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Polizeischutz für Jan Böhmermann

Nach Schmähgedicht über Erdogan Polizeischutz für Jan Böhmermann

Die Affäre um das Erdogan-Gedicht von Jan Böhmermann weitet sich aus. Der Satiriker sagte die nächste Ausgabe seiner Sendung "Neo Magazin Royale" ab. Der Fernsehmoderator steht bis auf Weiteres unter Polizeischutz.

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Moderator Jan Böhmermann hat zusammen mit seiner Produktionsfirma und dem ZDF die nächste Ausgabe von "Neo Magazin Royale" abgesagt.

Quelle: Ben Knabe/ZDF/dpa

Berlin. Seit Dienstag steht ein Streifenwagen der Polizei Köln vor dem Haus von Jan Böhmermann. "Wir haben sichtbare Objektschutz-Maßnahmen sowie darüber hinausgehende Sicherheits-Vorkehrungen eingeleitet", erklärte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Zuvor habe es eine Beurteilung der Gefährdungslage gegeben. "Wenn man etwas nicht ausschließen kann, dann muss man etwas tun", sagte der Polizeisprecher. Nähere Angaben machte er nicht. "Zum Schutz der Person Böhmermann und dessen Familie."

Kein "Neo Magazin Royale" am Donnerstag

Vorher hatte die Redaktion von "Neo Magazin Royale" mitgeteilt, dass die nächste Ausgabe der Sendung ausfalle. Das habe Jan Böhmermann zusammen mit der Produktionsfirma btf entschieden. "Grund ist die massive Berichterstattung und der damit verbundene Fokus auf die Sendung und den Moderator. Die Entscheidung erfolgte in Abstimmung mit dem ZDF."

Das ZDF bestätigte auf Nachfrage der Nachrichtenagentur dpa, dass die Sendung ausfalle. "Wir respektieren die Entscheidung der Produktionsfirma und von Jan Böhmermann und haben Verständnis für deren Begründung", sagte ein Sprecher des Senders in Mainz.

Bundesregierung prüft Wunsch der Türkei

Böhmermann hatte in seiner Sendung "Neo Magazin Royale" am 31. März ein Gedicht mit dem Titel "Schmähkritik" vorgetragen, in dem er den türkischen Präsidenten Erdogan beschimpfte und beleidigte. Er hatte vorher gesagt, das solle ein Beispiel dafür sein, was in Deutschland nicht erlaubt sei. Das ZDF löschte später die Sendung aus der Mediathek.

Seit Wochen steht Moderator Jan Böhmermann wegen seines Erdogan-Schmähgedichts im Fokus des öffentlichen Interesses. Auch viele Prominente und Politiker beziehen Stellung.

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Am Wochenende forderte die Türkei Ermittlungen gegen Böhmermann. Die Bundesregierung will in den nächsten Tagen über diesen Wunsch nach Strafverfolgung entscheiden. Am Montag reichte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan außerdem einen Strafantrag wegen Beleidigung gegen Böhmermann ein.

Am Dienstag hob Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Bedeutung der Meinungs- und Kunstfreiheit in Deutschland hervor. "Diese Grundwerte gelten unbeschadet aller politischen Probleme, die wir miteinander besprechen." Die Kanzlerin betonte, dass sie in der Flüchtlingskrise eine gemeinsame Lösung mit der Türkei anstrebe. Aber die Frage des Flüchtlingsabkommens sei von der Kontroverse um die Böhmermann-Satire "völlig entkoppelt".

Die Sendungen von "Neo Magazin Royale" laufen donnerstags auf ZDFNeo (22.30 Uhr) und freitags im ZDF (0.00 Uhr). In der vergangenen Woche war die Journalistin und Moderatorin Anne Will zu Gast gewesen (eine Besprechung der Sendung finden Sie hier und über diesen Link rufen Sie die Aufzeichnung in der Mediathek des ZDF auf).

Welle der Solidarität für Böhmermann

In den vergangenen Tagen haben immer mehr Menschen Partei für Böhmermann ergriffen. Zuerst schrieb Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner einen offenen Brief an den Fernsehmoderator: "Ich möchte mich, Herr Böhmermann, vorsichtshalber allen Ihren Formulierungen und Schmähungen inhaltlich voll und ganz anschließen und sie mir in jeder juristischen Form zu eigen machen."

Am Montag veröffentlichte Dieter Hallervorden das Lied "Erdogan, zeig mich an!" und verspottete den türkischen Präsidenten: "Ich sing' einfach, was du bist: Ein Terrorist, der auf freien Geist nur scheißt!" Am Nachmittag forderte Griechenlands Ex-Minister Yanis Varoufakis: "Hände weg von Jan Böhmermann!"

Immer mehr fordern #freeboehmi

Am Dienstag attackierte "heute-show"-Moderator Oliver Welke die Bundeskanzlerin. Zu einem "Fall Böhmermann" sei die Sache erst geworden, als sich Angela Merkel (CDU) dazu habe zitieren lassen, sagte Welke der "Bild"-Zeitung. "Ein großer Fehler, der ihr hoffentlich leidtut."

Die Netzaktivistin Christine Doering startete außerdem eine Online-Petition mit dem Titel "Freiheit für Böhmermann". "Die Türkei fordert, dass Jan Böhmermann für sein Erdogan Schmähgedicht strafrechtlich belangt wird. Ich halte dies für unangebracht, auch wenn das Gedicht inhaltlich wirklich übel sein mag, aber im Kontext gesehen eine wichtige Aussage über Satire gemacht hat", schreibt Doering. Mehr als 128.000 Menschen unterstützen den Aufruf bereits. Die Online-Petition finden Sie hier.

wer/afp

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