem öffentlichen Urteil blamiert hat".

"Das war eine wahnsinnig gute Nummer"

Im "Zeit"-Interview erklärte Böhmermann, er habe versucht, seinen Zuschauern "anhand einer knapp vierminütigen satirischen Nummer zu erklären, was eine freiheitliche und offene Demokratie von einer autoritären, repressiven De-facto-Autokratie unterscheidet, die sich nicht um Kunst- und Meinungsfreiheit schert".

Das Gedicht sei "nur ein Teil der Nummer und sollte nicht aus dem Zusammenhangt gerissen und einzeln betrachtet werden", betonte der Satiriker. Gegenüber Freunden und seiner Familie habe er in den vergangenen Wochen stets gesagt: "Das war eine wahnsinnig gute Nummer - bloß schade, dass sie von mir war." Für ihn und seine Familie, die unter Polizeischutz stand, habe der Fall "dramatische und ganz reale Konsequenzen".

Bereits Ende April hatte sich Böhmermann aus einer selbst auferlegten Pause von den sozialen Netzwerken zurückgemeldet. Klare Worte zur Schmähgedicht-Affäre hatte er dort vermieden.

Eigene Spotify-Show

Immer konkreter wird derweil eine künftige Zusammenarbeit von Jan Böhmermann mit dem Streamingdienst Spotify. Nachdem erst vor wenigen Tagen bekannt wurde, dass die gemeinsame Show von Jan Böhmermann und Olli Schulz, "Sanft & Sorgfältig" bei radio eins, eingestellt wird, befeuerte Spotify Gerüchte über ein Comeback von Schulz und Böhmermann. Im Spotify-Blog wurde ein exklusiver Podcast mit Olli Schulz und Jan Böhmermann angekündigt. Mit Details hielt sich Spotify aber bedeckt.

Schon länger steht das Comeback von Böhmermann im TV fest: Die Late-Night-Show "Neo Magazin Royale" soll am 12. Mai weitergehen. Anfang vergangener Woche war der Polizeischutz für Jan Böhmermann aufgehoben worden. Zuvor hatte es eine Beurteilung der Gefährdungslage gegeben.

Böhmermann hatte in seiner Sendung "Neo Magazin Royale" (ZDFneo) in einem Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bewusst Formulierungen unter der Gürtellinie benutzt. Damit wollte er nach eigener Darstellung den Unterschied zwischen in Deutschland erlaubter Satire und verbotener Schmähkritik deutlich machen. Der Beitrag hatte erheblichen Wirbel ausgelöst.

zys/wer/epd

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