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Fernsehen „Die Sendung ist ein Versuchslabor“
Nachrichten Medien Fernsehen „Die Sendung ist ein Versuchslabor“
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00:15 03.09.2015
Von Christiane Eickmann
"Es gibt natürlich keine Grenze nach oben, uns dürfen auch Über-40-Jährige gucken": Daniel Bröckerhoff. Quelle: Fredrik von Erichsen/dpa
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Vor rund drei Monaten ist „heute+“ als interaktives Nachrichtenmagazin im ZDF gestartet. Zum Start wurde mehr über Ihre Frisur berichtet als über den Inhalt der Sendung. Hat Sie das geärgert?

Ich habe mich tatsächlich gefragt, ob das substanzielle Kritik sein soll, wenn vor allem darüber geschrieben und geredet wird, dass ich mich verhaspelt habe. Kritiker müssen sich scheinbar irgendetwas suchen. Allerdings haben wir so natürlich auch Aufmerksamkeit bekommen. Etwas Besseres als die fünf Minuten, in den Stefan Raab über uns gelästert hat, konnte uns in der ersten Woche gar nicht passieren.

Mittlerweile ist die Kritik verstummt.

Natürlich ist man am Anfang, wenn man eine komplett neue Sendung startet, nicht die Souveränität in Person. Das hat auch im Sender niemand erwartet. Ich glaube, mittlerweile finden Eva-Maria Lemke und ich uns im Studio und in der Sendung zurecht – und bewegen uns sicher in der „grüne Hölle“, wie das Nachrichtenstudio intern beim ZDF heißt.

Erreichen Sie denn die angepeilte, jüngere Zielgruppe?

Ich habe noch keine detaillierten Ergebnisse der Medienforschung vorliegen. Was aber bereits zu sehen ist: Wer bei Facebook, die Seite liked, gehört zur Zielgruppe „18 bis Mitte 30“. Also zur Gruppe, die wir erreichen wollen. Wobei es natürlich keine Grenze nach oben gibt, uns dürfen auch Über-40-Jährige gucken. Und offenbar haben wir auch bei den Über-50-Jährigen ganz gute Marktanteile.

Die 18-Jährigen sind doch gar nicht mehr bei Facebook!

Na ja. Die ganz Jungen sind wohl tatsächlich eher bei Snapchat und Instagram. Die gucken vermutlich auch lieber die Streaming-Apps. Im Übrigen glaube ich aber nicht an die These, dass Facebook tot ist. Das wird von manchen Journalisten wohl eher herbeigesehnt. Facebook hat gerade Google den Rang abgelaufen, was den Zugang zu Nachrichten angeht. Das ist schon ein Zeichen dafür, dass diese Plattform erstmal nicht weggehen wird.

Das ZDF ist ja auch angetreten, mit „heute+“  in einen Dialog mit den Zuschauern zu treten. Funktioniert das? In der Sendung ist davon bisher nicht so viel zu merken.

Bei Twitter haben wir nur rund 7500 Follower, bei Facebook sind es mehr als 25.000 Likes. Mit dem Zuschauerfeedback dort sind wir unterm Strich sehr zufrieden. Wir haben in der Regel jeden Tag einen Beitrag, der sehr erfolgreich läuft, viel geschaut, kommentiert und geteilt wird. Wir versuchen, so oft wie möglich auf die Kommentare einzugehen, uns an der Diskussion zu beteiligen, was die User sehr positiv aufnehmen. Das sind viele nicht gewohnt. Klar kriegt man da auch schon mal eine verbale Ohrfeige mit, aber der konstruktive Austausch überwiegt. Und die meisten harten Kritiker werden sehr schnell handzahm, wenn man auf sie eingeht.

Aber warum werden keine Posts oder Tweets der Zuschauer während der Sendung eingeblendet?

Wir haben uns gegen das pure Tweet-Vorlesen entschieden. Was wir jedoch tatsächlich irgendwann einmal machen wollen, ist eine aktive Liveinbindung von Kommentaren. Aber wann wir so weit sind, das wissen wir noch nicht. Die ganze Sendung ist immer noch ein Experiment, ein großes Versuchslabor. Wir sind jede Woche dabei, neue Sachen auszuprobieren, andere Sachen zu verwerfen.

Was haben Sie denn zuletzt ausprobiert?

Gerade was die Social-Sachen angeht, versuchen wir möglichst viel Aufmerksamkeit zu erreichen. Wir haben jetzt begonnen, mit Kommentartafeln die Sendung zu bewerben. Das klappt ganz gut. Vor allem, wenn es um aktuelle Themen wie die Flüchtlingsdebatte geht.

Nun ja. Der Kommentar, der den Döner als Errungenschaft der Migrationsbewegung preist, war jetzt vielleicht etwas gewollt …

Gut, der ist auch negativ diskutiert worden, das ist aber in Ordnung. Manchmal entsteht etwas aus dem Moment heraus. Wenn jemand sagt, „das ist mir zu platt“, dann ist das so. Aber ich stehe dazu: Ich halte den Döner für ein Beispiel gelungener Integration, der mittlerweile zu unserer Kultur dazugehört. Es gibt Menschen, die sagen „Kulturen dürfen sich nicht vermischen“. Denen muss man manchmal simple Beispiele vorhalten.

Sie sind viel im Netz unterwegs. Wie sehr beeinflusst das Ihre Themenwahl?

Neben den klassischen Nachrichtenagenturen schaue ich auch im Netz, was die anderen so thematisieren und was von den Nutzern stark diskutiert wird. Dafür nutze ich vor allem Reddit und Twitter. Aber wir gehen auch Zuschauerhinweisen nach. Wir werden zum Beispiel manchmal gebeten, Vorgänge wie die Griechenlandkrise noch einmal gründlich zu erklären. Es gab ja auch Kritiker, die sagten, wir seien wir „Logo“ für Erwachsene. Aber ich denke, es ist genau richtig, Vorgänge noch einmal grundlegend darzustellen. Viele Nachrichtensendungen wollen häufig das Aktuelle erklären und vergessen dabei, dass man Vorwissen braucht, um eine Entwicklung zu verstehen.

Vor dem Start von „heute+“ hatte „heute journal“-Anchorman Claus Kleber in einem charmanten Spot für ihre Sendung geworben. Haben Sie noch Kontakt? Wissen Sie wie ihm die Sendung gefällt?

Es ist leider zeitlich schwierig mit Claus Kleber oder Marietta Slomka ins Gespräch zu kommen, weil wir ähnliche Arbeitszeiten haben. Wir treffen uns eher in der Maske oder im Fahrstuhl – und da fehlt die Zeit, sich länger auszutauschen. Er hat mir aber mal gesagt, dass er das gut findet, was wir machen.

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