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20:16 15.07.2011
Von Imre Grimm
„Ich bin seit 30 Jahren der Gleiche“: Thomas Gottschalk kehrt in den Schoß der ARD-Familie zurück. Quelle: dpa
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Dorthin also, wo vor Jahrzehnten seine Karriere begann. Viermal in der Woche, montags bis donnerstags, will Gottschalk eine Art Late-Night-Show am Vorabend präsentieren. Start ist im Januar 2012.

In der 30-minütigen Sendung direkt vor der „Tagesschau“ will Gottschalk „Gäste aus den Bereichen Lifestyle, Entertainment und Kultur empfangen und das aktuelle Zeitgeschehen mit zugeschalteten Experten diskutieren“, wie die ARD mitteilte. Ein Studiopublikum werde es nicht geben. „Der Ernst des Lebens gehört in die ,Tagesschau‘“, sagte Gottschalk am Freitag. „Aber es gibt ja Gott sei Dank neben Politik, Seuchen und Finanzkrisen auch noch den ganz normalen täglichen Wahnsinn. Für den bin ich in Zukunft zuständig. Ich freue mich auf meine ,Tagesshow‘ und fühle mich dieser Herausforderung durchaus gewachsen.“

Was soll das werden? „Rudis Tagesshow“ reloaded – mit Gottschalk statt Rudi Carrell? Stefan Raabs „tv total“ fürs gereifte ARD-Publikum? Details will man in den kommenden Wochen bekannt geben. Nur so viel: Gottschalk entwickelt das neue Format derzeit mit dem WDR und der Produktionsfirma Grundy Light Entertainment („DSDS“, „X Factor“, „Das Supertalent“) in Los Angeles.

Wochenlang hatten das Erste und das ZDF um den 61-Jährigen gerungen, hatten ihm diverse rote Teppiche ausgerollt, hatten ihm größtmögliche Freiheiten versprochen. Das ZDF bot ihm nach dem Abschied von „Wetten, dass  ...?“ (im Herbst gibt’s noch drei Best-of-Shows) die Moderation mehrerer Livegalas sowie eine wöchentliche Late-Night-Show an – vergebens. „Gottschalk und das ZDF waren über Jahrzehnte eine erfolgreiche Symbiose“, sagte ZDF-Intendant Markus Schächter. „Wir hätten das gerne fortgesetzt. Leben bedeutet aber auch Veränderung. Ich wünsche ihm alles Glück und viel Erfolg.“ WDR-Intendantin Monika Piel, aktuelle ARD-Vorsitzende und wichtigste Strippenzieherin beim Gottschalk-Deal, feierte ihren neuen Star als „stilprägende Persönlichkeit der deutschen Fernsehunterhaltung“. Sie sei „froh, wenn er zu uns zurückkehrt“.

Eine tagesaktuelle One-Man-Show zwischen „Verbotene Liebe“ und „Börse im Ersten“? Es ist ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Mehrmals hat sich Gottschalk schon als launiger Kommentator des Tagesgeschehens versucht: Für „Gottschalk Late Night“ (RTL, 1992–1995) gab er eigens die Moderation von „Wetten, dass  ...?“ ab, um sich in Johnny-Carson-Manier an flockige Tages-Stand-up-Comedy zu wagen. Nach drei Jahren und einem peinlichen Auftritt von Republikaner-Chef Franz Schönhuber war Schluss. Seine SAT.1- Show „Gottschalk kommt“ (1996–1999) sowie der ZDF-Versuch „Gottschalk & Friends“ (2005) floppten ebenfalls. Dass er auf Publikum verzichten will, ist riskant: Gottschalk war immer am besten, wenn er spontan auf Menschen reagieren konnte. In seiner „Tagesshow“ sollen stattdessen – modern! Zukunft! – Twitter, Facebook und Skype den Kontakt zwischen Moderator und Publikum herstellen. Für die neue Show wird er seinen Hauptwohnsitz wohl von Malibu in sein 150 Jahre altes Schloss Marienfels in Remagen am Rhein verlegen – um den Ruf zu verwischen, der ihm seit Jahren anhängt: nicht informiert zu sein über das, was Deutschland so umtreibt. Abgeklemmt vom Tagesgeschehen, 9000 Kilometer entfernt von Deutschland, würde sich eine tägliche TV-Show kaum verwirklichen lassen, Internet hin oder her.

Wie viel Geld sich die ARD die prominente Personalie kosten lässt, wurde nicht bekannt. Gottschalk dürfte allerdings – da seine Show vor 20 Uhr läuft – mehr Werbeeinnahmen generieren. Piel soll intern von einer „kostenneutralen“ Lösung gesprochen haben. Damit sortiert sich allmählich der Umbau des quotenschwachen ARD-Vorabends: Die tägliche Sendezeit für „Verbotene Liebe“ wurde verdoppelt (18 bis 18.50 Uhr), ab Herbst sollen daran neue, regionale Krimiserien anschließen, und im Januar kommt Gottschalk dazu. Die Feinjustierung steht noch aus.

Seine Rückkehr erinnere „ein bisschen an meine Radioanfänge“, sagt Gottschalk selbst. Anfang der siebziger Jahre gab er – mit Günther Jauch – den Radioanarchisten beim Bayerischen Rundfunk, wechselte 1982 zum ZDF („Na sowas“), drehte zu Recht vergessene Kinofilme („Die Supernasen“ mit Mike Krüger) und wurde mit „Wetten, dass  ...?“ zu Deutschlands populärstem TV-Gesicht. „Ich bin so einfach zu begreifen“, hat er mal gesagt. „Ich bin seit 30 Jahren der Gleiche. Ich erzähl’ den gleichen Scheiß und mach’ die gleiche Sendung.“ Die Frage, ob „der gleiche Scheiß“ auch am Vorabend funktioniert, wird in gut fünf Monaten beantwortet.

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