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Fernsehen Grusel im Leichensaal: Neue Serie mit Michael Tsokos
Nachrichten Medien Fernsehen Grusel im Leichensaal: Neue Serie mit Michael Tsokos
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00:00 07.06.2017
Michael Tsokos ist „Dem Tod auf der Spur“. Quelle: obs
Berlin

Nein, dieses merkwürdige rosafarbene Objekt auf der Bahre vor Michael Tsokos ist kein menschlicher Körper. Es handelt sich vielmehr um ein Hologramm, das auf der Grundlage von Leichen erstellt wurde, die der wohl prominenteste Rechtsmediziner Deutschlands für seine neue Fernsehreihe „Dem Tod auf der Spur“ untersucht, die auf einem seiner Bestseller beruht. Die erste Folge strahlt Sat.1. am 7. Juni um 22.30 Uhr aus.

Hier kommen fünf Thesen zum Thema:

  • 1. Das Genre True Crime boomt nicht zuletzt wegen Michael Tsokos. Ob Romane oder Fernsehserien: Reale Verbrechen spielen mit dem Grusel und kitzeln die morbide Fantasie des Lesers oder Zuschauers. Sat.1 zeigt „Tatsache Mord? Auf der Spur des Verbrechens“, das ZDF die Reihe „Deep Undercover“, RTL Nitro „Real Detective“ und Netflix „How to make a murder“.
  • 2. Mit Verbrechen wird hier Quote gemacht. So setzt „Dem Tod auf der Spur“ auf Grusel-Accessoires wie das mit „Fuck life“ beschriebene Laken eines Häftlings, der im Gefängnis Selbstmord beging, oder Lederschuhe, in denen Reste eines männlichen Unterschenkelknochens stecken. Das lässt sich nur schwer mit dem Wissenschaftsanspruch von Michael Tsokos vereinen, den der Rechtsmediziner in Interviews immer wieder betont.
  • 3. Die Faszination der Menschen am Leichensaal ist keine neue Erfindung. So ließ sich schon der expressionistische Lyriker Gottfried Benn von seinen Erfahrungen als Mediziner inspirieren. Davon zeugt sein Gedichtband „Morgue“. In „Kleine Aster“ heißt es: „Ein ersoffener Bierfahrer wurde auf den Tisch gestemmt./Irgendeiner hatte ihm eine dunkelhellila Aster zwischen die Zähne geklemmt./Als ich von der Brust aus/unter der Haut/mit einem langen Messer/Zunge und Gaumen herausschnitt,/muß ich sie angestoßen haben, denn sie glitt/in das nebenliegende Gehirn./Ich packte sie ihm in die Brusthöhle/zwischen die Holzwolle,/als man zunähte./Trinke dich satt in deiner Vase!/Ruhe sanft,/kleine Aster!“ Die Perspektive wird hier verschoben: Das Mitleid gebührt nicht mehr dem gestorbenen Menschen, sondern der Aster.
  • 4. Menschen werden zugleich abgestoßen und angezogen von diesen Geschichten aus dem Zwischenreich zwischen hüben und drüben. Die ambivalente Reaktion lässt sich vergleichen mit dem Erfolg der „Körperwelten“-Ausstellung von Gunther von Hagens, die zugleich immer wieder in der Kritik stand.
  • 5. Wenn wir Tsokos und seinen Kollegen lauschen, werden wir an die eigene Sterblichkeit erinnert, aber gleichzeitig auch daran, dass wir noch leben. Das Memento Mori lässt das irdische Leben noch einmal so strahlend erscheinen.


Teaser zur Serie: https://www.sat1.de/tv/dem-tod-auf-der-spur-die-faelle-des-prof-tsokos/video/11-prof-tsokos-erklaert-formen-der-gewalteinwirkung-clip

Von Nina May/RND

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