Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Fernsehen "Tatort" setzt Heike Makatsch unter Druck
Nachrichten Medien Fernsehen "Tatort" setzt Heike Makatsch unter Druck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 29.09.2015
Die Schauspieler Holger Kunkel, Max Tommes, Christian Kuchenbuch und Heike Makatsch (v.l.) stellen eine "Tatort"-Szene nach. Quelle: Winfried Rothermel
Anzeige
Freiburg

Heike Makatsch hat rasch gelernt. Der Griff zu Pistole und Dienstmarke geht ihr routiniert von der Hand, Mord und Totschlag jagen ihr so schnell keinen Schrecken mehr ein. Es ist eine Premiere für die Schauspielerin: In Freiburg steht sie erstmals als „Tatort“-Kommissarin vor der Kamera. Geplant ist zunächst nur eine Folge. Doch Makatsch in Freiburg ist für den „Tatort“ ein Testspiel. Die Stadt im Südwesten will fester Standort der ARD-Krimireihe werden. Und Makatsch ist eine der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen. Gesendet wird ihr „Tatort“ zu Ostern.

Der Kabelbinder als Tatwaffe liegt neben der Leiche, Polizisten der Spurensicherung sind vor Ort, Makatsch als Hauptkommissarin Ellen Berlinger beugt sich über das Mordopfer. Eine tödliche Tat aus Rache, Eifersucht, Verzweiflung oder aus wirtschaftlichen Interessen?

„Alles ist denkbar“, sagt die Kommissarin. Und folgt ihrem Gespür. Ein leerstehender Baumarkt dient ihr bei den Dreharbeiten am Donnerstag als Kulisse. „Hier spricht der Preis“, steht draußen an dem heruntergekommenen und abrissreifen Gebäude. Drinnen findet die 44 Jahre alte Makatsch ihre Rolle als neuer „Tatort“-Star. In dem Abrissgebäude ist für sie ein Fernsehkommissariat aufgebaut worden, Makatsch leitet von hier aus die Ermittlungen.

Makatsch präsentiert sich von einer neuen Seite

Die Dreharbeiten in Freiburg dauern noch bis Mitte Oktober. Makatsch, die Hauptdarstellerin, empfindet sie als besondere Herausforderung. Und spürt eine große Erwartungshaltung. Die ARD-Krimireihe, die Sonntagabend Millionenquoten holt, stehe besonders stark im Fokus des öffentlichen Interesses – und mit ihr die beteiligten Schauspieler.

„Natürlich ist mir bewusst, dass viel Augenmerk auf einer neuen Kommissarin und ihrem ersten Fall liegt“, sagt Makatsch in einer Drehpause. Sie will zeigen, dass sie auch Krimi kann. Ungewohnt sei es dennoch: „Wir fangen alle an, polizeigängige Texte zu lernen. Das ist eine Herausforderung.“ Um fit für den neuen Job zu sein, hat sie bei der Freiburger Polizei ein Kurzzeitpraktikum absolviert – ein Blick in die Ausnüchterungszelle inklusive. „Schön ist sie nicht“, sagt die Schauspielerin.

Die Resonanz auf ihre Berufung sei stark gewesen, größer als bei früheren Rollen, sagt Makatsch. Die Frau, die ein zartes Image hat und bislang meist für Liebeskomödien und leichte Stoffe vor der Kamera stand, muss nun eine harte Rolle ausfüllen. „Es macht großen Spaß, mich auch mal von einer anderen Seite präsentieren zu können“, erklärt die 44-Jährige, die früher mit James-Bond-Darsteller Daniel Craig liiert war. Das Drehbuch und die Dreharbeiten passten, der „Tatort“ und die Stadt böten ihr neue Möglichkeiten. In der Rolle der Rolle der „Tatort“-Ermittlerin gibt sie eine „Einzelkämpferin“.

Freiburg-"Tatort" mit Makatsch als einmaliges Special geplant

Gedreht wird ein „Tatort“-Special. Der Arbeitstitel: „Fünf Minuten Himmel“. Ausgestrahlt werden soll die Folge am Ostermontag nächsten Jahres (28.3.2016). Kommt er beim Zuschauer gut an, könnten weitere Folgen entstehen, heißt es beim für die Sendung verantwortlichen Südwestrundfunk (SWR). „Wir hoffen alle, dass es eine Fortsetzung findet“, sagt Regisseurin Katrin Gebbe. „Die Rollen und Geschichten sind so angelegt, dass sie keine Eintagsfliege sein müssen.“

Hintergrund: Die ARD sendet in unregelmäßigen Abständen „Tatort“-Specials für das Programm an Feiertagen. Zuletzt waren es Nora Tschirner und Christian Ulmen, die mit einem Event-“Tatort“ in Weimar auf sich aufmerksam machten. Was als einmalige Sache geplant war, wurde zum Erfolgsmodell - und deshalb fortgesetzt. Diesen Sommer drehte das ungewöhnliche „Tatort“-Duo bereits seinen dritten Fall. Gezeigt werden soll er, wie der Makatsch-Film, im nächsten Jahr.

SWR sucht Nachfolger für Eva Mattes

Freiburg hofft, mit Makatsch zum festen „Tatort“-Standort zu werden. Die südlichste Großstadt Deutschlands, die im Fernsehen meist mit ihrer Idylle punktet, präsentiert nun auch ihre dunkle Seite. Gedreht wird in Abbruchhäusern und an sozialen Brennpunkten. An der Seite von Makatsch steht Max Thommes. Er spielt einen Kommissar im Rollstuhl. Holger Kunkel, der seit drei Jahren in Freiburg lebt, verkörpert den Dezernatsleiter, Christian Kuchenbuch den Spurensicherer.

Zur regulären „Tatort“-Ermittlerin wird Makatsch zunächst nicht werden, erklärt SWR-Fernsehfilmchefin Martina Zöllner. Der Sender fahndet nach einem Nachfolger für die Ermittlerin vom Bodensee. Die dortige „Tatort“-Kommissarin Eva Mattes hört 2016 auf.

Auf ein Ermittlerteam hoffen zahlreiche Städte im Südwesten, doch Freiburg muss sich vorerst mit Specials begnügen. „Mit dem Nachfolger des „Tatorts“ vom Bodensee hat das, was wir hier in Freiburg derzeit machen, nichts zu tun“, sagt Zöllner. Es gebe ein Konzept, doch verraten könne sie noch nichts. Endgültig entschieden, wo der neue „Tatort“ spiele und wer Ermittler sei, werde in den nächsten Wochen.

Von Jürgen Ruf

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vier Ermittler, zwei Städte, ein Fall: Der „Polizeiruf“ wird zur Geschichtsstunde - und kommt in einer Doppelfolge daher. Diese entwirft weniger ein Zeitbild der frühen Neunzigerjahre, sondern versucht eher, die Folgen damaliger Mauscheleien auszuleuchten. Eine TV-Kritik zum "Polizeiruf-Experiment".

30.09.2015

Wie haben Frauen in den 50er-Jahren gelebt? Das ZDF geht mit seinem neuen Dreiteiler "Ku'damm 56" auf eine Zeitreise in die Ära des bundesdeutschen Wirtschaftswunders – und lässt in Berlin die Oldtimer rollen.

25.09.2015
Fernsehen "Das Proletarische steckt in mir" - Jürgen Vogel über seine neue Serie "Blochin"

Kriminalreihen im Deutschen Fernsehen gibt es wahrlich genug. Jetzt kommt noch eine – aber die hat es in sich. "Blochin – Die Lebenden und die Toten" mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle startet am Freitag im ZDF. Ein Interview über Antihelden und Sympathieträger.

26.09.2015
Anzeige