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23:02 08.07.2016
Die ARD-Sommerinterviews starten. Tina Hassel wird zusammen mit ihrem Kollegen Thomas Baumann zuerst Grünen-Parteichef Cem Özdemir befragen. Quelle: WDR/Jürgen Welter
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Berlin

Frau Hassel, seit exakt einem Jahr sind Sie Chefin des ARD-Hauptstadtstudios. Das Sommerinterview mit der Kanzlerin war einer Ihrer ersten Einsätze. War das genau das Richtige, um sich nach Ihrer Zeit in Washington in die Berliner Politik einzufinden?

Hassel: Die Sommerinterviews bieten die Möglichkeit, die erste Garde der Politik einzeln über immerhin 18 Minuten hinweg intensiv befragen zu können. In politisch bewegten Zeiten wie diesen, in denen Medien zu Zuspitzung neigen und die Politik gern Nebelkerzen zündet, tut diese Entschleunigung gerade gut.

Herr Baumann, zuletzt waren Sie in München Chefredakteur der ARD. Warum haben Sie Ihre Stelle mit Rainald Becker getauscht?

Baumann: Es ergab sich. Für mich ist das die freudige Rückkehr in den praktischen Journalismus. Ich war gern Chefredakteur der ARD und fand spannend, meine ARD aus dieser Perspektive kennenzulernen.

Die da wäre?

Na, schaffen Sie mal Konsens zwischen neun Chefredakteuren und neun Kulturchefs von neun Landesrundfunkanstalten und zwei Chefredakteuren der Gemeinschaftseinrichtungen ARD aktuell in Hamburg und dem Hauptstadtstudio in Berlin. Ich fand es spannend, ich habe gelernt, zwischen möglichst vielen Menschen möglichst gute Kompromisse herzustellen, aber nach zehn Jahren war es jetzt auch mal gut.

Seit 1. Juli sind Sie Tina Hassels Stellvertreter. Mit den Sommerinterviews beginnt auch Ihr neues Amt.

Baumann: Und auch ich schätze die Tiefenbohrung, die die Sommerinterviews ermöglichen. Sie geben uns den Raum nachzuhaken und den Politikern, ihre Sicht ausführlicher zu erläutern. Damit schaffen wir einmal im Jahr eine Abwechslung zu den sonst üblichen, nur vier oder fünf Minuten langen Interviews.

Über Sie, Frau Hassel, heißt es, Sie wirkten vor der Kamera lebendiger als Ihr Vorgänger Ulrich Deppendorf. Herr Baumann, werden Sie im Vergleich zu Becker eine lebendigere Mimik zeigen?

Baumann: Mein Vorgänger hat einen tollen Job gemacht. Jeder muss sein dürfen, wie er ist. Das Dümmste, was man machen kann, ist sich selbst zu verordnen, wie man zu sein hat.

Bei Ihrem Wechsel nach Berlin fürchteten Sie, Frau Hassel, die Politik hier neige zum Klein-Klein.

Hassel: Was ja dann nicht der Fall war mit NSU, Griechenland, den Flüchtlingen…

Dann kam das Gezeter zwischen Seehofer und Merkel.

Hassel: Das gehört dazu, überschattet aber nicht die Themen mit europäischer und transatlantischer Dimension. Da geht es um mögliche Kontinentalverschiebungen.

Wie beurteilen Sie, was in den USA passiert?

Hassel: Es gibt erstaunliche Parallelen zwischen dem Politikertypus Donald Trump und den Populisten hier in Europa. Hier wie da gibt es die Stimmung gegen angebliche Eliten, falsche Wahlversprechen, Rattenfänger und Versuche, Wahrheiten zu verdrehen.

Was werden die Themen der Sommerinterviews sein?

Baumann: Der Brexit natürlich, Europa, die Flüchtlingskrise, klar. Das sind die Oberthemen, denen wir uns, je nach Interviewpartner, unterschiedlich nähern. Natürlich werden wir mit Cem Özdemir am Sonntag auch über Persönliches reden. Der Mann hat seit Wochen Personenschutz. Wie lebt es sich damit? Und was machen die Grünen mit ihrer Macht im Bundesrat, wenn die Maghreb-Staaten zu sicheren Herkunftsländern erklärt werden sollen?

Wenn Sie auf Ihr erstes Jahr im Hauptstadtstudio zurückblicken: Was hat sich verändert?

Hassel: Wir nehmen uns mehr Zeit für Kritik am Programm. Vor allem arbeiten wir enger als zuvor mit dem Hörfunk zusammen, tauschen uns über Recherchen aus und bilden ressortübergreifend Expertenteams. Dadurch setzen wir eigene Themen und müssen uns am Wochenende weniger von dem überraschen lassen, was andere Medien melden. Außerdem starten wir am Tag des Sommerinterviews mit der Kanzlerin, …

… das am 28. August die Reihe beenden wird…

Hassel: …unser ARD-Hauptstadtblog, ein Projekt, in das alle Korrespondenten aus Hörfunk und Fernsehen eingebunden sind, das „tagesschau.de“ sinnvoll ergänzt, auch mit Kommentaren, Tweets und Geschichten hinter den Kulissen. Wir werden dort als Ansprechpartner erkennbar sein. Es ist außerdem ein Instrument, engeren Kontakt zu unseren Zuschauern und Zuhörern zu pflegen, gerade zu den jüngeren. Ich will eine Politikberichterstattung, die bei den Menschen ankommt. Dabei wird uns dieses Blog helfen.

Interview: Ulrike Simon

Auf der Treppe des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses empfangen Tina Hassel und Thomas Baumann jeweils sonntags um 18.30 Uhr im Ersten: Cem Özdemir (10.7.), Horst Seehofer (17.7.), Katja Kipping (31.7.), Sigmar Gabriel (7.8.) und Angela Merkel (28.8.).

Zum Auftakt der ZDF-Sommerinterviews mit Bettina Schausten und Thomas Walde kommt an diesem Sonntag, Angela Merkel. Es folgen Sahra Wagenknecht (24.7.), Sigmar Gabriel (14.8.) und Joachim Gauck (28.8.), jeweils 19.10 Uhr.

Trotz der Affäre um das Erdogan-Gedicht will das ZDF die Zusammenarbeit mit Jan Böhmermann fortsetzen und sogar noch ausbauen: Der Sender spricht mit dem Satiriker darüber, "ob man da noch etwas mehr machen kann", sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut.

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