Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Fernsehen In „Stilles Tal“ streiten ein Ossi und ein Wessi um einen Bauernhof
Nachrichten Medien Fernsehen In „Stilles Tal“ streiten ein Ossi und ein Wessi um einen Bauernhof
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:28 06.09.2011
Thomas Stille (Wolfgang Stumph, links) und Konrad Huberty (Robert Atzorn) treiben im Hochwasser auf dem, was von ihrem Haus noch übrig ist, und kämpfen ums nackte Überleben. Quelle: ARD

Die Geschichte ist nicht neu, aber sie erhitzt immer wieder die Gemüter: Ein Westdeutscher besinnt sich auf seinen alten Familienbesitz in den neuen Bundesländern und fordert diesen – auch noch Jahre nach dem Mauerfall – zurück. Ein Ostdeutscher wiederum will das Haus, in dem er seit Jahrzehnten lebt und das er für sein Eigentum hält, nicht räumen. Für geeigneten Filmstoff hielt das die ARD: Eine ähnliche Geschichte erzählt nämlich der Fernsehfilm „Stilles Tal“, der am Mittwochabend um 20.15 Uhr im Ersten läuft.

In diesem Fall heißen die Kontrahenten Thomas Stille und Konrad Huberty. Stille, gespielt von Wolfgang Stumph, betreibt ein Ausflugslokal im malerischen Tal des sächsischen Flüsschens Müglitz. 20 Jahre „Knochenarbeit“ stecken in „Stilles Tal“, so der Name des Restaurants, das einmal die Ruine eines Bauernhofes war. Just an dem Tag, an dem Stille in der frisch renovierten Gaststube Wiedereröffnung feiert, steht der Alteigentümer und hessische Hotelier Huberty (Robert Atzorn) mit seiner Frau Anna (Victoria Trauttmansdorff) vor der Tür – bereit, aus dem Hof seines Vaters ein „kleines, gemütliches Familienhotel“ zu machen.

Ossi und Wessi kennen oder vielmehr hassen sich. Mehr als zehn Jahre lang haben sie vor Gericht gestritten, in allerletzter Instanz bekam Huberty recht. Stille will das nicht wahrhaben, „Recht ist nicht gleich Gerechtigkeit“, und verbarrikadiert sich mit Frau Barbara (Ulrike Krumbiegel) und hochschwangerer Tochter Dixie (Sarah Alles) im „Stillen Tal“. Der Krieg ist eröffnet, und es geht längst nicht mehr nur um Haus und Hof, sondern um Ideologien: „Wer ist denn damals bei Nacht und Nebel einfach so abjehauen?“, sächselt Stumph lautstark, und Atzorn brüllt zurück: „Mein Vater hatte keine Lust, nach den Nazis auch noch die Kommunisten aufzuhalten, mit denen Sie sich ja scheinbar bestens verstanden haben.“

Während sich die Streitenden verbal duellieren, entwickelt sich parallel ein weiteres Drama. Es regnet in Sachsen, und zwar ununterbrochen. „Vollgelaufene Keller, unterspülte Straßen, überschwemmte Felder“, kündigt ein Rundfunksender die Naturkatastrophe an, die bald auch das „Stille Tal“ von der Außenwelt abschließen wird. Mitten im Jahrhunderthochwasser, zwischen Panik und Chaos, bekommt nicht nur Tochter Dixie ihr Baby, nein, auch die streitenden Parteien ziehen plötzlich an einem Strang.

Regisseur Marcus O. Rosenmüller schafft es, mit einem schwierigen Thema gekonnt zu unterhalten. Allerdings hätte man dem Film mehr Tiefgang gewünscht. Der deutsch-deutsche Einigungsvertrag aus dem Jahre 1990, auf dem die Geschichte beruht, fällt nur in einem Nebensatz. Unnötigerweise driftet Rosenmüller außerdem gelegentlich in Klischees ab, etwa bei Sätzen wie „Die von drüben, die denken, mit uns können sie es ja machen“. Geglückt ist jedoch die Besetzung: Stumph überzeugt als verbitterter Ost-Wirt, während Atzorn gekonnt den arroganten Parade-Wessi mimt, der gern auch den Moralapostel spielt: „Was man nicht vergisst, geht auch nicht verloren“, gibt er am Ende altersweise von sich.

Sophie Hilgenstock

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Gegenteil von Wiesenhof: Ihre „kulinarischen Abenteuer“ bei arte führen die in Berlin lebende Sarah Wiener dieses Mal in ihre Heimat Österreich.

Christiane Eickmann 04.09.2011

Ausnahmsweise sind sich da mal alle Fernsehmacher einig: Der 11. September 2001 hat die Welt verändert. Wer das bis heute nicht verstanden hat, dem versuchen es die Sender in den kommenden Tagen mit Macht einzubläuen.

02.09.2011
Fernsehen Gefeuerter MDR-Unterhaltungschef - Skandal beim Schunkelfernsehen

Die Affäre um seinen geschassten Unterhaltungschef Udo Foht trifft den MDR zur Unzeit: In Kürze wird ein neuer Intendant gewählt. Am Mittwoch lautete die Frage aber erst einmal: Was wusste der alte?

Imre Grimm 31.08.2011