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Interview mit Joko und Klaas Mainstream, Quoten, Halligalli

Sie verlangen sich gegenseitig Mut und manchmal auch die Würde ab, treiben einander quer über den Planeten und gelten doch als so unzertrennlich wie "Marianne und Michael". Joko und Klaas über ihre Reisen, das Erwachsenwerden - und Nostalgie zu alten TV-Formaten.

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Joko Winterscheidt (l) und Klaas Heufer-Umlauf posieren bei einem Fototermin zur Fernsehshow "Joko gegen Klaas - Das Duell um die Welt".

Quelle: dpa

Berlin. Die Kaffeeküche neben dem Aufnahmestudio von "Circus Halligalli" in Berlin ist nicht gerade einladend, trotzdem ist der Empfang herzlich. "Hallo!", sagt Joko Winterscheidt fröhlich, "Moin!" ruft Klaas Heufer-Umlauf. Kurz bevor die Gäste ihrer wöchentlichen Show hereingelassen werden, hat das Duo Zeit, um im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa über die nächste Episode "Joko gegen Klaas - Das Duell um die Welt" zu plaudern. Sie berichten von paradiesischen Stränden, heftigen Aufgaben, das Erwachsenwerden - und werden eine Lobeshymne auf alte TV-Shows und verstorbene Kabarettisten los.

Viele junge Menschen beneiden euch: Für das "Duell um die Welt" reist ihr quer über den Planeten. Erfüllt ihr euch mit dieser Weltreise einen Traum?
Klaas: Da ist ein Haken an der Geschichte. Die Reisen sind kurz, kompakt und heftig. Wir haben nicht drei Monate Zeit wie jemand mit einem Around-the-World-Ticket. Wir sind vier Wochen unterwegs, in den meisten Ländern nur zwei bis drei Tage. Das ist eine sehr spezielle Art der Weltreise. Das ist oft wie im Appstore: Du darfst nur eine Gratisversion des Landes antesten, danach ist Schluss.
Joko: Ich war unter anderem in Brasilien. Da denkst du dir: Geil, Copacabana, bisschen Karneval. Der Anlass war aber gar nicht so schön. Ich sollte eine Substanz namens Ayahuasca zu mir nehmen, die bewusstseinserweiternd ist.
Klaas: Baumrinden-LSD!

Verderben Euch die Aufgaben die Reisestimmung?
Klaas: In der Südsee war ich an dem schönsten Strand, den ich jemals gesehen habe - aber a) verkleidet als Frodo und b) nur für 20 Minuten, weil wir dann weitermussten.
Joko: In dem Moment, in dem du hörst, was du machen sollst, schnürt es dir die Kehle zu. Du kriegst Bauchschmerzen, hast keinen Bock mehr und willst nach Hause. Du hoffst dann, dass aus irgendeinem Grund einer anruft und das Ganze abgesagt wird.
Klaas: Das ist so wie in die Schule zu fahren, auf den Vertretungsplan zu schauen und zu hoffen, dass irgendetwas ausfällt.

Werden eure Aufgaben immer härter?
Klaas: Nein. Im Vergleich zum letzten Jahr haben wir an der Skala nicht weiter nach oben gedreht. Abenteuer funktionieren nicht ohne einen gewissen Einsatz. Der fordert einem vielleicht Schmerz ab, vielleicht auch die Würde. Das gehört aber dazu.

Joko, du bist fast fünf Jahre älter als Klaas. Spürst du das in den Spielen?
Joko: Bei meinem Körper ist nicht mehr so viel rauszuholen wie aus seinem jungen Körper. Klar, es ärgert mich wie Sau, auch wenn es bei diesem Titel um die belangloseste Meisterschaft der Welt geht.
Klaas lacht: Joko geht mit einem Handicap - seinem Körper - in die Studiospiele. Sein Körper wird zerstört auf dieser Reise. Er verletzt sich Dinge, von denen ich noch nie was gehört habe, zuletzt das sogenannte Schulterdach (tippt Joko auf die Schulter). Ich lief einmal über diese Südseeinsel und versuchte, ein Handynetz zu finden - nur um dann lauter SMS zu bekommen, was sich Joko schon wieder alles verletzt hat.

In der aktuellen Episode sagt Klaas: "Joko, die Fernsehnation kennt dich ja eher als zarten, hübschen Knaben denn als Mann." Wann sollte ein Mann eurer Meinung nach erwachsen werden?
Joko: Ich freue mich jedes Mal, wenn ich vor der Playstation sitze und denke: Geil, das ist immer noch genauso wie mit 14. Das klassische Erwachsenwerden, das man an einem Alter festmacht, das ist jedem selbst überlassen. Ich würde mich schon als erwachsen bezeichnen, aber das heißt nicht, dass man daraus Schlüsse auf mein Verhalten ziehen könnte.
Klaas: Das ist immer situationsabhängig. Erwachsenwerden heißt teils ja auch, Verantwortung zu übernehmen und das Leben so gestalten zu können, dass man selbst und die Menschen im direkten Umfeld zufrieden sind. In dieser Hinsicht bin ich erwachsen. Wenn Erwachsensein gleichgesetzt wird mit alt, dick und langweilig, dann werde ich hoffentlich nie erwachsen sein.
Joko: Am Ende des Tages ist es nicht wichtig, ob man erwachsen ist, sondern was man aus seinem Leben macht. Gestalte ich mein Leben spannend? Ich glaube, mein Leben ist sehr spannend. Ich genieße es in vollen Zügen.

Joko und Klaas gibt es nur sehr selten ohne den anderen. Geht ihr euch manchmal auf die Nerven?
Klaas: Es wirkt oft so, als wären wir von einem Gericht einander zugeordnet worden und jetzt müssen wir das weitermachen. Man muss sich in Erinnerung rufen, dass das alles auf Freiwilligkeit basiert, was wir machen. Wir könnten jeden Tag aufhören, es gibt kein Scheidungsjahr. Das wollen wir aber einfach nicht. Wir haben uns schon ... akzeptiert. Joko ist der Bruder, den ich nie wollte. Aber es ist ein Bruder.

Ein Bruder, mit dem man viel Spaß haben kann?
Joko: Dem man Dinge antun kann, damit man selbst Spaß hat - das ist eigentlich die richtige Formulierung. (Klaas streichelt Joko über die Schulter) Fass mich nicht an, Klaas.

Ihr seid mittlerweile bei einem großen Sender und im Mainstream angekommen. Schränkt euch das in irgendeiner Weise ein?
Klaas: Wir waren schon immer Mainstream, es hat nur keiner mitbekommen. Mainstream ist Unterhaltung, die vielen Leuten gefällt. Der Begriff ist sehr belegt und heißt immer, dass man ohne Ecken und Kanten jedem gefallen will. Das ist aber nicht der Punkt. Wir haben schon früher Sachen gemacht, um einigen Leuten zu gefallen - und keinen abstrusen abseitigen Kram. Wir haben keine Regeln.
Joko: Für uns hat sich nichts verändert. Es ist nur der Sendeplatz und der Sender. Uns spricht keiner in unser Zeug rein. Das entscheiden alles wir.

Eure Sendungen zeichnen sich dadurch aus, dass Vieles überrascht. Das Format ist freier als die klassischen Familienshows. Haben Sendungen wie "Wetten, dass..?" ausgedient?
Klaas: Bei einem selbst setzt da schnell die Nostalgie ein. Wenn ich zum Beispiel an "Die 100 000 Mark Show" denke: Damals waren 100 000 Marknoch viel Geld. Heute müssen es 2,5 Millionen sein, damit überhaupt noch jemand hinter dem Ofen hervorkommt. Wenn ich mir auf der anderen Seite "Schlag den Raab" anschaue oder am letzten Wochenende "Verstehen sie Spaß?" oder "Willkommen bei Carmen Nebel": All das hatte sehr gute Quoten. Da hab ich nicht das Gefühl, dass das abgelöst wird. Ich habe eher den Eindruck, dass es Familiensendungen gibt, die sich immer weiter modernisieren.

Loriot ist tot, Dieter Hildebrandt vor wenigen Tagen gestorben. Kritiker sagen: Unterhaltung in Deutschland ist nur noch Mist. Fühlt ihr als Comedypreisgewinner euch durch so etwas beleidigt?
Klaas: Kabarett gibt es sehr wohl noch. Es gibt in den Städten für wenig so viele Plakate wie für Kabarett - ob man es jetzt Kabarett oder Comedy nennen will. Dieter Hildebrandt hat sich aus einem ganz anderen Grund auf die Bühne gestellt: Damals musste man einen Weg finden, wie man politische Themen auf einer öffentlichen Bühne ausbreitet und damit Menschen erreicht. Das ist heute anders. Ich verstehe, dass viele ältere Menschen dem hinterherweinen. Ich werde mit 80 auch so ein Mecker-Opa, der sagt: Alles scheiße, früher war alles besser. Es gibt aber auch einfach Individuen von damals, die nicht kopierbar sind. Dieter Hildebrandt war einmalig. Einen neuen Hildebrandt zu suchen, daran wird man natürlich scheitern. Aber es gibt nach wie vor sehr gute Leute.
Joko: Da kann ich nichts hinzufügen.

dpa

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