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„Es kam ein helles Licht rein – und das war Heidi Klum“

TV-Kritik: „Germany´s Next Topmodel" „Es kam ein helles Licht rein – und das war Heidi Klum“

Alles neu und doch wie immer: In der achten Staffel von „Germany´s Next Topmodel“ gibt sich Heidi Klum nahbarer. Doch die Schubladen sind verteilt wie eh und je: Es gibt die Kirchenmaus, die Erwachsene, den Profi und die Heulsuse. Eine kleine Nachtkritik.

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"Nur eine kann Germany´s Next Topmodel werden" - diesen Satz hört man von Heidi Klum in der ersten Folge der achten Staffel nicht mehr.

Quelle: dpa

Hannover. Der Pro7-Abendgraus „Germany´s Next Topmodel“ (donnerstags, 20.15 Uhr, ProSieben) belegt nun wieder für Monate den Sendeplatz am Donnerstagabend und lässt die Twitter- und Facebook-Timelines glühen. Es ist die Sendung, die alle schrecklich finden und die doch das Thema auf dem Schulhof ist. Weil man „ironisch“ schaut, sich in Gruppen bei Chips und Pizza vor dem Bildschirm versammelt oder bei jedem „Määäädchen“-Aufschrei von Heidi Klum am Prosecco nippt.

Doch klar war: die deutsche Exportware und Werbefläche Heidi Klum musste etwas ändern, um die Show in die nun achte Staffel zu retten. Die Quoten waren massiv gesunken, die Sendung der Klum entglitten. Seit 2006 gibt es das Format, sieben Topmodels wurden gefunden – doch keines ist eins geworden. Castingformate haben es ohnehin immer schwerer, wie Dieter Bohlen bei seiner x-ten Ausgabe von „Deutschland sucht den Superstar“ gerade feststellen muss.

Und so schafft „Germany´s Next Topmodel“ (GNTM) das Casting einfach ab: Die erste Folge von Ausgabe acht startet gleich mit 25 vorausgewählten Mädchen. Die haben sich beworben, wurden ausgesucht – und dann zuhause abgeholt (neu!). Jetzt setzt die Klum nämlich vor allem auf eins: auf sich selbst. Sie stapft auf einen Bauernhof, platzt in den Englischunterricht und die Kirchenchorprobe, um die jungen Dinger aus ihrem Umfeld und in die TV-Welt zu entführen.
„Guten Tag, ich hätte gerne zwei Vollkornbrötchen, zwei Mohnbrötchen und ihre Tochter“, heißt es dann, als Mitjuror Thomas Hayo eine Bäckerstochter aus der Backstube holt. Neu ist auch Enrique Badulescu. Er ersetzt Thomas Rath in der Jury – und ist der Quoten-Akzentmann nach Bruce, Rolfe und Jorge.

 

Die Off-Texte spricht das 39-jährige Topmodel Klum jetzt selbst. Sie will näher dran sein („Closer than ever“) – und imitiert so das Konzept von Eva Padberg und Karolina Kurkova, die genau dies zuvor bei „Das perfekte Model“ auf VOX versucht hatten. Und quotenmäßig scheiterten.

Das Quietschige und Abwertende der vergangenen Staffeln spart sich die erste Folge: Wirklich vorgeführt wird hier zum ersten Mal keine der jungen Frauen. Auch wenn die 17-jährige Jaqueline eine Steilvorlage ist, die Pro7 natürlich in allen begleitenden Sendungsformaten auskostet. Das Nachwuchsmodel wird von Heidi Klum in der Kirche abgeholt, hier probt sie gerade fürs Weihnachtskonzert. Pastorin will sie werden – „oder Topmodel“. Die Fernsehüberraschung ist gelungen, ganz baff steht Jaqueline im Altarraum und sagt durchaus ernst: „Es kam ein helles Licht rein – und das war Heidi Klum in meiner Kirche“. Hier hat die Sendung schon jetzt ihre Identifikationsfigur gefunden: Die Unscheinbare, die Angst hat, ausgegrenzt zu werden und nicht cool genug zu sein mit ihrem Attribut Gläubigkeit. Auch 2013 kommt GNTM nicht ohne plakatives Schubladendenken aus. Schon in Folge eins der neuen Staffel zeichnet sich ab, wem welche Rolle zugespielt werden wird.

Ganz ohne Castingrunde dürfen die „Top 25“ dann in Wiesbaden im Beisein ihrer Eltern (neu!) zum Glamour-Shooting antreten. Und da zeigt sich: diese Mädchen haben ihren Staffelvorgängerinnen wieder einiges voraus. Die 16- bis 23-Jährigen haben sieben Jahre Zeit gehabt, die Show zu studieren, die Kniffe zu erlernen und das Showkonzept zu durchschauen.

„Seit der ersten Staffel will ich bei GNTM mitmachen“, sagt etwa Christine aus Essen. Sie ist 16. Bei der ersten Staffel war sie neun Jahre alt. Und so weiß sie, wie sie vor der Kamera posen muss: Hohlkreuz machen, Schulter vor, Bauch rein, Brust raus.  Alles im Kinderzimmer geübt. „Wie schön sie die Kinder zurechtmachen“, sagt eine Mutter. Ein Papa steckt seiner Tochter noch schnell 200 Euro zu, als er hört, dass sie eine Runde weiterkommt – und es nach Dubai zur ersten Modenschau geht. Da soll es ja teuer sein.  Der Fotograf lässt die halbnackten Frauen in der Kälte posieren und sagt nach dem letzten Schuss: „Decke drüber“. Namen sind noch nicht so wichtig.

Und weil die Kandidatinnen wissen, wie es geht, sind nun auch die Regeln verschärft: 1,76 Meter ist die Mindestgröße, älter als 23 Jahre nicht gern gesehen. Und mager müssen sie sein. Die Spielregeln der internationalen Mode eben. In der die Sendung nie angekommen war. Auch rausfliegen können die „Mädchen“ nun jederzeit. Wer nicht „performt“, muss gehen. Dieses Vokabular ist umso schwerer zu verkraften, als der Großteil der Teilnehmerinnen noch nicht einmal Auto fahren darf.

In Dubai angekommen, werden die Mädchen reizüberflutet: Sie sind weit weg, lang geflogen, dann das teure Hotel. Am Telefon sagt ein Mädchen zu ihrer Mutter: „Das ist wie bei ,Sex and the City’. Ich schwör!“. Es folgt die erste obligatorische und gleichsam peinliche Modenschau: Die ersten Gehversuche auf dem Laufsteg, die dann doch an zu engen, hohen oder rutschigen Schuhen scheitern. Wie immer also.

Doch eines fehlt: Der penetrante Klum-Satz „Nur eine kann ‚Germany`s Next Topmodel’ werden“. Er fällt in der ersten Sendung nicht einmal.  Mal sehen, wie lange sie das durchhält. Denn es ist ja nun mal so: Nur eine kann Klum´s Topmodel werden. Jedes Jahr wieder.

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