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Heiner Bremer verabschiedet sich vom Fernsehen

Letzte Ausgabe "Duell bei n-tv" Heiner Bremer verabschiedet sich vom Fernsehen

Am Montag moderiert Nachrichten-Urgestein Heiner Bremer zum letzten mal das "Duell bei n-tv". Wie schwer dem 74-Jährigen der Fernseh-Abschied fällt, erzählt er im Interview.

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Nachrichten-Urgestein Heiner Bremer moderiert am Montag die letzte Ausgabe von "Duell bei n-tv".

Quelle: Karlheinz Schindler

Hannover. Herr Bremer, wenige Wochen vor Ihrem 75. Geburtstag verlassen Sie das Fernsehen. Ist Ihnen die Entscheidung schwergefallen?
Selbstverständlich. Sie ist auch erst nach langem Denkprozess zustande gekommen. Zuerst hatte ich die Idee, nach der Bundestagswahl 2013 aufzuhören, davon haben mich Gutmeinende aber abgebracht. Also habe ich den runden Geburtstag dieses Jahr als Anlass für meine Entscheidung genommen, künftig kürzerzutreten.

Dem Fernsehpublikum wurden Sie mit der Nachrichtensendung "Nachtjournal" auf RTL bekannt, in dieser Zeit hat Stefan Raab Sie mit einem "Raabigramm" bedacht: "Heiner geht noch ein", sang er. Haben Sie ihm den Spott verziehen?   
Das habe ich ihm damals schon verziehen, wir haben danach ein sehr gutes Verhältnis gehabt. Wenn man im Fernsehen tätig ist, muss man damit leben, dass andere einen persiflieren und Spott verbreiten. Ich habe mir da ein dickes Fell zugelegt.

Vor Ihrer TV-Karriere waren Sie schreibender Journalist. Wieso sind Sie hinübergewechselt?
Ich fand es einfach spannend, nach so vielen Jahren Print das andere Medium kennenzulernen. Als mich damals der RTL-Chef Helmut Thoma fragte, ob ich nicht Lust hätte, für RTL ein Nachrichtenmagazin um Mitternacht zu entwickeln und dann auch selbst vorzutragen, hat mich das gereizt. Ich wollte beweisen, dass man auch bei RTL ein gutes, informatives und ernsthaftes Nachrichtenmagazin machen kann, das von "Tagesthemen" und "heute-journal" dann ja auch prompt als Konkurrenz gesehen wurde.

Zuletzt haben Sie bei n-tv jahrelang den Polittalk "Das Duell" moderiert. Wie haben sich Polittalkshows in dieser Zeit verändert?
Die Polittalkshows sind nur begrenzt vergleichbar. "Das Duell" ist ein Streitgespräch, wo jeder Gast schnell auf den anderen eingehen muss, da werden Themen eher vertieft. Bei den Paneldiskussionen dagegen, bei denen vier, fünf oder sechs Gäste zusammen sind, ist es ganz schwierig, einen Gedankengang zu vertiefen und möglicherweise zu widerlegen. Das hat sich zum Beispiel oft gezeigt, wenn ein Vertreter der AfD zu Gast war. Da kommt nicht wirklich eine Debatte zustande, bei der auch der AfD-Mann mal zugeben muss, dass er sich irrt, sondern er macht seine Propaganda und dreht sich dann im Grunde desinteressiert ab.

Steht der Journalismus aktuell zu Recht so in der Kritik?
Kommt darauf an, von wem die Kritik kommt. Der rechtspopulistische Vorwurf der Lügenpresse ist natürlich Blödsinn. Kritisieren kann man aber, dass zu stark nach dem Mainstream geguckt wird. Der Mut, gegen den Strom zu schwimmen, auch mal Meinungen zu äußern, die nicht schon von den meisten mitgetragen werden, ist in den Medien zurückgegangen. Es gibt seit der Flüchtlingsproblematik ja eine begrüßenswerte Repolitisierung, aber ich glaube, dass die Zuschauer durchaus auch solche Meinungen hören wollen, die Reibung erzielen.

Stichwort Journalismus in der Kritik: Sie haben zur Zeit des Skandals um die gefälschten Hitler-Tagebücher für den "Stern" gearbeitet. Wie erlebten Sie das?
Ich arbeitete damals als Politikchef des "Stern", war in diese Sache aber nicht involviert. Ich war bestürzt und auch empört über das, was da im stillen Kämmerlein zusammengebraten worden war – unter Ausschluss der Gesamtredaktion.

Einige Jahre später wurden Sie Chefredakteur des Blattes …
Einer von dreien. Ob eine Dreierlösung wirklich sinnvoll ist, darüber lässt sich streiten. Aber ich glaube, wir haben das einschließlich der Barschel-Geschichte ganz gut gemanagt.

Dann haben Sie es nie bereut, dass die Zeitschrift unter Ihrer Ägide das Foto des toten Uwe Barschel veröffentlicht hat?
Nein, ehrlicherweise nicht. Ich weiß zwar, dass darüber gestritten worden ist, und ich musste mich dafür auch in Fernsehdiskussionen öffentlich rechtfertigen. Aber ich war immer der Meinung, wenn ein so exorbitanter Vorgang passiert und man hat ein authentisches Foto, dann muss man es auch zeigen und nicht nur beschreiben. Nichts ist überzeugender als das Authentische.

Wollen Sie wirklich ganz in den Ruhestand, nachdem Sie so viele Meilensteine der Mediengeschichte miterlebt haben?
Meine Grundentscheidung ist es kürzerzutreten. Ausgefeilte Zukunftspläne habe ich nicht. Aber ich bleibe ein politischer Journalist, vielleicht überlege ich mir ja noch einige Dinge.

Interview: Cornelia Wystrichowski

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