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ZDF wagt sich an Sexshow

Tipps von Therapeutin ZDF wagt sich an Sexshow

Heute Abend um 22.15 Uhr startet im ZDF eine für das Zweite eher ungewöhnliche Sendung: "Make Love" ist ein Sexratgeber. Therapeutin Ann-Marlene Henning berät Paare auf dem Weg zum erfüllten Geschlechtsverkehr. Die Phantasie des Bild-Chefredakteurs Kai Diekmann scheint schon im Vorfeld angeregt.

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Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning (l.) bei einem Paar am Bett: Die Zweierszenen wurden nicht mit Pornodarstellern gedreht, betont das ZDF.

Quelle: ZDF / Julia Kampe

Hannover. Stammzuschauer der ZDF-Reportagereihe „37 Grad“ werden womöglich ein kleines Schockerlebnis haben: Wo das Zweite sonst über Geschwister von Behinderten berichtet oder Väter nach jahrelanger Trennung beim Wiedersehen mit ihren Kindern begleitet, lernt man heute Abend, wie man die weibliche Prostata stimuliert. Trotzdem ist das Aufklärungsmagazin „Make Love“ kein Ratgeber, der Paaren mehr Spaß beim Sex bescheren soll – zumindest nicht nur.

In erster Linie will Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning die Zuschauer dazu bringen, sich über ihre Bedürfnisse auszutauschen, denn im Beziehungsschweigen sieht sie den Hauptgrund dafür, dass viele Paare Probleme mit ihrem Liebesleben haben.

Fritz und Daniela: Er will nicht den "Superliebhaber abliefern"

Bei Daniela und Fritz, dem bayerischen Paar aus der ersten von zwei neuen Folgen der Reihe, geht es zwar vordergründig um sexuelle Unzufriedenheit, doch tatsächlich haben die beiden ein Kommunikationsproblem: Sie möchte körperliche Nähe spüren, er glaubt, nach einem harten Arbeitstag auch noch eine Nummer als „Superliebhaber“ abliefern zu müssen, obwohl er lieber seine Ruhe hätte.

Deshalb die ausführlich in Wort und Werk vorgestellte Prostatastimulation auch etwas unvermittelt. Spätestens jetzt könnte es manchem ZDF-Zuschauer etwas unbehaglich werden. Bis zu diesem Zeitpunkt sind die eingespielten Aufnahmen eines Paars, das sich körperlichen Freuden hingibt, harmlos: Sie zeigen nichts, was es nicht auch hin und wieder im Fernsehfilm zu sehen gibt. Aber ab diesem Punkt ist die dargestellte Sexualität doch weitaus intimerer Natur.

Der MDR wollte die Reihe nicht fortsetzen

Angeblich waren Szenen wie diese auch der Grund, warum der vermeintlich konservative MDR die vor zwei Jahren gemeinsam mit dem SWR produzierte Reihe nicht fortsetzen wollte. In einem Interview hat Henning jedoch erklärt, der Sender sei im Gegenteil „in dieser Hinsicht sehr fortschrittlich“. Der wahre Grund für den Wechsel zum ZDF seien die Kosten gewesen. Dabei sieht „Make Love“ gar nicht so teuer aus.

Die Diskussion über das neue ZDF-Format in den sozialen Netzwerken befeuerte am Dienstagmittag Bild-Chefredakteur Kai Diekmann. Er zeigte sich bei Twitter amüsiert über den sexuellen Aufklärungskurs der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt.

Die Diskussion über die Sex-Doku kocht mittlerweile unter dem Hashtag "makelove" bei Twitter & Co. hoch. Die Mainzer ZDF-Redakteure wiederum konterten Diekmanns Post ausgesprochen schlagfertig.

Laut Therapeutin Ann-Marlene Henning werde das Magazin mit hochwertigen und entsprechend kostspieligen Kameras gedreht; außerdem benötige man mehr Drehtage als bei vergleichbaren Dokumentationen, weil sie ihre Protagonisten bis zum therapeutischen Ziel begleite. Für gewisse Verzögerungen hat wohl auch die Tatsache gesorgt, dass bei den eingespielten Zweierszenen, wie die Sexologin versichert, ausdrücklich keine Pornodarsteller zum Einsatz gekommen seien.

Verblüffend ist Hennings Idee, sich in den Umkleideraum eines männlichen Fußballteams zu setzen und mit echten Kerlen über deren sexuellen Vorlieben zu sprechen. Die Körpersprache der Männer ist zwar alles andere als entspannt, aber sie äußern sich erstaunlich offen. Den zweiten Teil der Doku zeigt das ZDF am nächsten Dienstag.

Von Tilmann P. Gangloff und Christoph Stephan

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