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"Kein erweitertes Youtube"

Jugendangebot von ARD und ZDF "Kein erweitertes Youtube"

Im Oktober 2016 soll das Jugendangebot von ARD und ZDF online gehen. Wie es aussehen wird, erklärt Programmgeschäftsführer Florian Hager im Interview.

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"Nachhaltige Reichweite, keine schnellen Clicks": Florian Hager über das neue Jugendangebot von ARD und ZDF.

Quelle: ARD/dpa

Hannover. Herr Hager, wenn der öffentlich-rechtliche Jugendkanal im Herbst 2016 auch die letzten jungen Zuschauer vom Fernseher ins Internet lotst – ist das dann nicht der endgültige Todesstoß fürs alte Leitmedium?
Auf keinen Fall! Als Teil beider Welten war und bin ich nie der Meinung, dass ein Medium das andere ablöst. Das Gemeinschaftserlebnis ganzer Familien, die zusammen Nachrichten, Sport, Shows oder Filme gucken, wird es auch weiter geben. Bis zum Vorjahr ist die Nutzung des Fernsehens altersübergreifend sogar gestiegen und hält sich nun auf konstant hohem Niveau. Nur weil der Internetkonsum der Zielgruppe 14 bis 29 rasant wächst, was sich ja bei mir fortsetzt, der mit Ende 30 auch nicht mehr strikt dem linearen Programm am großen Bildschirm folgt, heißt das noch lange nicht, dass es ausstirbt.

Aber könnte nicht genau das der Fall sein, wenn Ihr Jugendkanal die erste Generation, deren frühkindliche Medienprägung nicht vornehmlich vom alten Bildschirm stammt, weiter auf den Touchscreen lockt?

Zur Person: Florian Hager

Mit 39 Jahren zählt Florian Hager eigentlich nicht zur Zielgruppe des Jugendangebots von ARD und ZDF, das im Oktober 2016 online gehen soll. Andererseits kennt kein anderer Medienmacher mit Einfluss die Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen besser als er. Nach seinem Multimedia- und Medientechnikstudium in Stuttgart hat der Schwabe einige Digitalangebote der Öffentlich-Rechtlichen mitgestaltet, darunter auch ZDFkultur. Zuletzt war Hager Hauptabteilungsleiter Neue Medien und stellvertretender Programmdirektor bei Arte.

Diese Generation zurückzuholen, halte ich für utopisch. Deshalb ist es nicht unsere Aufgabe, sie ans klassische Fernsehen heranzuführen, sondern mit anspruchsvollen öffentlich-rechtlichen Angeboten auf den Plattformen zu versorgen, auf denen sie sich aufhalten.

Damit nehmen Sie der Generation Multimedia, die beim Fernsehen nebenbei am Second Screen surft und chattet, aber doch unwiederbringlich den First Screen.
Ich glaube zwar nicht an die langfristige, nachhaltige, substanzielle Interaktion zwischen den Endgeräten, aber Sie sprechen mir aus der Seele: Mein voriger Sender Arte zeigt ja, dass die umfangreiche Nutzung des gelungenen Netzauftrittes ohne das eine Prozent Marktanteil am Bildschirm unmöglich wäre. Aus reinen Erfolgsgesichtspunkten wäre ein TV-Kanal sicher zuträglich gewesen. Das Gute ist aber jetzt, dass wir gezwungen sind, uns ganz neu aufzustellen.

Aber schreibt der Staatsvertrag nicht explizit vor, dass öffentlich-rechtliche Netzinhalte einzig ergänzenden Charakter zum Fernsehprogramm haben dürfen?
In der Tat. Und da unsere Aufgabe in den vergangenen Monaten vor allem darin bestand, mit den politischen Gremien genau darüber zu verhandeln, können wir erst Ende nächsten Jahres starten. Andererseits haben die Ministerpräsidenten vor einem Jahr ja selbst darauf bestanden, dass der Jugendkanal nur online entsteht. Nach alter Rechtslage wäre das gar nicht möglich, weshalb der Staatsvertrag im Dezember mit einem Passus zum Jugendangebot verändert werden soll, was dann allerdings noch durch die Landesparlamente muss.

Das wäre der juristische Einfluss. Welchen inhaltlichen versucht die Politik zu nehmen?
Keinen, null, alles andere hielte ich auch für bedenklich. Wir haben unsererseits zugesichert, alle Genres abzubilden, also kein erweitertes Youtube mit Filmen in Dauerschleife zu sein, aber die Politik macht uns keine inhaltlichen Vorgaben.

Wie genau lautet dieser Auftrag, in den Sie stolze 45 Millionen Euro stecken dürfen?
Stolz klingt jetzt, als hätte ich die bar auf dem Tisch, um sie nach Gutdünken herauszublasen. Ich halte diese Summe nicht für überdimensioniert, aber wir werden damit sehr gut arbeiten können.

Mit welchem sichtbaren Ergebnis?
Umfassender, ständig verfügbarer, permanent wechselnder Content, den man über unsere eigene App, vor allem aber über die üblichen Plattformen der Zielgruppe – also Youtube, Facebook, Instagram, Snapchat oder auch Twitch oder Minecraft – auf dem Smartphone abrufen kann. Inhaltlich wollen wir dabei nicht nur Abspielstation, sondern Aktivierungsplattform sein, im eigenen Angebot aber auch fiktionale Kaufproduktionen, vor allem Serien-on-demand anbieten, die bislang auf der Negativliste stehen.

Klingt ein bisschen nach Netflix.
Nein, nein. Dafür fehlt uns schon das Budget. 

Um nicht als peinlich zu gelten, müssen Sie sich aber auch den Gepflogenheiten der "digital natives" anpassen – also eher Knalleffekte als Sachlichkeit?
Natürlich produzieren wir auch kurztaktigere, unterhaltsame Inhalte, aber eben auch längere, informative. Unser Ziel ist eine nachhaltige Reichweite, keine schnellen Clicks.

Interview: Jan Freitag

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