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„Es geht um euren Hintern“

„Germany's Next Topmodel“-Finale „Es geht um euren Hintern“

Heidi Klum hat „Germany's Next Topmodel“ gekürt – in einer dreistündigen Show, die vor allem dreierlei zeigte: Favoritinnen können stürzen. Mannheim ist leicht zu enthusiasmieren. Und man kann ein Stethoskop mit Würde tragen.

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Ach so: Gewonnen hat übrigens Lovelyn (16). So 'ne Brünette.

Quelle: dpa

Mannheim. Menschen, die Fußball hassen, sagen gern: Was soll der Quatsch? Da laufen 22 Männer in kurzen Hosen hinter einer mit Luft gefüllten Kunststoffblase her, um ein netzbespanntes Aluminiumgerüst zu treffen. Das entspricht vollständig den Fakten, berücksichtigt aber nicht, was alles dabei mitschwingt. Für diejenigen, bei denen etwas mitschwingt: Geschichte, Bedeutung, Subtext, Glaube, Liebe, Hoffnung, so'n Zeug halt.

Wenn man jetzt zum Beispiel das Finale von "Germany's Next Topmodel by Heidi Klum" angesehen hat, und es schwingt nichts mit, dann ist es ähnlich: Was soll der Quatsch? Da laufen vier junge, weibliche Menschen gut ausgeleuchtet in knallbonbonfarbenen Klamotten durch eine übergroße Turnhalle und lassen sich betrachten. Und die Menschen im Publikum rufen "Oh" und "Ah!" und manche stehen vor Begeisterung auf. Und wenn ein außerirdischer Ethnologe den Vorgang analysieren würde, müsste er angesichts der allgemeinen Extase zu dem Schluss kommen, dass das korrekte Wiegen der Hüften, breitflächiges Lächeln und brathähnchenfarbene Haut offenbar zu den Schlüsselqualifikationen dieser seltsamen Spezies gehören müssen, die da in der SAP-Arena in Mannheim zu einem ihrer bizarren Stammesritual zusammengekommen ist.

Es wird nicht mal mehr gesungen. Es geht einfach um: nichts. Es ist dann doch ähnlich wie Fußball für Fußball-Hasser: eine mit Luft gefüllte Kunststoffblase.

„Wow“, ruft Heidi Klum trotzdem, offensichtlich die Stammesführerin. Sie trägt eine Art Stethoskop um den Hals, man nennt das Fashion. „Das sind meine Mädchen!“, ruft sie. Es klingt nach Besitzanspruch. Sie schwebte samt ihrer beiden nicht weiter auffälligen Jurykollegen Thomas und Enrique in einem funktionslosen Hubschrauber am Stahlseil ein. Nach einer Viertelstunde dann der erste wahre Satz des Abends: Der „Burlesque-Choreograph“ sagt einfach mal „Es geht hier nur um euren Hintern!“ Damit war das Wichtigste dann auch schon gesagt.

Und wieder geht eine GNTM-Staffel zu Ende: Heidi Klum und ihre „Mädels“ kamen am 30. Mai zum entscheidenden Finale zusammen.

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„Ihr habt tolle Beine und Arme gemacht“, sagt Backstage-Reporterin Rebecca Mir mit großer Selbstverständlichkeit, sie war in der sechsten Staffel Zweitplatzierte. Ansonsten war natürlich alles „Wow!“ und „Sexy!“ und „Cool!“ und „Unglaaauuublich!“, denn wenn man es nur oft genug behauptet, dann wird es im Kopf irgendwann Wirklichkeit, Psychotherapeuten kennen den Effekt. Und mit der Stimme von Heidi Klum lässt sich hinterher sicherlich auch noch die eine oder andere ausgediente Kulisse zersägen. Hat jemand eine Kopfschmerztablette?

Es war eine Menge Sendezeit zu füllen, und Pro7 zeigte mit all der Routine des „Red!“- und „taff“-Erfinders, wie man aus Nichts Fernsehen macht, wie man quasi auf einer Glatze Locken dreht. Man hatte eigens Bruno Mars eingekauft und Psy, den südkoreanischen Rapper („Gangnam Style“), der im Gottlieb-Wendehals-Gedächtnis-Jackett die aktuelle, nur leicht variierte Version seines Welthits darbot. Ansonsten wurde „geshootet“ und „themengewalkt“, was das Zeug hält. Und das Zeug war zumeist bunt und glitzernd und wenig: auf Stelzen, auf Sofas, jahreszeitlich organisiert, mit Roboter, ohne Roboter. Fehlte nur noch: auf Eiern, über glühende Kohlen und auf der Flucht vor hungrigen Wölfen.

„Ihr habt wirklich gezeigt, dass wahre Urgewalten in euch schlummern“, sagte Klum. Da hatte eines ihrer „Mädchen“ (Klum-Sammelbegriff für weibliche Menschen) gerade in einem leichten Luftballon-Outfit zwanzig Meter zurückgelegt. Sagen wir so: Mit dieser Art „Urgewalt“ wäre die Evolution nicht weit gekommen.

Überwiegend bestand die Urgewalt darin, in wechselnden Kostümen unfallfrei hin- und herzulaufen. Das mag zwar dem Kern des Modelgeschäfts recht nahekommen, ist auf die Dauer von drei Fernsehstunden gestreckt jedoch nach spätestens 17 Minuten ermüdend. Jedenfalls, wenn nichts mitschwingt. „Es ist dein Kampf“, sagte Klum zwischendurch. Das war der zweite ehrliche Satz des Abends. Er verrät etwas darüber, wie sie die Welt sieht.

Zehn Staffeln, zehn Models, zehn Karrieren? Nicht alle, die bei "Germany's Next Topmodel" mitgemacht haben, arbeiten nun wirklich erfolgreich im Modebusiness. Manch eine Siegerin hat sich eine andere Nische gesucht.

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Zwischendurch gab's zielgruppenaffine Werbung („Bei Scheidenpilz zählt jeder Tag“).

Die achte Staffel war - soviel lässt sich auch ohne die Quote der pompös aufgepusteten Finalsendung zu kennen sagen - die bisher quotenschwächste. Mit im Schnitt 1,78 Millionen 14- bis 49-jährigen Zuschauern pro Folge liegt sie 110.000 Zuschauer unter dem Vorjahreswert. Selbst wenn der bisherige Finalrekord von 3,34 Millionen aus dem Jahr 2008 am Donnerstagabend erreicht worden sein sollte - was so gut wie ausgeschlossen ist - bliebe es beim Allzeit-Tief. Trotzdem wollen Klum und Pro7 2014 weitermachen.

Und man kann wohl darauf wetten, dass uns nach dem größten, tollsten, buntesten, aufregendsten „Topmodel“-Finale aller Zeiten auch im kommenden Jahr das größte, tollste, bunteste, aufregendste "Topmodel"-Finale aller Zeiten erwartet.

„Knie brauchst du als Model, 'nen Kopf nicht unbedingt“, sagt Kandidatin Maike irgendwann. Der dritte wahre Satz des Abends.

Ach so: Gewonnen hat übrigens Lovelyn (16). So 'ne Brünette.

Irritationen...

... gab's als eine Aktivistin der Frauenrechtlergruppe Femen barbusig auf die Bühne stürmte. Klum fragte zunächst: "Habe ich da einen Busen gesehen?" - lenkte dann aber schnell ab. Auf Twitter gab's jedoch schnell Fotos der jungen Frau, die auf ihren Körper  "Heidi Rocky Picture Show" geschrieben hatten. Securitymitarbeiter trugen sie davon, Pro7 zeigte nichts davon.

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