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Fernsehen Ferres im Drama „Mein eigen Fleisch und Blut“
Nachrichten Medien Fernsehen Ferres im Drama „Mein eigen Fleisch und Blut“
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18:26 22.04.2012
Mutter Franziska (Veronica Ferres) hängt sich voll rein, um ihrem Sohn Oliver (Kostja Ullmann) beizustehen, der endlich von den Drogen wegkommen will. Quelle: ZDF
Hannover

Verdrängt, aber nicht vergessen: Ein Vierteljahrhundert hat die 40-jährige Franziska – gespielt von Veronica Ferres – ein Geheimnis mit sich herumgetragen. Sie hat sich in ihre Arbeit bei einem Pharmakonzern gestürzt, sie hat sich von Erfolg zu Erfolg gekämpft. Alles nur, um nicht an diesen einen Tag zu denken, damals, als sie 15 war. Erst als ihr Lebensgefährte Robert (August Zirner) ihr seinen Kinderwunsch offenbart, bricht es aus ihr heraus: Franziska hat als Teenager einen kleinen Jungen zur Welt gebracht, ihn aber auf Druck ihrer Eltern zur Adoption freigegeben. „Seit es passiert ist, habe ich nie wieder mit irgendjemandem darüber geredet. Ich habe gedacht, es ist vorbei.“

Doch es ist nicht vorbei. Franziska nimmt eine Auszeit von ihrem Beruf und macht sich auf die Suche nach ihrem Sohn. Die Beziehung zu Robert zerbricht darüber, von ihrer Familie bekommt sie nur wenig Unterstützung. Und auch ihr damaliger Freund und Vater des Jungen will anfangs nichts mit ihr zu tun haben.

Franziska kämpft allein weiter und findet ihren Sohn schließlich – als Junkie in einer heruntergekommenen Hinterhauswohnung. „Ich hab mit 15 das erste Mal was probiert. Da habe ich endlich das Komische in mir nicht mehr gespürt“, sagt er. Es folgen: ein Entzug, Gewalt und viel zwischenmenschliches Drama. „Mein eigen Fleisch und Blut“ ist am Montagabend im ZDF zu sehen.

Wieder einmal gibt die Ferres eine hadernde Mutter, wieder spielt sie eine Frau im Kampf gegen den Rest der Welt. Doch dieser Film will eine Spur härter sein, eine Spur gnadenloser. „Der Film beschönigt nichts“, versichert Ferres. Intensiv habe sie sich zur Vorbereitung auf den Film mit der Thematik beschäftigt. Auch eine Fachärztin für Drogenentzug sei am Set gewesen. „Diese Eindrücke haben mir bei der Vorbereitung sehr geholfen, waren zugleich aber auch unglaublich belastend.“

Kostja Ullmann, der den drogensüchtigen Sohn Oliver spielt, hat sich auf seine ganz eigene Weise vorbereitet. „Heutzutage geht man einfach ins Internet und kann sich Videos von Leuten anschauen, die gerade einen Entzug machen. Oder andere, die zeigen, was die Droge aus einem macht. Die sind erschreckend detailliert, man kann Sachen davon übernehmen und in die Rolle einbauen.“ Ullmann brilliert in seiner Rolle. Der 27-Jährige spielt einen Drogensüchtigen, der einem Angst macht und zugleich Mitgefühl auslöst. Auch viele der anderen Darsteller – von denen einige bekannte Münchener Theatergesichter sind – überzeugen. Zudem versucht der Film unter anderem mit überraschend ausgewählter Musik – zum Beispiel von Country-Legende Johnny Cash – weitgehend kitschfrei zu bleiben.

Und trotzdem kann das sehr auf Veronica Ferres in der Hauptrolle zugeschriebene Drama nicht ganz überzeugen. Zu sehr wird Ferres erneut als Kämpferin und Wohltäterin inszeniert, zu glatt und schnell gelingt die Suche nach dem Adoptivsohn, zu sehr wirkt die Hauptdarstellerin den ganzen Film lang wie ein zufällig im Junkie-Milieu verlorener Fremdkörper. Maßlos übertrieben ihre Gefühlsausbrüche, etwa, wenn sie heulend auf einem Hausdach sitzt. Einzig Ullmann sorgt dafür, dass dieser etwas klapprige Film nicht gänzlich in sich zusammenfällt. Es wäre endlich einmal Zeit für die Ferres, sich an eine andere Figur zu wagen als die ewig kämpfende Mutter.

„Mein eigen Fleisch und Blut“ | ZDF
Drama mit Veronica Ferres
Montag, 20.15 Uhr

Christina Horsten

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