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Belesene Runde

„Literarisches Quartett“ Belesene Runde

Anders als das Original? Fragen und Antworten zur Neuauflage des „Literarischen Quartetts“ im ZDF.

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Das neu gemischte Quartett: Maxim Biller, Christine Westermann, Volker Weidermann und Gast Juli Zeh (von links).

Quelle: ZDF

Hannover. Etwa 1,07 Millionen Menschen wollten am Freitagabend die Neuauflage des „Literarischen Quartetts“ im ZDF sehen. Das Original, das von 1998 bis 2001 mit Marcel Reich-Ranicki, Hellmuth Karasek und Sigrid Löffler beziehungsweise später Iris Radisch ausgestrahlt wurde, pendelte sich im Durchschnitt lediglich bei 600.000 ein. Unter der Regie von „Spiegel“-Kritiker Volker Weidermann diskutierte das neue Quartett wie gehabt über vier Neuerscheinungen. Die nächste Ausgabe gibt es am 6. November.

Die größte Gemeinsamkeit mit dem Original?

In seiner Autobiografie „Mein Leben“ schreibt Reich-Ranicki über das „Literarische Quartett“: „In dieser Sendung dürfe es keinerlei Bild- oder Filmeinblendungen geben, keine Lieder oder Chansons, keine Szenen aus Romanen, keine Schriftsteller, die aus ihren Werken vorläsen oder, in einem Park spazierengehend, diese Werke gütig erklärten. Auf dem Bildschirm sollten ausschließlich jene vier Personen zu sehen sein, die sich über Bücher äußern und, wie zu erwarten, auch streiten würden.“ An dieses puristische Konzept haben sich die Erben gehalten. Keine eingeblendeten Twitter-Nachrichten, kein Tamtam. Die Dynamik zwischen den Diskutanten funktionierte auch so.

Die Rollenverteilung?

Der Schriftsteller Maxim Biller („Esra“) gab den Pöbeler, der seine Mitdiskutanten persönlich anging („Vielleicht verdrängen auch Sie etwas aus Ihrem persönlichen Leben, Frau Westermann?“) und mit seinen kategorischen Urteilen Reich-Ranicki nicht unähnlich war. Volker Weidermann („Ich war fest entschlossen, immer anderer Meinung als Maxim Biller zu sein“) und Gast Juli Zeh („Es tut mir leid, ich muss jetzt Herrn Biller zustimmen“) buhlten geradezu darum, sich mit ihm rhetorisch zu duellieren. Tatsächlich war es aber „Zimmer frei!“-Moderatorin Christine Westermann, die meist anderer Meinung war als die Mehrheit. Selbst, wenn sie genervt war, klang ihre Stimme sanft: „Der Protagonist trinkt in diesem Buch 18 Hektoliter Tee, und ich bin bei jeder einzelnen Tasse dabei!“. Weidermann bewies als Gastgeber ein Gespür für Witz und pointierte Zusammenfassungen („Das ist großartiger Wahnsinn!“).

Ein typischer Schlagabtausch?

Christine Westermann zitierte aus „Macht und Widerstand“ von Ilija Trojanow: „,In der Hölle geht die Saat der Menschlichkeit auf.’ Was für ein toller Satz.“ Maxim Biller: „Welch banaler Satz. In der Hölle geht schon mal gar nichts auf. Außerdem gibt es keine Hölle.“

Das schönste Bonmot?

Von Marcel Reich-Ranicki stammen zahlreiche Bonmots über das Wesen der Kritiker. Auch sein Nachfolger als Leiter des „Literarischen Quartetts“, Volker Weidermann, hatte einige Sprüche auf Lager. Einer lautete: „Unfairness ist Teil unseres Jobs.“

Die beste Einsicht?

Volker Weidermann zu Christine Westermann über Karl Ove Knausgards Werk „Träumen“: „Wenn es Sie nach 800 Seiten nicht gefesselt hat, dann ist das nichts für Sie.“

Der gewagteste Vergleich?

Maxim Biller verglich den Afrikaroman „Der dunkle Fluss“ von Chigozie Obioma lobpreisend mit der Qualität von Kafkas „Prozess“. Auch im Negativen stellte Biller drastische Vergleiche an: Die Lektüre von „Macht und Widerstand“ erschien ihm wie „Folter im Stasi-Knast, eine langweilige Qual“. Das lag auch daran, dass der Schriftsteller es sich nach eigener Aussage vorgenommen hatte, das Buch schlecht zu finden.

Das Fazit?

Zampano Weidermann fasste am Ende der Sendung das Für und Wider zusammen wie auf dem Fußballplatz. Knausgard gewann diese Partie mit 3:1.

Von Nina May

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