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Fernsehen "Tatort" aus Hannover: Lohnt sich das Einschalten?
Nachrichten Medien Fernsehen "Tatort" aus Hannover: Lohnt sich das Einschalten?
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00:16 21.03.2016
Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz ermiteln künftig gemeinsam in NDR Tatort als Hauptkommissar Thorsten Falke und Kommissarin Julia Grosz. Quelle: Jens Koch/NDR
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Hannover

Wotan Wilke Möhring denkt beim "Tatort" in großen Dimensionen: Er wolle "unbedingt mal in einem UEFA-Champions-League-Finale ermitteln", sagte der Krimistar und Borussia-Dortmund-Fan kürzlich. In seinem siebten Fall als Bundespolizist Thorsten Falke ermittelt er am Sonntag nun erst mal am Flughafen Hannover – zum ersten Mal mit seiner neuen Kollegin Julia Grosz, gespielt von der Österreicherin Franziska Weisz (35). Ein Schleuser öffnet dort einem syrischen IS-Kämpfer, der einen Anschlag in Norddeutschland plant, die Tür – und gerät in einen Strudel der Gewalt. "Zorn Gottes" ist brandaktuell, bedrohlich und spannend bis zum Schluss.

"Wir werden euch auf offener Straße die Köpfe abschlagen", geifert Enis Günday (Cem-Ali Gültekin) in einem Video, das in Deutschland für eine Terrorwarnung in den Hauptnachrichten sorgt. Er ist der Kopf der "Braunschweiger Brigade", hat sich vor zwei Jahren nach Syrien abgesetzt und will jetzt den Kampf gegen den "imperialistischen Westen" in seine Heimat tragen. Flughafenmitarbeiter Rocky Kovac (Christoph Letkowsky) weiß nur, dass er einen Türken mit rotem Schal an der Kontrolle vorbeischleusen soll. Es kommt zu einer Verwechslung – ein unschuldiger Mann aus Istanbul stirbt. Und Rocky, der eigentlich nur Geld beschaffen will für eine glückliche Zukunft mit seiner schwangeren Freundin Laura (Claudia Eisinger), hat einen durchgeknallten Terroristen am Hals, den er im Keller gefangen hält.

Ein Team, das sich zusammenrauft

Wie einfach sind die Sicherheitsvorkehrungen an einem Flughafen auszuhebeln? Kommissar Falkes Mission am Airport ist ein sogenannter Realtest: Er versucht, eine Rasierklinge an den Kontrollen vorbeizuschleusen. Und wird auf der Flucht von Oberkommissarin Grosz (Weisz) rüde gestoppt. "Derber Schlag", keucht Falke und ist nachhaltig beeindruckt von der Kollegin, die kein Wort zu viel spricht und jede Form der Kontaktaufnahme des Hamburger Ermittlers im Keim erstickt. Trotzdem arbeiten sie auf der Jagd nach Mördern, Schleusern und Terroristen als Team, das sich zusammenrauft. Nach nur sechs Folgen hat sich Falkes Kollegin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) nämlich verabschiedet – die Halbwertszeit von Krimikommissaren nimmt ab. Auch Sebastian Schipper, der in den ersten Folgen als Jan Katz an der Seite von Wotan Wilke Möhring gespielt hatte, ließ nach seinem Regie-Erfolg mit "Victoria" die Krimi-Rolle sausen. Zuvor hatte Nina Kunzendorf im Frankfurter "Tatort"-Team hingeschmissen, im "Polizeiruf 110" aus Magdeburg hat Sylvester Groth nach fünf Filmen keine Lust mehr.

Wir drücken die Daumen, dass Thorsten Falke und Julia Grosz noch viele Fälle gemeinsam lösen: Die schweigsame Alphafrau hat eine Aura der Verletzlichkeit und trägt Narben aus einem Afghanistan-Einsatz. Milchtrinker Falke pendelt zwischen Schnodder-Schnauze und Dackelblick und ist auf der Suche nach Halt in seinem Vagabundenleben. In Hannover scheitert er mal wieder daran, Kontakt mit seinem Sohn aufzunehmen.

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Privatleben ist nur Nebenschauplatz

Doch das Privatleben der Ermittler ist in "Zorn Gottes" (der Arbeitstitel war übrigens noch fragwürdiger: "Himmelfahrt") nur ein Nebenkriegsschauplatz. In düsteren, kammerspielartigen Szenen zeigt Regisseur Özgür Yildirim, der bereits Falkes furiosen ersten Einsatz "Feuerteufel" inszeniert hat, wie Rocky Kovac und Enis Günday sich gegenseitig bedrohen, belauern – und schließlich diskutieren. Aber kann man den Beweggründen eines "Gotteskriegers" auf Rachefeldzug mit Argumenten begegnen? "Es gibt keinen Gott außer Allah", sagt der Terrorist. "Früher war dir nichts heilig", kontert der Schleuser – beide kennen sich aus Zeiten in konkurrierenden Gangs in Braunschweig.

In diese gut gemeinten Dialoge mischen sich auch Parolen und Plattitüden, natürlich ist Gündays Familie entsetzt über die Pläne des verlorenen Sohnes, natürlich glimmt kurz ein Funke der Hoffnung auf. Regisseur Yildirim ist um Ausgewogenheit bemüht, rutscht aber hin und wieder in die Klischeefalle – was der Spannung keinen Abbruch tut.

Denn der Film nimmt Fahrt auf und produziert eine Leichen-Quote, die Til Schweiger zwar nicht das Wasser reichen kann, "Tatort"-Fans aber durchaus verstören könnte. Gut, dass ein melancholischer Folksong den ruhigen Schlusspunkt setzt: "Nearer to you" vom hannoverschen Hit-Remixer Mousse T., der auch den Soundtrack des Films zusammengestellt hat.

Von Andrea Tatner

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