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Fernsehen „Traumschiff“ gegen „Tatort“
Nachrichten Medien Fernsehen „Traumschiff“ gegen „Tatort“
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00:15 22.11.2013
Von Imre Grimm
Jung gegen Alt: Christian Ulmen und Nora Tschirner feiern am 2. Weihnachtstag ihren Einstand beim „Tatort“ – parallel zur letzten „Traumschiff“-Folge mit Siegfried Rauch. Quelle: ARD
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Hannover

Streit unter Geschwistern muss kein schlechtes Zeichen sein. Streit bedeutet immer auch: Man ist sich wenigstens nicht egal. In manchen Familien ist es schon ein positives Signal, wenn die Mitglieder überhaupt noch irgendwie kommunizieren. Mit Bauklötzchen werfen oder Puppenhaare abschneiden ist schließlich auch Kommunikation. Das Geschwisterverhältnis von ARD und ZDF allerdings ist seit jeher ein Fall für die „Super Nanny“: Man zankt sich, geniert sich, verzeiht und arrangiert sich gelegentlich, aber mit echter Liebe darf man das nicht verwechseln.

Gerade erst hat das ZDF zähneknirschend einem gemeinsamen Jugendkanal zugestimmt. Muffelnd einigte man sich dabei auf eine Reform der digitalen Tochterkanäle. Doch alle paar Monate kracht es im Gebälk, machen sich ARD und ZDF wieder ohne Not Konkurrenz, versuchen sich auszustechen oder den anderen schlecht aussehen zu lassen. Öffentlich-rechtliche Solidarität sieht anders aus.

Nun ist einer zwischen die Fronten geraten, den man getrost als altes Fernseh-Schlachtross bezeichnen darf, ohne ihn zu diskreditieren: Wolfgang Rademann, 78 Jahre alt, legendärer Berliner TV-Produzent, Erfinder der „Schwarzwaldklinik“ und „Pate“ des ZDF-„Traumschiffs“, beklagt in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur einen regelrechten „Programmkrieg“ zwischen ARD und ZDF. Ohne jede Notwendigkeit machten sich beide Sender mit ihren Programmplanungen gegenseitig das Leben schwer. „Allein zweimal bekomme ich es in direkter Konkurrenz in diesem Jahr noch mit dem ARD-,Tatort‘ zu tun“, sagte Rademann, der am Sonntag 79 Jahre alt wird, in Berlin. Es geht dabei um die letzte „Traumschiff“-Folge mit Siegfried Rauch als Kapitän Jakob Paulsen. Der geht am Donnerstag, 26. Dezember (2. Weihnachtstag) von Bord und übergibt den Job an Sascha Hehn – am gleichen Tag, an dem nebenan in der ARD Christian Ulmen und Nora Tschirner ihren voraussichtlich quotenstarken Einstand als „Tatort“-Kommissare geben.

Unter unnötigem Konkurrenzdruck sieht sich Rademann auch mit seinem aufwendigen ZDF-Zweiteiler „Engel der Gerechtigkeit“, in dem es – trotz des überambitionierten Titels – um eine durchaus ernsthafte und kitscharme Auseinandersetzung mit ärztlichen Kunstfehlern geht. Teil eins („Ärztepfusch“) läuft am kommenden Sonntag parallel zum neuen „Tatort“ mit Wotan Wilke Möhring und Petra Schmidt-Schaller. Teil zwei („Kopfgeld“) ist am 15. Dezember zu sehen – und muss gegen einen „Polizeiruf 110“ bestehen.

Seit Jahren platziert das ZDF am Sonntagabend parallel zum quotenmäßig kaum schlagbaren „Tatort“ wachsweiche Schmonzetten, in denen betrogene Gräfinnen auf Bergseen starren, während sich liebestolle Zahnärzte Kaschmirpullover locker um die Schultern werfen. Das ist nichts fürs Feuilleton, aber es war ein funktionierender Kontrapunkt zur Krimikost im Ersten. Tatsächlich stellt sich die Frage, warum der Sender Rademanns neue Unternehmungen im anspruchsvolleren Fach ebenfalls parallel zum „Tatort“ sendet, statt etwa am Montag – dem Traditionssendeplatz für tiefgründigeres Filmschaffen. Die Antwort: Der Sender will auch am Sonntag weg vom Blümchenimage, hin zu Filmen mit mehr Substanz. Ob die sich auf Dauer aber gegen den Publikumsmagneten „Tatort“ halten können, bezweifelt nicht nur Rademann.

Doppelte Silvestersendungen, Parallelübertragungen von Königshochzeiten, teure Filmproduktionen, die sich gegenseitig Zuschauer abluchsen – in Zeiten, in denen die Öffentlich-Rechtlichen unter stärkerem Legitimationsdruck stehen als je zuvor, sind derlei Konkurrenzspielchen schädlich fürs Image. Denn eine bessere Absprache zwischen ARD und ZDF bei der Programmplanung bedeutet am Ende eine sinnvollere Verwertung von fremdem Geld. Ob das nun „Rundfunkbeitrag“ heißt oder „GEZ-Gebühr“.

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