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Fernsehen James Corden – Der Chauffeur der Weltstars
Nachrichten Medien Fernsehen James Corden – Der Chauffeur der Weltstars
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18:58 30.05.2016
Er fährt die echten VIPs durch L.A.: James Cordens' Carpool-Karaoke zieht im Netz ein Millionenpublikum. Hier ist er mit Gwen Stefani (vorne), George Clooney und Julia Roberts (hinten) unterwegs. Quelle: Youtube
Los Angeles

Behaarter Doppelkinn-Ansatz, gepflegter Feierabendbauch und leichter SilberblickJames Corden, ein Durchschnittstyp mit maximal durchschnittlichem Gesangstalent, entspricht so herrlich überhaupt nicht den gängigen Klischees eines TV-Revoluzzers. Genau dieses wunderbar Normale hievt den Briten aber in die Rolle des Hoffnungsträgers für die schwächelnden US-Late-Night-Shows, denen mehr und mehr das Publikum wegrennt.

Cordens "Carpool Karaoke" geht im Internet ab wie Bolle: Der Gastgeber kutschiert Weltstars von Adele bis Stevie Wonder durch den zäh fließenden Verkehr der Stadt, sie erzählen Anekdoten, vor allem singen sie mit ihm ihre größten Hits – ohne viel Tamtam, nicht immer textsicher und garantiert nicht immer gerade bei den Tönen. Jetzt mal ehrlich: Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor?

"This is so much fun!" ("Das macht so einen Spaß") – ein Satz, den der Gastgeber mit dem friedlich-ehrlichen Lächeln inflationär gebraucht, wenn die Beifahrertür aufgeht und ein neuer Gast in den mit Kameras ausgestatteten SUV steigt. Justin Bieber hat’s getan, Jennifer Lopez gab Corden sogar ihr Privathandy, um Leonardo DiCaprio eine SMS zu senden, George Clooney saß mit Schweißrändern unter den Armen gemeinsam mit Julia Roberts im Fond, während Gwen Stefani vorne witzelte. Stevie Wonder besprach die Mailbox von Corden, Jennifer Hudson bestellte im Fast-Food-Restaurant einen Cheeseburger. Die Klickzahlen lösen regelrechte Schwindelanfälle aus.

107 Millionen Mal wollten die Fans alleine den 15-Minuten-Clip mit Superstar Adele bei Youtube sehen. Sie, schwarz gekleidet, Schal, Teebecher in der Hand. Er im dunklen Hemd, leicht genervt, weil sie zu spät dran ist. Eine Situation, wie sie schon jeder erlebt hat – wenn man sich mal Adele wegdenkt. Eine Situation so gewöhnlich wie Gastgeber James Corden selbst. Die beiden fahren durch London, machen Witze, singen, Höhepunkt ist eine Rap-Einlage der Balladenqueen. Eine Seite, die bisher niemand von Adele kannte und die sie wohl auch woanders so niemals gezeigt hätte.

"Es gibt eine junge Moderatorenriege, die sich selber unglaublich lustig findet und ihr Publikum teilweise nicht ernst nimmt. Für mich geht das so nicht."

Guido Cantz

Corden versteht es wie kaum ein anderer Talker, das Internet für sich zu nutzen. Seine Clips sind der verlängerte Arm zu einer neuen Zuschauergruppe. Spätabends, wenn er mit seiner "Late Late Show" den klassischen Gastgeber im schwarzen Anzug und Krawatte gibt, gegen die starke Konkurrenz von Jimmy Fallon oder Stephan Colbert antritt, erreicht der sympathische Brite längst nicht so eine globale Reichweite. Dank Youtube kennt ihn jedoch die ganze Welt. "Es ist etwas Besonderes, die Stars dort singen zu hören, wo es normale Menschen auch tun", beschreibt er selbst sein Format, mit mehreren Hundert Millionen Klicks eines der erfolgreichsten Online-Produktionen überhaupt.

Von dem Konzept des 37-Jährigen sind auch deutsche Moderatoren begeistert. "Er ist sehr natürlich, authentisch und deswegen auch lustig", sagt Guido Cantz, Gastgeber der ARD-Samstagabendshow "Verstehen Sie Spaß?", der ein ähnliches  Format auch gerne in Deutschland sehen würde. Das Problem: "Ich fürchte, das könnte an der geringeren Dichte der Stars scheitern." Und wohl auch am Mut. "Die Amerikaner trauen sich mehr. Sie wissen, was das Showgeschäft bedeutet und wie Unterhaltung funktioniert", sagt der 44-Jährige.

Dem Zuschauer auf Augenhöhe begegnen

Cantz erreicht mit dem Online-Kanal von "Verstehen Sie Spaß" Spitzenwerte. 257 Millionen Aufrufe in sechs Jahren – das haben nicht viele in Deutschland. Sein Erfolgsgeheimnis: dem Zuschauer auf Augenhöhe begegnen. So, wie es Corden auch tut. "Es gibt eine junge Moderatorenriege, die sich selber unglaublich lustig findet und ihr Publikum teilweise nicht ernst nimmt. Für mich geht das so nicht", sagt Cantz mit Seitenhieb auf die Satire-Diskussion um Jan Böhmermann und sein Erdogan-Gedicht. Die ganze Affäre habe ihn genervt. "Es reicht nicht, Leute zu beleidigen. Das muss witzig sein, eloquent und intelligent."

Diese Eigenschaften gepaart mit dem richtigen Format, die einen übergewichtigen, schlecht rasierten Schauspieler zum Revoluzzer machen. Herrlich genial, genial einfach.

Von Carsten Bergmann

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