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Fernsehen Hart aber unfair: Kulturrat fordert Talkshowpause
Nachrichten Medien Fernsehen Hart aber unfair: Kulturrat fordert Talkshowpause
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17:05 08.06.2018
Der Islam-Talk bei Sandra Maischberger war Auslöser für die Kritik des Deutschen Kulturrates. Quelle: dpa
Berlin

Hamburg führt ein Fahrverbot für Diesel ein, Trump plant Strafzölle für deutsche Autobauer – und der Deutsche Kulturrat fordert eine Talkshowpause für ARD und ZDF. Das Verdikt des Rates finden viele ziemlich hart aber unfair. Alice Weidel muss sich jetzt also etwas Anderes suchen, dass sie verlassen kann. #Weidelleavingthings

Auslöser für die größte Krise seit dem Talkmaster-Ende von Dauer-Talker Günther Jauch war der Eklat in der ARD-Sendung „Maischberger“ am Mittwochabend nach dem Film „Unterwerfung“. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) war mit dem muslimischen Politiker Haluk Yildiz aneinandergeraten, als dieser ihr als Frau nicht die Hand reichen wollte. Kulturratsgeschäftsführer Olaf Zimmermann beschwerte sich jetzt darüber, dass in der Sendung „allen Ernstes schwerpunktmäßig über das Händeschütteln als einem vermeintlichen Ausdruck deutscher Kultur“ debattiert worden sei. Wenn es um die Deutungshoheit deutscher Kultur geht, horcht der Rat halt auf.

Zimmermann forderte ARD und ZDF auf, die Auszeit zu nutzen, um ihre Konzeptionen zu überarbeiten. Er stellte die Frage: „Wird die talkshowfreie Zeit der Integration in unserem Land nützlich sein?“ Eine Reaktion der Sender steht noch aus.

Ein Jahr Pause also nun wünscht sich der Kulturrat. Unklar ist, was während dieser Zeit geschehen soll: Gibt Maybrit Illner Volkshochschulkurse in „ethisch einwandfreier Rhetorik“, geht Markus Lanz zu „Let’s Dance“, um sich neue Moves für das Comeback nach 365 Tagen abzuschauen? Laufen auf den Sendeplätzen derweil Wiederholungen von Bärbel Schäfer und Andreas Türck?

Oder verschwindet gar die AfD wieder von der politischen Landkarte, die laut Zimmermann durch die Talkshows überhaupt erst bundestagsfähig geworden ist? Das wäre dann allerdings mehr als ein Vogelschiss in der erfolgreichen Geschichte deutscher Polittalks.

Man stelle sich die erste Sendung nach einem Jahr vor. Ein Comeback größer als das von ABBA: Anne Will zieht eine Augenbraue hoch. Markus Lanz findet das sensationell. Und Wolfgang Bosbach kehrt aus dem Ruhestand zurück. Nur die Zuschauer sind derweil zu Netflix gewechselt. Hart aber unfair.

Von Nina May/RND

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